FC Bayern wird Adidas-Beteiligung schnell versilbern: Grünes Licht für Bayern München AG

FC Bayern wird Adidas-Beteiligung schnell versilbern
Grünes Licht für Bayern München AG

Der Weg ist frei: Mit einer Mehrheit von über 92 % haben nach rund zweistündiger, teilweise heftiger Debatte 1356 von 1513 anwesenden Mitgliedern auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des deutschen Meisters Bayern München beschlossen, die Fußball-Abteilung aus dem Hauptverein auszugliedern und in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

sid/dpa MÜNCHEN. Als nach einer hitzigen Debatte mit Buhrufen und Pfiffen gegen den "Kaiser" die Stimmung in der Olympiahalle zu kippen drohte, hatte zuvor ein sichtlich erzürnter Franz Beckenbauer im Kampf um die FC Bayern München AG zum letzten Mittel gegriffen. Kurzerhand erhob der Präsident die entscheidende Abstimmung über die Ausgliederung des Fußball-Bereichs in eine Kapitalgesellschaft zur "Vertrauensfrage" über die bewährte Führungscrew des größten deutschen Sportvereins (93 931 Mitglieder). "Diejenigen, die mit Nein stimmen, sind die, die dem Präsidium nicht vertrauen", rief Beckenbauer den 1513 Mitgliedern auf der Außerordentlichen Jahreshauptversammlung warnend zu.

"Unter dem Strich ist das Ergebnis entscheidend", kommentierte der künftige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Groß ändern werde sich nichts, versicherte der bisherige Vize-Präsident. Für sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg bleiben in erster Linie die derzeit schwächelnden Profis verantwortlich: "Die Mannschaft ist die Kuh, die die Milch gibt, unabhängig von FC Bayern AG oder e.V."

Hoeneß will von Börsengang erst mal nichts mehr hören

Damit ist die Finanzierung des Stadion-Neubaus gesichert, denn die Bayern AG, in der neben Karl-Heinz Rummenigge als Vorsitzender Manager Uli Hoeneß sowie Karl-Hopfner den Vorstand bilden werden, reicht umgehend zehn Prozent der Anteile für 77 Mill. ? an Adidas-Salomon weiter. Ob das Geld aus Herzogenaurach bar oder in Aktien gezahlt wird, wird in den nächsten Tagen entschieden. "Das ist ein Wahnsinnspreis", sagte Hoeneß. Die Summe solle voll in den Stadionneubau fließen. Aufsichtsratsvorsitzender der neuen AG ist Franz Beckenbauer. Dem Gremium sollen sechs Mitglieder angehören, bislang stehen Vizepräsident Fritz Scherer und Verwaltungsbeirats-Vorsitzender Eckhart Müller-Heydenreich fest. Das Grundkapital der AG beträgt 22, fünf Mill. ?.

Der Börsenwert der FC Bayern AG lässt sich durch den Adidas-Deal auf 770 Millionen Euro hochrechnen. Doch der Börsengang blieb auch am Donnerstag eine diffuse Perspektive. Beckenbauer nannte ihn zunächst "nicht vorgesehen". Dann sprach er von "zwei, fünf oder zehn Jahren". Hoeneß dagegen will nach der aufreibenden Debatte mit dem Club-Volk vorerst nichts mehr vom Börsengang hören: "Dieser Abend hat gezeigt, dass es nicht so ratsam ist, an die Börse zu gehen", sagte er.

Bayern braucht Bargeld statt Adidas-Aktien

Wegen des Stadion-Neubaus in München sei der FC Bayern möglichst schnell an Bargeld interessiert, sagte Hoeneß. "Wir brauchen ja das Geld." Wenn Adidas wie ursprünglich vereinbart mit eigenen Aktien bezahle, werde man die Anteile sofort nach der sechsmonatigen Haltefrist verkaufen oder schon vorher an Banken weiterreichen. Hoeness deutete aber an, dass auch noch eine Barzahlung möglich sei.

Während der Versammlung drohte die Stimmung zu kippen, als Mitglieder ihrer Befürchtung Ausdruck gaben, in Zukunft nichts mehr zu sagen zu haben und das Schreckgespenst an die Wand malten, die AG könne noch mehr als die zehn Prozent an adidas verscherbeln und die Fußballmannschaft dann irgendwann in der Hand von Konzernen sein. Auch wurde Unverständnis geäußert, weshalb die Mitglieder keine Aktien erwerben können. Und als dann der Notar Dieter Meyer erklärte, man könne aus juristischen Gründen nichts mehr diskutieren, sondern nur mit Ja oder Nein stimmen, kam sich manch einer wie Stimmvieh vor.

Franz Beckenbauer vergaloppierte sich dann ein wenig, als er sich laut fragte, ob es Menschen gibt, die hier hergeschickt werden, um etwas zu untergraben. Da gab es heftige Pfiffe für den "Kaiser", dem dann Rummenigge beisprang und an die Opposition gewandt, meinte: "Ich bin ein großer Demokrat, aber ich halte sie für gemeingefährlich. Sie reden populistisch und haben nicht das Wohl des Vereins im Sinn. Die Gemüter beruhigten sich erst wieder, als Beckenbauer sein Ehrenwort gab, dass, sollte die Bayern AG irgendwann in ferner Zukunft an die Börse gehen, die Mitglieder des FC Bayern bevorzugt und zu besten Konditionen bedacht werden.

Aktien-Anteil soll in Vereinssatzung festgechrieben werden

Eine Anregung der Opposition will das Bayern-Präsidium allerdings aufgreifen, wie Prof. Fritz Scherer nach der Versammlung sagte. Die Vorschrift, dass der Verein FC Bayern mindestens 50 % plus eine Aktie an der AG halten muss, soll in die Vereinssatzung aufgenommen werden. Bislang gibt es diese Vorschrift nur bei der DFL im Rahmen des Lizensierungsverfahrens. Scherer: "Es kann ja sein, dass sich das in zehn Jahren ändert, aber wir als FC Bayern wollen sicher sein, immer die Mehrheit zu behalten."

Und die Idee, den Mitgliedern jetzt schon Aktien anzubieten, führte Scherer mit einem Rechenbeispiel ad absurdum: Um auf den Adidas-Anteil zu kommen, hätte jedes unserer Mitglieder, vom Säugling bis zur Oma, Aktien im Wert von 1 700 DM kaufen müssen. Das kann und will nicht jeder. Dann hätten wir wirklich Mitglieder erster und zweiter Klasse gehabt.

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