Fed signalisiert weitere Handlungsbereitschaft
US-Notenbank senkt Leitzinsen um 50 Basispunkte

Die weltweite drohende Rezession hat die amerikanische Notenbank (Fed) am Dienstag zur zehnten Zinssenkung in diesem Jahr getrieben. Die Leitzinsen wurden erneut um 50 Basispunkte zurückgenommen, auf jetzt 2,0 %, den niedrigsten Stand seit 40 Jahren. Damit ist Geld in den USA so billig wie zuletzt Anfang 1962, zur Zeit des legendären Präsidenten John F. Kennedy.

dpa/rtr/dpa-afx WASHINGTON. Es war die dritte Zinssenkung seit den Terroranschlägen am 11. September, die Schockwellen in der US- und der Weltwirtschaft verursacht haben. Damit hat die US-Notenbank den Schlüsselzins in diesem Jahr nunmehr um insgesamt 4,5 %punkte heruntergeschraubt. Zuletzt hatte sie am 2. Oktober die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt. Noch nie zuvor hatte der Offenmarkt-Ausschuss der Federal Reserve die Zinsen binnen eines Jahres um einen so hohen Gesamtsatz zurückgenommen.

Beobachter erwarten einen ähnlichen Schritt der Europäischen Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am Donnerstag. Die Fed senkte auch die Diskontrate um 0,5 Basispunkte auf 1,5 %.

Die Börse in New York reagierte kaum. Der Dow Jones Index der Standardwerte, der durch Gewinnmitnahmen nach dem Kursanstieg am Vortag leicht im Minus war, erholte sich und legte gegenüber dem Schlusskurs von Montag um nur 0,1 % auf 9 453 Punkte zu. Der überwiegend durch Technologiewerte geprägte Nasdaq-Index bewegte sich mit 0,4 % im Plus bei 1 801 Zählern.

Die Fed sieht keine Anzeichen einer Erholung der US-Wirtschaft, die im dritten Quartal bereits um 0,4 % auf Jahresbasis schrumpfte, und signalisierte deshalb weitere Handlungsbereitschaft. "Erhöhte Unsicherheit und Sorgen über die Verschlechterung der Wirtschaftsbedingungen sowohl hier als auch im Ausland dämpfen die Wirtschaftsaktivitäten", hielt der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss fest. "Das Risiko von Bedingungen, die wirtschaftliche Schwäche verursachen, überwiegen."

Auch für das vierte Quartal rechnen Volkswirte mit negativen Zahlen, weil die Schockwellen der Terroranschläge vom 11. September sich erst in diesen Wochen voll auswirkten. Damit würde die US-Wirtschaft nach einem beispiellosen zehnjährigen Boom in die Rezession rutschen. Die Einzelhandelsumsätze waren im September so stark wie seit neun Jahren nicht mehr gefallen. Die Arbeitslosenquote schnellte im Oktober von 4,9 auf 5,4 % hoch. Mit der Zinssenkung sollen Verbraucher zu Ausgaben und Unternehmer zu Investitionen angeregt werden.

Die Wirkung der bisherigen neun Zinsschritte blieb minimal. Analysten verweisen darauf, dass Zinssenkungen sich erst mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten auswirken. Die Lockerung der Zinsschraube Anfang des Jahres habe die US-Wirtschaft vor einem noch größeren Einbruch vor den Terroranschlägen bewahrt. Die Notenbanker setzen auch auf einen psychologischen Effekt der Zinssenkungen, um Verbraucher, Unternehmer und Anleger zuversichtlicher zu stimmen.

Die US-Wirtschaft befand sich schon vor den Terroranschlägen vom 11. September am Rande der Rezession. Der Einsturz des World Trade Centers in New York und die Verseuchung zahlreicher Poststellen mit den hochgefährlichen Milzbranderregern haben das Verbrauchervertrauen zusätzlich schwer erschüttert.

Experten zeigten sich von der Zinsentscheidung nicht überrascht. Robert Knops von der DG Bank sagte unmittelbar nach der Zinsentscheidung, er rechne nicht damit, dass die Zeit der Leitzinssenkungen nun vorbei sei. Notenbankchef Alan Greenspan werde auch auf die nächsten Wirtschaftsdaten reagieren. Daher könne er sich auch einen Leitzins von 1,75 % vorstellen.

Norman Roesch von Goldman Sachs sagte, die Nachwehen des 11. September seien offenbar so stark, dass die Fed den "normalen Weg ihrer Politik" zu verlassen können glaube. Thorsten Polleit von Barclays Captial sagte, Greenspan verfolge mit seiner Politik das Ziel, die nominalen Zinsen so nahe wie möglich an die realen Zinsen anzunähern, und diese seien in den USA derzeit beinahe bei Null.

Die nächste Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses findet am 11. Dezember statt.

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