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FDP-Führungsstreit spitzt sich zu

ap MAINZ. Trotz eines Machtworts von FDP-Chef Wolfgang Gerhardt spitzt sich der Führungsstreit bei den Liberalen zu. Mit scharfen Angriffen reagierte der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann auf den Vorwurf der Illoyalität, den führende Liberale bei einem Strategietreffen am Samstag in Mainz gegen ihn erhoben. Auch Gerhardt wies Möllemann deutlich in die Schranken: "Ich finde, dass es jetzt ein Ende haben muss." Gleichwohl sprach sich auch der schleswig-holsteinische Liberale Wolfgang Kubicki für Generalsekretär Guido Westerwelle als neuen Parteichef aus.

Möllemann wies die Vorwürfe am Sonntag in Düsseldorf als "ebenso peinliches wie durchschaubares Ablenkungsmanöver" zurück. Seine Loyalität gegenüber der FDP bestehe darin, dass er für das beste Wahlergebnis seit Jahren, für Mitgliederzuwachs und für eine Aufbruchstimmung gesorgt habe. Er lasse sich nicht ausgerechnet von jenen Illoyalität und mangelnden Einsatz vorwerfen, die in der Bundes-FDP für Probleme wie Mitgliederschwund und eine Kette von Wahldesastern verantwortlich seien. Das Mainzer Treffen, an dem er nicht teilgenommen hatte, nannte er eine "langatmige Vortragsveranstaltung ohne Diskussion", die zur Strategiekonferenz hochgejubelt worden sei.

Westerwelle forderte in Mainz unter dem Beifall von 250 FDP-Kreisvorsitzenden Möllemann auf, ihn nicht mehr fortwährend als Gerhardt-Nachfolger in den Medien zu präsentieren: "Wer überschüssige Kraft hat, sollte sie in Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner investieren." Jeder in der Parteiführung müsse wissen, was in Wahlkämpfen helfe und was nicht: "Mit Selbstbeschäftigung gewinnt man keine Wahlen."

Demonstrativ hinter Gerhardt stellten sich der baden-württembergische FDP-Vorsitzende Walter Döring und Parteivize Rainer Brüderle. Döring sagte: "Wir haben uns gegenüber unseren NRW-Freunden im Wahlkampf solidarisch verhalten. Jetzt erwarten wir, dass sich der NRW-Landesvorsitzende uns gegenüber solidarisch verhält". Brüderle betonte, wer mit Gerhardt unzufrieden sei, solle gegen ihn kandidieren oder schweigen. Kritik an Möllemann kam auch aus Nordrhein-Westfalen. Der stellvertretende FDP-Landeschef Andreas Pinkwart warf ihm in der "Rhein-Zeitung" vor, nicht teamfähig zu sein.

Auch Gerhardt erklärte: "Wir wollen, dass eine Mannschaft die FDP zum Sieg führt." Geschlossenheit sei eine bare Selbstverständlichkeit. Alle Mitglieder einer Mannschaft müssten sich aber auch mannschaftsdienlich verhalten.



Neue Spekulationen über Amtsverzicht



Möllemann hatte zuletzt mehrfach Gerhardt aufgefordert, den Parteivorsitz aufzugeben und sich auf den Vorsitz der Bundestagsfraktion zu konzentrieren. Als neuen FDP-Chef brachte er Westerwelle ins Gespräch. Diesem Vorschlag schloss sich Kubicki an. Westerwelle sei ideenreich und für ihn selbstverständlich ein geeigneter Bundesvorsitzender, schrieb der Kieler FDP-Landtagsfraktionschef in der "Bild am Sonntag".

Nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost" soll Gerhardt grundsätzlich bereit sein, im kommenden Jahr sein Amt an Westerwelle abzugeben. Voraussetzung sei aber, dass der Kurs des derzeitigen Generalsekretärs nicht entscheidend von Möllemann bestimmt werde. FDP-Sprecher Martin Kothe wies dies als "reine Spekulation" zurück.



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