FDP-Spendenaffäre
Kommentar: Im Zentrum angekommen

Die Chancen stehen prächtig, dass der abgestürzte Parteivize Jürgen Möllemann die gesamte FDP-Spitze mit in den Abgrund zieht. Parteichef Guido Westerwelle zumindest, das wissen wir nun, hätte die vermaledeite antisemitische Flugblatt-Aktion stoppen können - wenn, ja wenn er ein professioneller Parteichef wäre.

Es mag womöglich stimmen, dass seine Mitarbeiter ihm die an ihn persönlich gerichtete Brandmeldung aus Düsseldorf über Möllemanns Flyer tatsächlich vorenthalten haben. Das wird noch zu klären sein. Doch ist schon jetzt die Inkompetenz des Parteichefs bei der Organisation der Belange der Partei offenbar. Natürlich hätten die ersten Fragen seiner Zuarbeiter lauten müssen: Wie ist dem entsetzten Hilferuf, die Aktion doch zu verhindern, nachzukommen? Wo zum Teufel will Möllemann das Geld herhaben, alle Haushalte in NRW zu beschicken? Auch die Erinnerung an die frische CDU-Parteispendenaffäre hätte alarmieren müssen und die Parallelen zwischen Möllemanns Aktion und einer Briefsendung des Schwarzgeld-Sünders Kohl aufzeigen müssen. Und natürlich ist solcherlei Blauäugigkeit in der Parteizentrale der FDP wenn nicht völlig unvorstellbar, dann doch extrem dilettantisch: Als hätte niemand aus den Spenden-Affären gelernt, als wäre die allgemeine Sensibilisierung spurlos am FDP-Chef vorbeigegangen. Professionell ist dies nicht, das ist kein Krisenmanagement, sondern Westerwelles Krisenherbeiführungs-Management.

Die Perspektiven der FDP und mit ihr die des bürgerlichen Lagers verdüstern sich weiter. Schon bei der Hessenwahl im Februar kann es ganz, ganz finster aussehen für beide Oppositionsparteien. Kanzlerkandidat Koch? Bundesratsmehrheit für die Union? Schau?n wir mal. Welch ein albtraumhaftes Dacapo für die Opposition: Wieder einmal scheint der waidwunden Schröder-Regierung ein Spendenskandal der Opposition auf die Füße zu verhelfen.

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