Fazit des IOC-Präsidenten
Rogge: Situation in China "nicht perfekt"

IOC-Präsident Jacques Rogge hat den chinesischen Gastgebern eine "makellose" Organisation attestiert. Kritische Worte fand der Belgier zu Pressezensur und Unterdrückung von Protesten. Das IOC bezeichnete Rogge vor diesem Hintergrund als "machtlos".

HB PEKING. Kurz vor dem Abschluss der Olympischen Spiele in Peking hat IOC-Präsident Jacques Rogge ein positives Fazit gezogen, aber gleichzeitig die Machtlosigkeit des IOC eingeräumt.

China habe die Welt besser kennengelernt, und die Welt habe China besser kennengelernt, sagte Rogge am Sonntag in Peking. China habe sich der Welt geöffnet. Der langfristige Effekt werde positiv sein. Besonders im Umweltschutz habe China Fortschritte gemacht. "Das olympische Dorf war großartig, die Wettkampfstätten erstklassig, die Organisation makellos", sagte Rogge.

Am Vortag hatte der deutsche IOC-Vize Thomas Bach die Spiele als „brillant“ bezeichnet.

Zur chinesischen Pressezensur und Unterdrückung von Protesten sagte Rogge, die Situation sei "nicht perfekt" gewesen. Doch habe sich die Lage in China im Vergleich zu früher verbessert.

Rogge räumte gleichzeitig die Machtlosigkeit des IOC ein. Die chinesischen Behörden hatten keine einzige Protestkundgebung genehmigt. International Aufsehen erregt hatte der Fall zweier alter Frauen, gegen die wegen Demonstrationsplänen ein Jahr Arbeitslager verhängt wurde. "Wir fanden es ungewöhnlich, dass keiner dieser Proteste stattfand", sagte Rogge. Das IOC habe die Bestrafung der beiden alten Damen angesprochen. Die Antwort sei gewesen, dass es sich um einen Verstoß gegen chinesisches Recht handle. "Das IOC muss chinesische Gesetze respektieren", sagte Rogge.

"Wir können keine Veränderungen in souveränen Staaten erzwingen und alle Krankheiten der Welt heilen", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge in seiner Bilanz von Peking: "Aber wir können - und das tun wir auch - zum positiven Wandel durch Sport beitragen."

Das IOC war im Vorfeld der Spiele immer wieder heftig angegriffen worden. Kritiker warfen der Organisation vor, nichts für die Stärkung der Menschenrechte in China zu tun. Die Organisatoren der Spiele hatten zwar Veränderungen unter anderem hinsichtlich der Menschenrechte und der Pressefreiheit versprochen, diese schließlich jedoch nur teilweise umgesetzt.

Unterdessen ist IOC-Spitzenfunktionär Hein Verbruggen am Sonntag in Peking überraschend zurückgetreten. Der Chef der Koordinierungskommission der Peking-Spiele will nach zwölf Jahren im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) „ein ruhigeres Leben“ führen. Dies bestätigte IOC-Sprecherin Giselle Davies. Der 67 Jahre alte Niederländer, Ex-Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI und einer der engsten Vertrauten von IOC-Präsident Jacques Rogge, wird durch die Dauer seiner IOC-Mitgliedschaft automatisch zum IOC- Ehrenmitglied ernannt.

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