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Faszination Olympia - Aktiengesellschaften wittern in Sydney Profite

In einer Woche werden die die Olympischen Spiele eröffnet. Analysten nennen ihre Favoriten unter den Olympia-Sponsoren.

DÜSSELDORF. Der Countdown läuft. In einer Woche, am 15. September 2000, werden die Olympischen Sommerspiele von Sydney feierlich eröffnet. 10 000 Athleten werden teilnehmen, 25 Milliarden Fernsehzuschauer und 200 000 Olympiatouristen erwarten einen heißen Wettkampf um die Medaillen.

Weniger beachtet, aber nicht weniger hart ist der Wettstreit der Sponsoren. Sie nutzen das Spektakel, um sich und ihre Produkte weltweit zu vermarkten. Michael Mantlik, Aktienanalyst von der Vereins und Westbank - in Hamburg, ist überzeugt, dass sich das Engagement der Sponsoren mittelfristig auszahlt: "Bei der Olympiade schauen die Zuschauer ständig auf Gewinnertypen und assoziieren deren Image unwillkürlich mit den Markennamen der Sponsoren." Dies wirke sich positiv auf Absatz und Gewinne der Unternehmen aus - und letztlich auch auf den Aktienkurs, betont der Analyst. Die hohen Investitionen - das Eintrittsgeld der Top-Sponsoren für das "Team Millenium" liegt bei mindestens 30 Millionen australischen Dollar - belaste allenfalls kurzfristig das Ergebnis der Unternehmen, meint Mantlik.

Auch für Patrick Hasenböhler, Analyst der Zürcher Kantonalbank, stellt die Olympiade eine "ideale Plattform" dar, um den Bekanntheitsgrad eines Unternehmens weltweit zu steigern. Immer auch verbunden mit der Chance auf steigende Gewinne. Als besonders wirkungsvoll beurteilt er das Engagement von Sponsoren, deren Produkte in direktem Zusammenhang mit dem Ereignis stehen. Damit meint er nicht nur Sportartikelhersteller wie Nike oder Adidas, sondern etwa auch den Schweizer Uhrenkonzern Swatch. Eine Aktie, die derzeit bei einer ganzen Reihe von Aktienspezialisten auf der Kaufliste steht. Dieter Winet, Analyst der Privatbank Pictet & Cie, nennt zwei Hauptgründe für seine Kaufempfehlung. Zum einen führt er die marktbeherrschende Stellung der Swatch Group bei der Herstellung von Uhrwerken im Luxussegment an. Der Weltmarktanteil liege hier bei rund 85 Prozent. Zum anderen sieht er die höhere Positionierung der Luxusmarken - durch neue Designs, edlere Materialen und Juwelen - als geschickten Schachzug. Dadurch könnten höhere Preise erzielt werden, die Gewinnmargen erweiterten sich. Noch lohne sich der Einstieg für Privatanleger, meint Winet. Fair bewertet sei die Swatch-Aktie erst bei einem Kurs von 2 700 Schweizer Franken.

Sein Kollege Christoph Bohli von der Bank Sarasin nennt auf Sicht von zwölf Monaten sogar ein Kursziel von 2 900 Schweizer Franken. Die Stärken des Uhrenkonzerns seien eine gesunde finanzielle Basis, Fokussierung auf das Luxusuhrengeschäft sowie Technologieführerschaft. Rekordergebnisse seien im schnell wachsenden Geschäftsfeld Elektroniksysteme (z.B. Batterien für die Mobilfunktechnologie) zu erwarten.

Das Sponsoring der Olympiade stelle zwar nur ein Baustein der Marketingstrategie von Swatch dar, sei aber wichtig, um neue Käuferschichten zu erreichen, so Bohli. "Die positive Wirkung des Sponsoring ist schwer messbar, aber sie ist zweifellos vorhanden", bestätigt DWS-Fondsmanager Rainer Vermehren. Zu seinen Favoriten aus der Sponsorenliga zählen Unilever, IBM, Swatch und Matsushita Electric - Aktien, die auch im Portfolio des DWS-Fonds Konsumwerte (WKN: 976 995) vertreten sind. Beim weltweit größten Softdrink-Produzenten Coca-Cola rät er wegen des starken US-Dollars Anlegern von Engagements gegenwärtig ab. Das Unternehmen erzielt rund 70 Prozent des Umsatzes im Ausland. Kai Franke, Leiter Aktienresearch Privatkunden der BHF-Bank, stuft die Coca-Cola-Aktie trotz ungünstiger Währungsrelationen als langfristigen Kauf ein. Der Gewinn je Aktie werde im Jahr 2001 bei 1,75 Dollar liegen, das entspreche einem Zuwachs von rund 20 Prozent. Mit durchschnittlich zehn Prozent Gewinnwachstum pro Jahr sei bei McDonald?s zu rechnen.

Während der Markt in den USA weitgehend gesättigt sei, bewege sich die Fastfood-Kette im Ausland weiterhin auf Wachstumskurs. Pro Jahr eröffne McDonald?s im Schnitt 1 500 bis 2 000 neue Schnellrestaurants. Nach Einschätzung von Franke könnte die Aktie in den nächsten zwölf Monaten wieder ihre früheren Höchstkurse von rund 49 Dollar erreichen. Als uninteressant bezeichnet Franke dagegen zurzeit die Kodak-Aktie. Das Unternehmen habe den Wandel in Richtung digitale Technologie in der Fotoindustrie nicht schnell genug vollzogen. Als kaufenswert stuft der Aktienexperte indes den Computerhersteller IBM ein - und ist sich damit mit einer ganzen Reihe von US-Analysten einig. Das Unternehmen sei nach wie vor Weltmarktführer bei Großrechnern, habe sich aber auch bei Softwaredienstleistungen eine starke Position aufgebaut.

Unter den asiatischen Olympia-Sponsoren stuft Franke den koreanischen Weltmarktführer für Speicherchips, Samsung Electronics, als "fair bewertet" ein, während für ihn die japanische Matsushita Electric ein "klarer Kauf" ist. Jeannette Möhlenbrock, Managerin des Oppenheim-Fonds Select Japan (WKN: 847 860) sieht das ähnlich. Sie rechnet damit, dass Matsushita bis 2001 das operative Ergebnis um 20 Prozent steigern wird. Gut laufe vor allem das Geschäft mit Fernsehern, DVD-Geräten und Klimaanlagen. Ihr Kursziel für die Aktie auf Sicht von sechs Monaten: 3 200 Yen.

Kein Zweifel: Die Olympiade hat sich zu einem idealen Marketinginstrument entwickelt. Die internationalen Konzerne können dort zeigen, wie schnell, wie sportlich, wie jung und dynamisch sie sind. Doch Anleger sollten sich vom Olympia-Fieber nicht blenden lassen. Aktien von Sponsoren mit wenig überzeugenden Geschäftszahlen werden auch durch Sydney keine nachhaltigen Impulse erhalten.

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