FDA plant Änderungen
USA setzen Pharmapreise unter Druck

In den USA geraten die Preise für Arzneimittel unter Druck. Mark McClellan, Chef der US-Nahrungsmittel- und Pharmabehörde (FDA), will eine Reihe von Präparaten von ihrer Verordnungspflicht befreien.

FRANKFURT/M. Seine Behörde habe nicht nur die Absicht, sondern auch die Legitimation, um auf diese Weise die Kosten im Gesundheitswesen zu senken - notfalls auch gegen den Willen der betroffenen Hersteller. Diese finanzielle Entlastung des Gesundheitssystems würde für die betroffenen Herstellerfirmen jedoch Umsatzeinbußen in Millionenhöhe bedeuten.

Denn anders als die deutschen Krankenkassen erstatten die US-Krankenversicher im allgemeinen nur verschreibungspflichtige Medikamente. Da Selbstzahler jedoch nicht im selben Maß zur Kasse gebeten werden können wie Versicherer, ist der Wechsel zum so genannten Over-the-Counter- oder OTC-Produkt mit einem drastischen Preisverfall verbunden.

In eine ähnliche Richtung könnte sich mittelfristig auch der deutsche Arzneimittelmarkt entwickeln. Dafür spricht etwa die Beschlussvorlage der Rürup-Kommission, die unter anderem eine 100-prozentige Zuzahlung für nicht verschreibungspflichtige Medikamente fordert.

Wie folgenschwer die Wandlung vom Pharma- zum Konsumgüterprodukt für ein Unternehmen sein kann, zeigt sich am Beispiel des US-Herstellers Schering-Plough. Kurz bevor sein Heuschnupfen-Mittel Claritin den Patentschutz verlor, warf Schering-Plough im Dezember 2003 eine rezeptfreie Variante auf den Markt. Auf diese Weise wollte der Konzern den Herstellern von Nachahmer-Produkten (Generika) ein Schnippchen schlagen.

Generika gehen meist schon am ersten Tag nach Patentablauf an den Start und unterbieten die Originalpräparate auf dem US-Markt bisweilen um bis zu 80 %. Doch für Schering-Plough ging die Rechnung nicht auf, weil es den selbst ausgelösten Preisverfall durch den Wechsel in das OTC-Segment unterschätzte. Der Preis stürzte um mehr als 70 % auf 1 $ pro Pille. Damit war die Umsatz- und Ergebnisplanung des Konzerns Makulatur. Von mehreren Gewinnwarnungen belastet, rauschte auch der Aktienkurs abwärts. Das Schering-Plough-Papier, das im vergangenen Herbst noch mehr als 20 $ kostete, fiel im März auf ein 12-Monats-Tief von 15,30 $.

Ähnliches könnte nach Einschätzung von Analysten auch anderen Arzneimittelherstellern drohen, deren verschreibungspflichtige Medikamente sich für die Selbstmedikation und damit für den Vertrieb über US-Drugstores eignen. Nach Einschätzung des Branchenanalysten Peter Düllmann vom Bankhaus Sal. Oppenheim laufen vor allem Antihistaminika Gefahr, ihre Verschreibungspflicht für den amerikanischen Markt zu verlieren. Antihistaminika sind Präparate, die allergische Reaktionen mindern. Neben dem Heuschnupfenmittel Claritin zählen auch Zyrtec, ein Medikament der belgischen Pharmafirma UCB und das Aventis-Medikament Allegra zu dieser Präparateklasse.

Insbesondere für UCB wäre ein entsprechender Schritt der FDA bedrohlich, glaubt Düllmann, der die Aktie deshalb herunterstufte. Zyrtec ist noch bis Ende 2007 patentgeschützt und trägt seiner Einschätzung nach knapp 40 % zum Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) des UCB-Konzerns bei. Etwas weniger hart treffen dürfte die OTC-Initiative den Aventis-Konzern, weil er sich für seinen Hauptumsatzbringer Allegra ohnehin vom Jahr 2005 an auf generische Konkurrenz einstellen muss.

In der Branche wird erwartet, dass sowohl UCB und ihr US-Vertriebspartner Pfizer als auch Aventis rechtlich gegen entsprechende Pläne der FDA vorgehen würden. Als die Tageszeitung USA Today kürzlich über die OTC-Initiative der FDA berichtete, schossen die Belgier schon mal verbal gegen die US-Gesundheitsbehörde. Sie habe kein Recht, ein Pharma-Unternehmen zum Umzug in das OTC-Segment zu zwingen, ließ das Unternehmen verlauten.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%