Fed-Entscheidung nach Börsenschluss
Gewinnmitnahmen drücken Dax ins Minus

Gewinnmitnahmen haben nach Angaben von Händlern am Dienstag den deutschen Aktienmarkt im Vorfeld der Sitzung der US-Notenbank nach zuvor deutlichen Kurszuwächsen ins Minus gedrückt.

Reuters FRANKFURT. Im frühen Verlauf hatten Händlern zufolge der weitere Ausblick des weltgrößten Netzwerkausrüsters Cisco Systems sowie Hoffnungen auf eine Zinssenkung in den USA noch eine Kursrally insbesondere im Technologiesektor ausgelöst. "Nach dem starken Anstieg in den vergangenen zwei Tagen muss man halt 'mal was mitnehmen", kommentierte Simon Rose, Aktienhändler bei der KBC Bank die nachgebenden Kurse. Deutlich schwächer notierten die Aktien von RWE, was Händler auf Marktgerüchte um die mögliche Begebung einer Wandelanleihe auf die Titel zurückführten.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte nach einem leichteren Handelsauftakt an den US-Börsen 0,13 % tiefer bei 4 747 Zählern, nachdem er zuvor noch ein bisheriges Tageshoch bei 4 819 Zählern markiert hatte. "Wenn man bedenkt, dass der Markt in den vergangenen zwei Tagen knapp fünf Prozent zugelegt hatte, dann sind Gewinnmitnahmen vor einem Zinsentscheid nur natürlich", sagte Aktienhändler Rose mit Blick auf die für den Abend (MEZ) angesetzte Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). In den USA notierte der Dow Jones-Index um rund 0,19 % tiefer, der Nasdaq-Composite-Index tendierte dagegen mit 0,39 % im Plus.

Analysten erwarten, dass die Fed zum zehnten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen senken wird, um damit den Rezessionssorgen an den Finanzmärkten entgegenzutreten. Die meisten Experten rechnen mit einer deutlichen Rücknahme um 50 Basispunkte auf dann 2,00 % im Schlüsselzins. Die Entscheidung der Fed wird nach Börsenschluss in Deutschland gegen 20.15 (MEZ) bekannt gegeben. "Alle hatten in den letzten zwei Tagen die Hoffnung auf eine Zinssenkung und auch danach gehandelt, und jetzt hat man vielleicht Zweifel, dass es aufgehen wird", sagte Rose.

Die frühe Kauffreude am deutschen Markt wurde Händlern zufolge auch maßgeblich durch die am Vorabend bekannt gegebenen Geschäftszahlen und den Ausblick von Cisco ausgelöst. Die Gesellschaft hat angesichts der Flaute im Technologiesektor deutlich weniger verdient als im Vorjahreszeitraum, übertraf aber trotzdem die Schätzungen der Analysten. Für das zweite Quartal erwarte man nunmehr einen zum ersten Quartal konstanten bis etwas höheren Umsatz. "In dem Sektor, wo es so viele schlechte Nachrichten gibt, wird diese Nachricht sehr positiv aufgenommen", sagte ein Börsianer.

Insbesondere der Ausblick hatte Händlern zufolge für Euphorie vor allem im Technologiesektor gesorgt. SAP entfernten sich zwar von ihrem Tageshoch, notierten aber am Nachmittag immer noch 3 % fester bei 127,95 Euro. Infineon, die seit Wochenbeginn um knapp 17 % zugelegt hatten, verzeichneten ein Minus von 0,25 % auf 19,60 Euro. Epcos stiegen um 4,4 %, Siemens legten um 0,36 % zu.

Favorit waren am frühen Nachmittag die Aktien des Sportartikelherstellers Adidas Salomon , die um rund 5 % auf 65,30 Euro stiegen. Der Konzern hatte Gewinn und Umsatz im dritten Quartal 2001 trotz Konjunkturflaute gesteigert und die Erwartungen der Analysten erfüllt.

Gerüchte um Wandelanleihe drücken RWE

Deutlich schwächer notierten die Titel von RWE mit einem Abschlag von 2,6 % auf 43 Euro. Händler verwiesen auf Marktgerüchte, wonach der Versicherer Allianz eine Wandelanleihe auf die RWE-Aktien begeben wolle. "Wir hören Gerüchte darüber aus Frankreich, den Niederlanden, Frankfurt und London", sagte ein Händler. Eine Allianz-Sprecherin sagte: "Wir werden bei gegebener Zeit die Dinge kommentieren." Eine RWE-Konzernsprecherin lehnte einen Kommentar zu den Gerüchten ab.

Nach einer zunächst freundlichen Tendenz rutschten auch die Titel der im M-Dax notierten Depfa-Bank ins Minus und büßten rund 1,8 % auf 65,97 Euro ein. Die Bank hatte am Morgen ihre Neun-Monatszahlen veröffentlicht. Der M-Dax selbst notierte mit 0,27 % im Minus bei 4 171 Zählern.

Am Neuen Markt gab gab der Nemax-50-Index um 2,5 % auf 1 077 Zähler nach. Dort litten Händlern unter anderem die Papiere von T-Online unter Gewinnmitnahmen. Die Papiere gaben um fast 3 % auf 10,10 Euro nach. Der größte Internet-Anbieter in Europa hatte mit seinen Neun-Monatszahlen die Erwartungen der Analysten an sein operatives Ergebnis deutlich übertroffen. Die Aktien waren zunächst um mehr als 5 % gestiegen.

Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angekündigte Bereitstellung von bis zu 3 900 Soldaten für einen Einsatz im Afghanistan-Konflikt spielte nach Angaben von Händlern vorerst keine Rolle an den Aktienmärkten. Langfristig könnte ein Einsatz jedoch einen Einfluss auf den Markt haben, hieß es.

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