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Faule Gurken - Gefahr fur Putin

"Mistwetter", ist noch das Schmeichelhafteste, was Moskowiter am heutigen Sommeranfang uber die Lage in ihrer Stadt sagen. Acht Grad und sintflutartige Regenfalle beschert der russische Wettergott seiner Hauptstadt. Baden im Moskwa-Flus im Westen der 15-Millionen-Metropole? Fehlanzeige!

"Mistwetter", ist noch das Schmeichelhafteste, was Moskowiter am heutigen Sommeranfang uber die Lage in ihrer Stadt sagen. Acht Grad und sintflutartige Regenfalle beschert der russische Wettergott seiner Hauptstadt. Baden im Moskwa-Flus im Westen der 15-Millionen-Metropole? Fehlanzeige! Die neuen Biergärten innerhalb des Gartenrings? Menschenleer!

Nur in Kroatien, weiß meine Sekretarin zu berichten, war es kurzlich noch schlimmer: Schneefall und alle Touristen in ihren Hotels bibbernd vor Kalte verschanzt. Nur Datschen-Nachbar Adolfowitsch kann das nicht schlimmer als seine Lage finden: Der Dauerniesel habe ihm die ausgesaten Gurken im Garten vergammeln lassen. Wie also solle er seinen Wodka im Winter einnehmen, wenn nicht mit in kraftige Salzlake eingelegten Gürkchen?

So braut sich etwas nicht nur an der Wetterfront zusammen: Der Dauerregen und das Kaltetief sind ein Angriff auf Putin! Denn der Kremlherr hat dem Millionenheer russischer Rentner zum Jahresbeginn nicht nur die bisherigen Freifahrten in Bussen und Bahnen genommen, was die Pensionare empfindlich in ihren Portemonnaies spüren. Mussten sie wegen der Megafeuchte im Herbst nur faule Kartoffeln und Tomaten einfahren, stiege der Unmut ins Unermessliche.

Denn die Masse der Russen lebt im wesentlichen noch immer von der Ernte im eigenen Garten. Wird die zum Regen-Opfer, bleiben die Einweckglaser leer und so mancher Magen wird im Winter knurren.

Deshalb: Endlich Sonne! Nicht nur fur uns Bade- und Schaschlik-Grillen-am-Moskwaufer-Wütigen! Sondern auch fur Adolfowitschs klamme Gurken.


Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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