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Fed und OECD erwarten Erholung der US-Wirtschaft

Vertreter der US-Notenbank Fed und die OECD erwarten im Laufe des nächsten Jahres eine Erholung der amerikanischen Wirtschaft von der ersten Rezession nach einem zehn Jahre dauernden Konjunkturaufschwung.

rtr WASHINGTON. Zugleich warnten sie aber trotz einiger positiver Signale in jüngster Zeit vor weiter bestehenden Abwärtsrisiken. Während der Gouverneur der Fed von Chicago, Michael Moskow, die Möglichkeit einer Deflation in einigen Sektoren der US-Wirtschaft nicht ausschloss, signalisierte Notenbankgouverneur Lawrence Meyer die Möglichkeit weiterer US-Zinssenkungen. Ein Indiz für die Instabilität der derzeitigen wirtschaftlichen Situation lieferte der am Dienstag veröffentlichte Index des US-Verbrauchervertrauens, der entgegen der Erwartungen im November erneut zurückfiel.

Nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) befindet sich die US-Wirtschaft in einem starken Abschwung, wird sich im kommenden Jahr aber wieder deutlich erholen. Die OECD prognostizierte am Dienstag ein reales Wachstum der US-Wirtschaft von 0,75 % in diesem Jahr und 2,75 % für 2002. "Die Wirtschaft scheint jetzt in einer Rezession zu sein, auch wenn diese von nur kurzer Dauer sein sollte", hieß es in dem Bericht der OECD. Voraussetzung für die Sicherung der Erholung der US-Konjunktur ist der OECD zufolge aber ein starker geldpolitischer Impuls im kommenden Jahr. In diesem Jahr hat die Fed die US-Leitzinsen bereits um insgesamt 4,5 %punkte auf 2,00 % im Schlüsselzins gesenkt. Zudem darf es der OECD zufolge nicht zu neuen Unterbrechungen durch politische oder militärische Ereignisse kommen.

Der OECD-Bericht war abgeschlossen worden, bevor das Wirtschaftsforschungsinstitut US-National Bureau of Economic Research (NBER) am Montag erklärt hatte, die US-Wirtschaft befinde sich schon seit März 2001 in der Rezession. Auf Basis der Daten aus vorangegangenen Rezessionen in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg erwartet das NBER den Beginn einer konjunkturellen Erholung wahrscheinlich im Juli 2002.

Fed-Gouverneur Meyer signalisierte unterdessen am Dienstag vor Volkswirten in St. Louis, dass die Fed zu weiteren Zinssenkungen bereit sein könnte. Seinem Redetext zufolge sagte er, Zurückhaltung bei der Lockerung der Geldpolitik wegen bereits niedriger Zinsen wäre eine fehlgeleitete Strategie. "Sollte es etwa heißen, die Fed sollte ihr Pulver trocken halten, wie einige argumentiert haben, und sich mit weiteren Lockerungen zurückhalten, für den Fall, dass die Konjunkturabschwächung ausgeprägter wird oder für den Fall weiterer Schocks? Ich glaube eine solche Strategie wäre verfehlt - in der Tat das Gegenteil dessen, was angemessen wäre", sagte Meyer.

Die bislang von der Fed vollzogenen Zinssenkungen würden helfen, die Wirtschaft gegen die Abwärtsrisiken abzusichern. Allerdings seien diese noch nicht in vollem Umfang in der Wirtschaft wirksam geworden, sagte Meyer, der stimmberechtigtes Mitglied des für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) ist. Möglicherweise seien auch negative reale Tagesgeldszinsen erforderlich, um eine rasche Erholung der Wirtschaft zu unterstützen.

Nach Ansicht des Chicagoer Fed-Gouverneurs Moscow könnten einige Sektoren der US-Wirtschaft in der derzeitigen flauen Konjunkturlage eine Deflation erleben. Allerdings sei die Gefahr einer breiten Deflation eher gering, sagte Moskow. "Ich sehe derzeit keine Zeichen von Deflation für die gesamte Wirtschaft", sagte er vor Managern. "Das heißt aber nicht, dass wir in einigen Sektoren nicht eine Deflation sehen werden", fügte Moskow hinzu, nannte jedoch keine bestimmten Bereiche, die ein Preisrückgang bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Stagnation erfassen könnte.

Entgegen der Erwartungen der meisten Volkswirte ist das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher in die Entwicklung der Wirtschaft ihres Landes im November erneut gesunken, nachdem es bereits im Vormonat von 97 auf 85,5 Punkte eingebrochen war. Das US-Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board berichtete, der Index des US-Verbrauchervertrauens sei im November auf 82,2 von 85,3 Punkten (revidiert von 85,5) Punkten im Vormonat gesunken. Von Reuters befragte Analysten hatten hingegen im Schnitt einen Anstieg des Indexes auf 87,9 von 85,5 Punkten im Oktober erwartet.

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