FDP-Chef Westerwelle schaltet Juristen ein
Duell der Vizekanzlerkandidaten

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF werden als Ausgleich für das TV-Duell der Kanzlerkandidaten eine Elefantenrunde mit den Spitzenkandidaten der kleineren Parteien ausstrahlen. Das reicht aber nicht aus, den Streit um das Duell zwischen Schröder und Stoiber zu schlichten.

DÜSSELDORF. FDP-Spitzenkandidat Guido Westerwelle pocht weiter darauf, als gleichwertiges Mitglied in die Runde der Kanzlerkandidaten aufgenommen zu werden - zumindest in den beiden TV-Duellen mit Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU), die von ARD/ZDF und RTL/SAT 1 ausgestrahlt werden. Der FDP-Chef lässt zur Zeit juristisch prüfen, ob er Anrecht auf einen Platz in der Runde hat. Das kann er sich eigentlich sparen, meint ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann, denn RTL hatte bereits ein solches Gutachten erstellen lassen, das von den Justitiaren in ARD und ZDF überprüft worden ist. "Wegen der abgestuften Chancengleichheit hat Westerwelle keine Chance", sagt von der Tann im Gespräch mit Handelsblatt.com, "je nach Wahlchance müssen den Parteien Möglichkeiten zur Darstellung gegeben werden. Auch wenn Westerwelle sich jetzt zum Kanzlerkandidaten ernennt, hat er deswegen keine Chance, tatsächlich Kanzler zu werden." Zudem seien die Liberalen in anderen Sendungen ausreichend präsent.

Die ARD wird am 17. September und das ZDF am 28. August jeweils eine Elefantenrunde zur Bundestagswahl ausstrahlen, in der die Kanzlerkandidaten nicht sitzen werden, sehr wohl aber die Spitzenkandidaten von den Grünen und der FDP, Joschka Fischer und Guido Westerwelle. "Für Westerwelle ist das kein Ausgleich", sagt sein Sprecher Martin Kothé. Auch das Angebot von RTL zu einem Duell der potentiellen Vizekanzler sei für ihn keine Entschädigung. RTL hatte Anfang des Jahres den Spitzenkandidaten von den Grünen und der FDP ein Fernsehduell vorgeschlagen und die Einladung vor wenigen Tagen erneuert. Darauf hat der Kölner Sender bisher noch keine offizielle Antwort erhalten. Westerwelle sei grundsätzlich bereit, sagte Kothé zu Handelsblatt.com.

Grünen-Spitzenkandidat Joschka Fischer hat sich scheinbar noch nicht entschieden, ob er an einem Duell der Vizekanzler teilnehmen will. "Wir haben da keinen Entscheidungsdruck", sagt Parteisprecher Hans Langguth, "solange sich Westerwelle verrennt und in einer anderen Liga mitspielen will." Fischer sei nach Umfragen ohnehin der beliebteste Politiker "und deswegen sind wir nicht in der Position, uns anbiedern zu müssen".

Im Gegensatz zu den Liberalen pochen die Grünen nicht darauf, an einem Duell der Kanzlerkandidaten teilzunehmen. "Es ist sinnvoll, die Kandidaten ins Rennen zu schicken, die tatsächlich Bundeskanzler werden können", sagt Langguth. Für die Grünen ist ausreichend, wenn die Sender den kleineren Parteien Gelegenheit zur Darstellung einräumen, zum Beispiel in den von ARD und ZDF geplanten Elefantenrunden. "Es darf nur nicht der Eindruck entstehen, es handele sich allein um eine Wahl zwischen Schröder und Stoiber", so Langguth, "das Gegenteil ist der Fall: Die kleinen Parteien entscheiden die Wahl."

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