Fatah-Aktivist mit Rakete getötet
Eklat vor Robinson-Gesprächen

dpa JERUSALEM/RAMALLAH. Unter dem Eindruck fortdauernder Gewalttaten in Nahost hat die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, am Donnerstag ihre Untersuchungen über mögliche Menschenrechtsverletzungen der israelischen Armee in den Palästinenser-Gebieten aufgenommen. Robinsons Sondierungen begannen mit einem diplomatischen Eklat. Weil sie sich weigerte, auch den rechtsgerichteten Oppositionsführer Ariel Scharon und den Bürgermeister von Jerusalem, Ehud Olmert, zu treffen, sagte das Außenministerium in Jerusalem ein von Robinson gewünschtes Gespräch mit Außenminister Schlomo Ben-Ami und Regional-Minister Schimon Peres kurzfristig ab. Palästinensische Politiker hatten Robinson mit einem Boykott ihrere Mission gedroht, falls sie dem Drängen Israels nach einem Treffen mit Scharon nachgebe.

Unterdessen wurden bei neuen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten mindestens vier Palästinenser getötet und mehrere weitere verletzt. Erstmals griffen israelische Kampfhubschrauber nahe dem Ort Bet Sachur bei Bethlehem im Westjordanland das Auto eines militanten Fatah-Führers mit Raketen an. Der 33-jährige Hussein Abajat wurde durch eine Luft-Bodenrakete getötet. Die Armee erklärte später, der Mann sei für zahlreiche bewaffnete Angriffe auf den jüdischen Vorort Gilo am Rande Jerusalems verantwortlich gewesen. Bei dem Angriff wurden zwei 52 und 57 Jahre alte Frauen tödlich verletzt und bei Zusammenstößen im Gazastreifen ein 14-jähriger Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten getötet. Der Führer der Fatah-Organisation im Westjordanland, Marwan Barguti, schwor nach dem Hubschrauberangriff Vergeltung.

UN-Hochkommissarin Robinson war am Mittwochabend in Israel eingetroffen, um im Auftrag der UN-Menschenrechtskommission die Hintergründe der Unruhen und mögliche Menschenrechtsverletzungen durch die israelische Armee in den Palästinenser-Gebieten in Erfahrung zu bringen. Sie traf am Donnerstag zunächst mit dem israelischen Justizminister Jossi Beilin zusammen. Auch ein Gespräch mit Ministerpräsident Ehud Barak wurde für möglich gehalten. Israel hatte die im Oktober verabschiedete Resolution der Menschenrechtskommission scharf zurückgewiesen. Am Freitag wollte sie ihre Sondierungen in den Palästinenser-Gebieten fortsetzen.

Während sich Palästinenser-Präsident Jassir Arafat am Donnerstag auf ein Treffen mit US-Präsident Bill Clinton in Washington vorbereitete, bekräftigten mehrere palästinensische Politiker den Willen, zu Verhandlungen mit Israel über eine dauerhafte Friedensregelung zurückzukehren. Die bisherigen Unterhändler Mohammed Dachlan und Sajeb Erekat betonten jedoch, die seit sechs Wochen andauernde Intifada (Aufstand) in den Palästinenser-Gebieten werde unabhängig von neuen Verhandlungen weiter gehen. Dachlan weigerte sich in einem Interview mit der Zeitung «Al Kuds» außerdem, die Fatah-Milizen im Westjordanland zu entwaffnen. Bei den Unruhen sind seit Ende September fast 200 Menschen getötet worden, darunter mehr als 170 Palästinenser.

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