Archiv
Faszinierender Bundesliga-Endspurt

Düsseldorf (dpa) - Die Fußball-Bundesliga hat im 41. Jahr nichts von ihrer Faszination eingebüßt und sich in wirtschaftlich schweren Zeiten als Krisen resistent erwiesen.

Der Triumphzug von Werder Bremen, die Selbstdemontage des FC Bayern München, das Comeback von Bayer Leverkusen, das «Wunder von Bochum» sowie der vergebliche Abstiegskampf von Eintracht Frankfurt, 1860 München und des 1. FC Köln schlugen alle in den Bann. Das große Spiel mit den Emotionen und Enttäuschungen lockte rund 11,5 Millionen Besucher in die Stadien - das ist Rekord.

Statt des erwarteten Durchmarschs des FC Bayern gab es nach dem 2:0 gegen den SC Freiburg nach unwürdigem Theater den bewegenden Abgang von Ottmar Hitzfeld, dem bislang erfolgreichsten Trainer an der Isar. «Das waren ergreifende Momente, die tief ins Herz gehen», sagte der 55-Jährige, nur mühsam die Tränen unterdrückend. Er hinterlässt als Erbe die Teilnahme an der Champions League, was seinem Nachfolger Felix Magath mit dem VfB Stuttgart nicht gelang.

Nach dem 0:2 in Leverkusen wurden die Schwaben von Bayer noch auf Platz vier verdrängt und auf der Zielgeraden um mögliche Einnahmen von rund 15 Millionen Euro gebracht. Bei der Suche nach einem Magath-Nachfolger muss der VfB nun wohl eine Billigvariante wählen: Dabei könnte die Wahl auf Bayer-Sportdirektor Jürgen Kohler fallen, der vom Schreibtisch wieder auf den Rasen will.

Noch einmal aufraffen müssen sich die Bremer, für die das 1:3 bei Hansa Rostock nur eine verpatzte Generalprobe für das DFB-Pokal-Finale am 29. Mai in Berlin gegen Alemannia Aachen gewesen sein soll. «Die Niederlage war ein Weckruf für alle. Wir müssen 1000-prozentig bei der Sache sein», kündigte Bremens Kapitän Frank Baumann das vorläufige Ende der Feier-Wochen an.

Zu den Gewinnern der Saison zählt der VfL Bochum, der mit einem 3:1 gegen Hannover 96 den Ruhr-Rivalen Borussia Dortmund (1:1 beim 1. FC Kaiserslautern) noch von Platz fünf und aus dem UEFA-Cup verdrängte. «Wir haben sechs Schritte auf einmal gemacht. Dagegen ist die Meisterschaft von Bremen echte Planwirtschaft», frohlockte Trainer Peter Neururer. Mit seinem letzten Treffer für Lautern leistete der Neu-Bochumer Vratislav Lokvenc nicht nur dazu Schützenhilfe. Er sicherte den Pfälzern zugleich den Klassenverbleib - und Trainer Kurt Jara den Job. Während der Österreicher «eine Riesenfreude» verspürte, grämte sich BVB-Coach Matthias Sammer nach einer verkorksten Saison: «Der Platz sechs entspricht der Realität.»

Aus ist der Traum von einem Mirakel für Eintracht Frankfurt (1:2 beim Hamburger SV) und den TSV 1860 München (1:3 bei Borussia Mönchengladbach), die gemeinsam mit dem 1. FC Köln den Gang in die 2. Liga antreten müssen. «Das ist die bitterste Stunde für den Verein», kommentierte 1860-Präsident Karl Auer den Abstieg. Trainer Gerald Vanenburg wird das Projekt Wiederaufstieg nicht mehr leiten, ob Willi Reimann Chefcoach in Frankfurt bleibt, ist noch ungewiss. Abschied mussten die Gladbacher von der Kultstätte Bökelberg nehmen, dem ältesten Stadion der Bundesliga.

Dass nicht nur die Borussia in der neuen Arena mit vollen Rängen in der Saison 2004/2005 rechnen darf, zeigen die Zuschauerzahlen dieser Spielzeit. Mit 11 466 201 Fans passierten rund eine Million mehr als im Vorjahr die Stadiontore. Im Schnitt kamen damit 37 471 Besucher zu jedem Spiel. Zuschauerkrösus ist wieder Borussia Dortmund, das zu seinen Heimpartien 1,354 Millionen Anhänger anlockte.

Dem Publikum wurde zwar nicht immer Fußball-Feinkost geboten, dafür aber fielen in 306 Spielen insgesamt 909 Tore (2002/03: 821) - so viele wie seit 1996/97 nicht mehr. Meister Bremen steuerte, angeführt vom neuen Torschützenkönig Ailton (28), allein 79 Treffer bei, die höchste Erfolgsquote eines Champions seit 18 Jahren. Allerdings ging es auf den Plätzen auch hitziger zu: 39 Profis erhielten die Rote Karte (2002/2003: 33), 42 sahen Gelb-Rot (38).

Turbulenzen gab es ebenso auf den Trainerbänken: Acht Chefcoaches mussten ihren Platz vorzeitig räumen. Gelohnt hat es sich für Hertha BSC (Hans Meyer), Kaiserslautern (Jara), Hannover 96 (Ewald Lienen) und Borussia Mönchengladbach (Holger Fach), die dem Abstieg entkamen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%