FDP will nun auf die Regierungsbank
Die Berliner Liberalen sind wieder drin

Zittern mussten die Liberalen nicht an diesem Wahlsonntag in Berlin. Schon die erste Prognose gegen 18.00 Uhr bescherte der FDP mit rund 9,5 Prozent ein solides Ergebnis und damit den Einzug ins Abgeordnetenhaus.

ddp BERLIN. Der Jubel unter den rund 500 Parteifreunden im Thomas-Dehler-Haus in Berlin-Mitte war riesengroß, als das vorläufige Zwischenergebnis auf dem Bildschirm erschien: Das Ende der parlamentarischen Auszeit seit 1995 ist endlich besiegelt. Kein Gedanke mehr an die Pleite vor zwei Jahren, als der gelbe Minibalken bei der Hochrechnung auf den Bildschirmen bei kümmerlichen 2,2 Prozent stehen blieb.

Trotz des Erfolgs gaben sich die Berliner Liberalen bescheiden. Kein Schampus stand auf den Tischen, von einem rauschenden Fest war die Party im Thomas-Dehler-Haus weit entfernt. In dem schmucklosen Saal wies nur eine blaue 18 auf gelbem Untergrund auf den Tag der Entscheidung für die FDP hin. Brezeln, Gulaschsuppe und Bier wurden zu humanen Preisen unter die Gäste gebracht.

Polit-Urgestein und Spitzenkandidat Günter Rexrodt war zufrieden, seine Partei aus dem Stand knapp an die Zehn-Prozent-Marke gebracht zu haben und wahrscheinlich sogar um Senatsposten feilschen zu können. Um das der Basis in drei Sätzen mitzuteilen, musste er allerdings zurück geholt werden: Er hatte die Parteizentrale bereits mit stürmischen Schritten in Richtung Abgeordnetenhaus verlassen wollen.

Die Freude unter den FDP-Anhängern war nach dem ersten Jubel dagegen eher verhalten. Das Ergebnis sei Klasse, sagte eine junge Berlinerin. Allerdings müssten die endgültigen Ergebnisse abgewartet werden. Auch ob die Ampel-Koalition wirklich zu Stande komme, werde erst die Zukunft zeigen.

Grüne Jacke und rote Strähnen im Haar

Vom Wahlvolk fast unbemerkt präsentierte sich die FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper koalitionspolitisch eindeutig: Mit roten Strähnen im Haar und in grüner Jacke verkündete sie das beste Wahlergebnis der Berliner FDP seit 1954. Und schloss vom Berliner Urnengang auf die bundespolitischen Chancen der Liberalen: Wenn die Berliner Parteifreunde ihren Stimmenanteil von 1999 auf 2001 fast verfünffachen könnten, sollte die Bundes-FDP ihre Wählerzahl 2002 mindestens verdreifachen können.

Doch jetzt ist die alles entscheidende Frage, ob die Liberalen an der Spree tatsächlich Regierungsverantwortung übernehmen. Auf dem weiß leuchtenden Riesenballon vor der Parteizentrale steht das Ziel in großen Lettern: "Lieber Rexrodt als Rot-Rot". Die PDS auf der Regierungsbank soll auf jeden Fall verhindert werden. Unermüdlich hatte Rexrodt in der Schlussphase des Wahlkampfes versucht, seine Partei der SPD und den Grünen als Koalitionspartner schmackhaft zu machen.

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