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FC Bayern lässt Trainer Hitzfeld hängen

Stuttgart (dpa) - Kapitän Oliver Kahn trat in den «Sitzstreik» und Regisseur Michael Ballack las seinen Mitspielern die Leviten - Trainer Ottmar Hitzfeld hingegen verließ trotz des Einbruchs seines FC Bayern München im Saison-Endspurt der Fußball-Bundesliga seine loyale Linie nicht.

Bei der 1:3 (0:1)-Niederlage des Rekordmeisters in Stuttgart ließ die Ansammlung von Nationalspielern ihren ohnehin zuletzt in Frage gestellten Coach derart hängen, dass selbst Kahn resignierte. «Ottmar Hitzfeld ist die ärmste Sau. Er hätte etwas Besseres verdient», sagte der Nationaltorwart. Derweil zeichnet sich immer mehr ab, dass VfB-Teammanager Felix Magath bereits zur neuen Saison Hitzfeld ablösen wird.

Beim traditionellen gemeinsamen Mittagessen vor dem Südgipfel hatten sich die Verantwortlichen beider Vereine darauf verständigt, Gespräche über einen möglichen Wechsel Magaths erst nach Saisonende zu führen. «Wir werden uns nach dem letzten Spieltag zusammensetzen und über Details reden», sagte VfB-Präsident Erwin Staudt. Es sei zwar nicht konkret über Magath gesprochen worden, Staudt räumte aber ein: «Ich spüre aus dem gesamten Umfeld, dass ein gewisses Interesse bei Bayern an Felix Magath besteht.»

Der frühere IBM-Manager verwies erneut auf Magaths bis Mitte 2005 laufenden Vertrag beim VfB. Er machte jedoch indirekt klar, dass man dem Erfolgscoach wohl keine allzu großen Steine in den Weg legen werde: «Wir haben keinen Grund, mit Felix irgendwie sauer zu sein. Wenn er hier irgendwann geht, hoffe ich sehr, dass er als Freund geht.» Magath selbst legte vor dem Anpfiff ein untypisches, aber vielsagendes Verhalten an den Tag. Minutenlang stand er im Innenraum und schaute versonnen auf die Ränge, als wolle er beim letzten Heimspiel dieser Saison Abschied nehmen.

Hitzfeld wollte zum Thema Trainerwechsel und auch zum Vorpreschen von Franz Beckenbauer («Wir warten ab, wie Magath sich entscheidet») erneut nichts sagen: «Ich kommentiere keine Kommentare von einem Präsidiumsmitglied.» Zum erbärmlichen Auftreten seines Teams fand der Bayern-Coach und frühere VfB-Profi verhältnismäßig milde Worte. «Ich bin natürlich enttäuscht. Wir haben heute keinen guten Tag erwischt. Ich sehe aber nicht, dass mich die Mannschaft im Stich gelassen hat.»

Kahn beurteilte dies anders. «Wir haben gespielt wie die Montags-Kicker», urteilte er und forderte in der Trainer-Diskussion «eine klare Linie» von der Vereinsführung: «Das ist keine gute Situation, wenn der Trainer permanent in Frage gestellt wird.» Ebenso wie die 48 400 Zuschauer im ausverkauften Daimlerstadion staunte auch Timo Hildebrand, dass der «Vul-Kahn» trotz der Demütigung kein Feuer spuckte. «Man hat ja gesehen, dass er in der zweiten Halbzeit keinen Bock mehr hatte», sagte der VfB-Schlussmann über seinen Rivalen.

Nach Gegentoren durch den überragenden Imre Szabics (19./52.) und Kevin Kuranyi (54.) warf Kahn seine Handschuhe weg. Für einen Moment setzte er sich gar vor seinen Strafraum, als nehme er ein Sonnenbad. Dass Claudio Pizarro noch auf 1:3 (77.) verkürzte und Sebastian Deisler, der wegen einer Depressions-Erkrankung ein halbes Jahr gefehlt hatte, sein Comeback feierte, konnte seinen Gemütszustand nicht mehr aufhellen.

«Wir haben Ottmar Hitzfeld viel zu verdanken und sollten ihm das zurückzahlen. Da muss man für den Trainer spielen. Doch heute hatte jeder nur mit sich selbst zu tun», ärgerte sich Ballack und monierte «fehlende Einstellung» bei seinen Kollegen: «Wir wissen, um was es geht, versagen aber.» Nur eine Woche nach dem 1:3 gegen Werder Bremen muss der entthronte Titelverteidiger um die direkte Champions-League-Qualifikation bangen. Die Schwaben liegen als Dritte nur noch einen Punkt dahinter. Bayern empfängt am letzten Spieltag den auswärts noch sieglosen SC Freiburg, der VfB hat «ein schönes Endspiel» (Philipp Lahm) in Leverkusen. Dass Verfolger Bayer beim 6:2 in Bremen leichtes Spiel hatte, ärgerte Magath sehr: «Die Enttäuschung ist groß, dass der Meister zwei Spieltage vor Schluss das Spielen eingestellt hat.»

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