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Favoritensterben in Roland Garros

Paris (dpa) - Die French Open sind wie ein gefräßiges Monster, das am liebsten mit Tennis-Prominenz gefüttert werden will. In schöner Regelmäßigkeit fallen dem härtesten Grand-Slam-Turnier der Welt die Favoriten gleich reihenweise zum Opfer.

Paris (dpa) - Die French Open sind wie ein gefräßiges Monster, das am liebsten mit Tennis-Prominenz gefüttert werden will. In schöner Regelmäßigkeit fallen dem härtesten Grand-Slam-Turnier der Welt die Favoriten gleich reihenweise zum Opfer.

So auch in diesem Jahr: Titelverteidigerin Justine Henin-Hardenne musste nach Runde zwei gehen. Andre Agassi scheiterte zum zweiten Mal in 16 Paris-Jahren gleich in seinem Auftaktmatch. Schließlich stolperte auch noch der an Nummer zwei gesetzte Andy Roddick und machte das Desaster für die amerikanischen Tennisspieler perfekt. Erstmals seit Beginn der Open-Ära (1968) steht bei einem Grand-Slam-Turnier kein US-Profi in der dritten Runde. «Die Amerikaner am Boden», höhnte die französische Sportzeitung «L'Equipe».

Mit Justine Henin-Hardenne gingen die Kritiker etwas freundlicher um, denn sie war krank und seit Steffi Graf 1995/96 konnte in Paris keine Spielerin mehr ihren Titel verteidigen. So früh strauchelte vor Henin-Hardenne allerdings nur eine: Die Spanierin Arantxa Sanchez-Vicario schied nach ihrem Sieg 1989 im darauf folgenden Jahr ebenfalls in Runde zwei aus.

Der Versuch der 21 Jahre alten Belgierin, das Kunststück vom Vorjahr zu wiederholen, erschien von vornherein aussichtslos. Die Weltranglisten-Erste hatte seit dem 10. April kein Match mehr bestritten. Eine Viruserkrankung mit Symptomen wie beim Pfeiffer'schen Drüsenfieber machte ihr zu schaffen. «Wahrscheinlich war es zu früh für ein Comeback, aber ich bereue es nicht. Nun weiß ich, wo ich stehe und was ich zu tun habe», sagte sie nach der Niederlage gegen die Italienierin Tathiana Garbin. «Ich war nicht die Spielerin, die ich in den letzten zwölf Monaten war», meinte die stets etwas verbissen wirkende Wallonin, die sich in Roland Garros im Vorjahr die erste von drei Grand-Slam-Kronen aufgesetzt hatte.

Vielleicht hat Henin-Hardenne im fabelhaften Jahr 2003 ihre körperlichen Grenzen überschritten. Sie bestritt 86 Matches, in denen ihr 75 Siege gelangen, gewann nach den French Open auch die US Open und eroberte im Oktober Platz eins in der Weltrangliste. 2004 folgten der Sieg bei den Australian Open und drei weitere Titel. Von 25 Matches hatte sie bis Paris nur zwei verloren. Die durch das frühe Ausscheiden entstandene Zwangspause vor Wimbledon wird ihr gut tun.

Aber auch im Sinne des Damen-Tennis darf man dem Aus der Titelverteidigerin etwas Positives abgewinnen. Weil die Weltranglisten-Zweite Kim Clijsters in Paris wegen einer Handverletzung fehlt und die Williams-Schwestern seit langer Zeit wieder in der gleichen Hälfte des Tableaus gesetzt sind, wird es am 5. Juni erstmals seit den Australian Open 2002 kein rein belgisches Finale und auch keinen «Sister Act» geben. Vor zwei Jahren in Melbourne siegte Jennifer Capriati gegen Martina Hingis.

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