Fechten Olympia
Gold-Anwärter Baldini positiv getestet

Der italienische Weltklasse-Florettfechter Andrea Baldini wird wegen einer positiven Dopingprobe nicht bei den Olympischen Spielen in Peking starten. Das Italienische Olympische Komitee (Coni) bestätigte am Freitag, dass der Weltranglistenerste zurückgezogen wurde. Der 22-Jährige galt neben dem Koblenzer Peter Joppich als einer der Favoriten auf den Gewinn der Goldmedaille.

Der Fechtsport wird kurz vor Beginn der Olympischen Spiele von einem spektakulären Dopingfall erschüttert. Wegen einer positiven A-Probe wird der italienische Goldanwärter und Weltranglistenerste Andrea Baldini nicht in Peking starten. Das Italienische Olympische Komitee (Coni) und der nationale Fecht-Verband (FIS) bestätigten am Freitag, dass der Florett-Spezialist bereits zurückgezogen wurde. Der 22-Jährige galt neben dem Koblenzer Peter Joppich als Favorit auf die Goldmedaille.

Wie erst jetzt bekannt wurde, war Baldini bei den Europameisterschaften in Kiew (5. bis 10. Juli) positiv auf das Diuretikum Furosemid, eine Maskierungssubstanz, getestet worden. Damit kann die Einnahme anderer Substanzen verschleiert werden. Eine positive B-Probe liegt allerdings noch nicht vor.

"Ich habe nichts genommen", sagte Baldini einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. Seine Mutter wird mit den Worten zitiert: "Das ist ein schmutziger Trick, das ist böswillig." Der Vater gab an, "erschüttert" zu sein.

FIS-Präsident Giorgio Scarso "verwirrt und traurig"

"Ich bin verwirrt und traurig. Das ist eine schlimme Nachricht für die Fecht-Welt", sagte FIS-Präsident Giorgio Scarso: "Sollte er sich falsch verhalten haben, muss er bestraft werden. Sollte jedoch die Analyse fehlerhaft sein, muss er rehabilitiert werden."

Die Chance darauf sei aber minimal, zu 99 Prozent müsse man davon ausgehen, dass das Ergebnis der A-Probe auch in der B-Probe bestätigt werde. Sollte der noch ausstehende zweite Test jedoch negativ ausfallen, behalte er sich vor, Baldini doch bei Olympia starten zu lassen. Mit einem Ergebnis sei Anfang kommender Woche zu rechnen, sagte Scarso. Laut der italienischen Zeitung Gazzetta dello Sport soll Baldini kurz vor der EM zweimal negativ getestet worden sein.

Auf den offiziellen Starterlisten des Fecht-Weltverbandes FIE für Olympia ist bereits der Italiener Andrea Cassara als Nachrücker für Baldini aufgeführt. Der amtierende Europameister war auf der Grundlage der Weltrangliste der erste Kandidat, sollte einer der zuvor qualifizierten Athleten ausfallen.

Geschockt und verwundert reagierte man beim Deutschen Fechter-Bund (Dfeb) auf den Fall. "Ich bin überrascht. Mit so etwas habe ich überhaupt nicht gerechnet. Das ist schlecht für den Fechtsport", sagte der dreimalige Weltmeister Joppich dem sid. Er sei trotz des spektakulären Falls weiter der Ansicht, dass Doping im Fechten nicht verbreitet sei. Dazu seien viel zu viele Komponenten für den Erfolg entscheidend. "Ich dope jedenfalls nicht. Das ist ganz klar", erklärte Joppich.

Als "bedauerlich" bezeichnete Dfeb-Sportdirektor Claus Janka den Fall: "Jetzt wird Doping auch im Fechten zum Thema. Da kommt jetzt eine öffentliche Diskussion auf, die wir überhaupt nicht gebrauchen können." Er sei "sehr verwundert", erklärte Janka weiter und erklärte, Doping sei im Fechten aufgrund der Komplexität der Sportart "sehr schwierig". Auch Florett-Bundestrainer Uli Schreck bezeichnete den Fall als "sehr überraschende Nachricht".

Im Fechten ist neben der körperlichen Fitness vor allem die mentale Leistungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung. Prof. Dr. Mario Thevis, Leiter des Zentrums für präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln, stellte gegenüber dem sid klar: "Furosemid kann so ziemlich jede Substanz maskieren, die im Urin nachzuweisen ist und mit einem bestimmten Grenzwert kontrolliert wird: Stimulanzien, Nandrolon, Morphin und andere Dinge. Es kann innerhalb weniger Stunden zu bis zu zwei Litern Flüssigkeitsverlust führen."

Baldinis größte Erfolge waren die beiden EM-Titel im Einzel (2007) und mit der Mannschaft (2005) sowie Vize-Weltmeisterschaften 2006 und 2007 im Einzel.

Für Aufsehen hatte 2002 ein positiver Doping-Test auf die Substanz Coramin bei der französischen Degen-Olympiasiegerin Laura Flessel-Colovic gesorgt. Sie war nur für drei Monate vom Weltverband FIE gesperrt worden, da ihr das Mittel ohne ihr Wissen verabreicht worden sein soll. Ihr Landsmann, der zweimalige Mannschafts-Florettweltmeister Loic Attely, war ebenfalls 2002 nach Einnahme des anabolen Steroids Norandrostendion für zehn Monate gesperrt worden.

© SID

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