FCK hat jetzt Publikumsliebling im Aufsichtsrat
Die Pfalz hofft erneut auf die Walz

Vor vier Jahren noch war der 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister. Heute wankt der Klub sportlich wie finanziell und stellt sich auf juristische Duelle mit dem Ex-Vorstand ein.

KAISERSLAUTERN. Seine bloße Erscheinung flößt Respekt ein. Hans-Peter Briegel ist groß, breit, kräftig und seine Stimme tief und laut. Kaum einer taugt optisch so zum Retter wie der 72-malige Nationalspieler. Fast wie ein Orkan peitschte der Beifall durch die Barbarossahalle in Kaiserslautern, als die "Walz aus der Pfalz" zu seiner Bewerbungsrede für den neuen FCK- Aufsichtsrat antrat. So einem ehrlichen Kerl trauen sie in der Pfalz.

Und sie trauen ihm den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft zu, den der mit fast 28 Millionen Euro verschuldete Fußball-Bundesligaklub demonstrieren muss, um seine Existenz zu retten. Briegel erhielt die meisten Stimmen. Schließlich war er es, der damals als Einziger beim FCK gegen den unbeliebten Trainer Otto Rehhagel aufbegehrte und deshalb als Sportdirektor weggemobbt wurde.

"Ich werde kämpfen wie damals auf dem Platz", versprach Briegel. Was nötig sein wird, denn der Klub steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte. "Alles fing an, als nur noch ein Mann das Sagen im sportlichen Bereich hatte", analysierte Briegel. Und forderte: "Das muss auf mehrere Schultern verteilt werden, dann macht man weniger Fehler."

Der ehemalige Profi sprach von Jürgen Friedrich, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden. Quasi im Alleingang hatten Friedrich und Rehhagel lange das Zepter geschwungen. Jetzt will sich Briegel wieder einmischen, auch und gerade in den sportlichen Bereich. Er kündigte ein Treffen mit Trainer Eric Gerets an, den er noch aus dem EM-Finale von 1980 kennt.

Am Donnerstagabend wird der neue Aufsichtsrat mit Briegel, Ex-Profi Roger Lutz, Walter Ruda, Michael Koll, Dieter Buchholz sowie den kraft Amtes berufenen Bernhard Deubig (OB Kaiserslautern) sowie Walter Zuber (Innenminister Rheinland-Pfalz) zusammentreten, um den 53 Jahre alten Schweizer Rene C. Jäggi zum neuen Vorstandsvorsitzenden zu bestellen. "Ich gehe davon aus, dass es keine Probleme gibt. Die Verträge liegen auf dem Tisch", sagte Jäggi. "Ich denke, wir haben ein Stück Vergangenheit hinter uns gelassen."

Fünf Minuten vor Zwölf war es am Dienstagabend, als "die Vergangenheit" in Person von Friedrich und dem Ex-Aufsichtsratschefs Robert Wieschemann mit einem Lächeln im Gesicht aus der Halle schlenderte. Schweigend hatten sie ertragen, was wie eine Hinrichtung von Strauchdieben wirkte. Die Mitglieder verweigerten ihnen wie dem Aufsichtsrat (nur Deubig und Zuber wurden entlastet) die Entlastung, ein wohl einmaliger Vorgang in der Bundesliga-Geschichte.

Der alte Aufsichtsrat sowie der Klub selbst denken an Klagen und Regressforderungen, weil die beiden den Aufsichtsrat des mit rund 28 Millionen Euro verschuldeten Klubs bewusst getäuscht haben sollen. "Das muss alles aufgeklärt werden", verlangte Briegel.

Darüber hinaus wird der Klub möglicherweise einen Prozess gegen das insolvente Bauunternehmen Philipp Holzmann führen. Der 50 Millionen Euro teure Umbau des Fritz-Walter-Stadions verzögert sich bis April 2003, was weitere Einnahmeverluste nach sich zieht.

Die Angst geht um in Kaiserslautern, denn der FCK wankt in allen Bereichen bedenklich. Wer am Dilemma Schuld ist, stand für die Mitglieder und den alten Aufsichtsrat schnell fest. Deubig warf Friedrich und Wieschemann bewusste Täuschung vor, sprach vom Tatbestand der Untreue und des Betruges.

Er sei zweimal mit der Forderung gescheitert, die beiden zu entlassen. Friedrich erhalte neben seinem Gehalt bis Ende 2002 weitere 100 000 Euro als "Berater" für 2003. Der Vertrag des inzwischen beurlaubten Vorstandsmitglieds Gerhard Herzog sei heimlich bis 2004 verlängert worden. Und beim früheren Spieler Taribo West habe man verschwiegen, dass der Nigerianer Zahlungen über 4,5 Millionen Mark für Persönlichkeitsrechte erhalte.

OB Deubig offenbarte zudem, dass für die drei Spieler Timm, Teber und Anfang 1,8 Millionen Euro an Provisionen an die Firma des Spielerberaters Roger Wittmann geflossen seien. Die kreditgebenden Banken werfen dem FCK vor, durch eine völlig verfehlte Einkaufspolitik an den Rand der Insolvenz gekommen zu sein.

Hörte sich alles nicht gut an, was der Klub während seiner Versammlung besprach. Dabei war der FCK vor vier Jahren noch Meister.

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