Fehleingabe sorgte für Verwirrung
Deutsche Börse: Kein Kommentar zu Strafanzeige wegen Fehleingabe

Die Deutsche Börse hat am Donnerstag eine Stellungnahme zu einer Strafanzeige im Zusammenhang mit der Aufhebung von Future-Geschäften nach einer Fehleingabe am Dienstag abgelehnt. "Wir kommentieren Pressemitteilungen nicht", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse auf Anfrage.

rtr FRANKFURT. Die Vermögensverwaltungsgesellschaft G.A.M.A.G German Asset Managers AG hatte am Mittwoch mitgeteilt, bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Strafanzeige wegen schweren Betrugs gegen den Vorstand der Eurex gestellt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt konnte den Eingang der Strafanzeige noch nicht bestätigen.

Dax-Future stürzte nach Fehleingabe ein

Hintergrund der Anzeige ist die falsche Eingabe einer Verkaufsorder am Dienstagmorgen in das computergestützte Handelssystem der Eurex. Der Dax-Future stürzte daraufhin innerhalb weniger Sekunden um rund 16 % ab. Als Folge davon brachen auch die Kurse am Aktienmarkt kurzzeitig ein. Genaue Angaben über die Anzahl der verkauften Future-Kontrakte gab es bisher nicht.

Die Börse hatte am Dienstag Nachmittag mitgeteilt, dass die Fehleingabe eine Reihe von Future-Geschäften ausgelöst habe, die im Rahmen so genannter Mistrade-Regelungen aufgehoben worden seien. Ein Mistrade definiert ein Geschäft, das zu einem nicht marktgerechten Preis zu Stande kommt.

Finanzielle Einbußen bei Banken

Einige Marktteilnehmer hatten sich mit der Entscheidung der Deutschen Börse nicht einverstanden gezeigt. Wegen der Annullierung der Geschäfte durch die Börse seien den beteiligten Banken finanzielle Einbußen entstanden, hieß es am Markt. So hatten Investoren nach dem Kursrutsch den Dax-Future billig eingekauft und ihn dann, nachdem sich der Markt wieder erholt und auf seinem alten Niveau eingependelt hatte, wieder mit Gewinn verkauft. In vielen Fällen wurde dann die Kauforder aufgehoben, der später getätigte Verkauf aber nicht.

Die G.A.M.A.G. teilte mit, sie habe in den fallenden Markt gekauft, da man die Marktbewegung für überzogen hielt. Es sei nicht eindeutig zu erkennen gewesen, dass es sich um eine Fehleingabe gehandelt habe. Man habe das Geschäft getätigt, "ohne zu wissen, ob es sich um einen neuen terroristischen Anschlag oder ähnliches handelt". Das Argument der Deutschen Börse, dass die Fehleingabe einer großen Verkaufsorder zu nicht marktgerechten Preisen geführt habe, sei falsch.

Gang durch alle zivilrechtlichen Instanzen angekündigt

"Dies war kein irregulärer Handel in einem illiquiden Markt, sondern eine durch Verkaufsdruck erzeugte Bewegung eines hochliquiden Marktes", stellt die G.A.M.A.G weiter fest. Jeder Marktteilnehmer habe innerhalb einer Zeitspanne von mehr als einer Minute ausreichend Zeit gehabt, zu reagieren und es hätten ausschließlich faire Geschäfte stattgefunden. Die G.A.M.A.G. bestehe auf der Lieferung der von ihnen zu 4548,5 erworbenen Future-Kontrakte und werde für diesen Anspruch durch alle zivilrechtlichen Instanzen gehen, hieß es in der Mitteilung weiter.

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