Fehlende Alternativen
Nemax-50-Unternehmen stehen noch zum Neuen Markt

Die Top-Unternehmen des Neuen Marktes stehen trotz der anhaltenden Baisse weiter zu dem Wachstumssegment. Einige haben sich jedoch bereits Gedanken über Alternativen gemacht.

rtr FRANKFURT. Eine Umfrage unter Gesellschaften aus dem Nemax-50-Index ergab, dass die Ausweichmöglichkeiten derzeit aber als nicht attraktiv eingeschätzt werden. So hat die Münchener Kontron Embedded Computer die Folgen eines Börsensegment-Wechsels prüfen lassen. Das Ergebnis: Neue-Markt-Fonds würden Kontron-Titel vermutlich verkaufen. "Es würden schlagartig über 50 % der Kontron-Aktien auf den Markt geworfen. Das wäre ein extremer Crash", sagte Kontron-Chef Hannes Niederhauser. Daher habe man keine Alternative, auch wenn man mit dem Nemax-50-Index nicht ganz glücklich sei. "Ich glaube, das ist bei anderen Unternehmen nicht anders", sagte der Chef des auf Mini-Computer spezialisierten Unternehmens.

Wiederherstellung des Vertrauens

Die meisten der befragten Unternehmen halten aktuell weder einen Wechsel an den Geregelten Markt noch an die Nasdaq für sinnvoll. Gefordert werden Maßnahmen zur Wiederherstellung des Vertrauens in das Wachstumssegment der Frankfurter Börse. Dazu gehören nach Ansicht des Managements der Top-Unternehmen am Neuen Markt neben schärferen Regularien auch eine Neuorganisation der Indizes. Am Donnerstag der vorherigen Woche war der Nemax50-Index erstmals unter die Marke von 1000 Punkten gefallen. In Boomzeiten hatte er bei 9666 Stellen gelegen. Der Neue Markt war zuletzt wegen einer Reihe drohender Insolvenzen und einier Schadensersatzklagen von Anlegern gegen Unternehmensvorstände in die Kritik geraten.

Die Ce Consumer Electronic AG beschäftigt sich ähnlich wie Kontron ebenfalls mit Alternativen. "Derzeit haben wir aber noch keine konkreten Pläne, den Nemax-50 zu verlassen", sagte Unternehmenssprecher Maximilian Fischer. Interessante Alternativen seien die Nasdaq, die neu gestartete Nasdaq Europe und auch der MDax. "Wir tippen in alle Richtungen", sagte Fischer. Aber man werde wohl eher versuchen, in den MDax zu kommen.

Flaute muss überwunden werden

"In Deutschland gibt es keine Alternative zum Neuen Markt", sagte Kim Schindelhauer, Vorstand des Aachener Nemax-Schwergewichtes Aixtron . Er sei überzeugt, dass dieses Wachstumssegment für Deutschland wie für Europa sinnvoll sei, da die Wachstumstitel in anderen Segmenten völlig untergehen würden. Dies sehe man auch in Amerika. "Wir brauchen da nichts Neues zu erfinden." Die Flaute müsse nun einfach überwunden werden. Daher bleibt er dem Neuen Markt derzeit treu: "Im Moment ziehen wir eine Notierung an Nasdaq nicht in Erwägung", sagte er.

"Wichtig ist, dass der Neue Markt sein Image verbessert", sagte Singulus -Sprecher Bernhard Krause. Dies könne durch eine Verschärfung des Regelwerks erreicht werden. Ferner sollten die Unternehmen nach qualitativen Kriterien in einzelne Ligen zusammengefasst werden, um die Transparenz für die Investoren zu erhöhen. Bei dem Spezialisten für optische Speichermedien gibt es nach den Worten Krauses derzeit keine Pläne für einen Segmentwechsel. Das Unterschreiten der 1000-Punkte-Marke sei für Singulus kein Anlass, solche Pläne zu entwickeln. Primär interessiere der eigene Aktienkurs und nicht die Entwicklung des Nemax-50, sagte Krause.

Das Biotech-Unternehmen Qiagen plant nach den Worten einer Sprecherin derzeit ebenfalls nicht, den Neuen Markt zu verlassen. "Der Geregelte Markt ist an sich nicht für Wachstumsunternehmen ausgelegt, daher sehen wir unsere Zukunft am Neuen Markt", sagte Investor-Relations-Sprecherin Solveigh Mähler. Die Direktbank Consors bedauert nach den Worten einer Sprecherin, dass soviel "Schindluder" mit dem Neuen Markt getrieben worden sei. Die Idee des Segments sei jedoch grundsätzlich gut, für Consors sei es immer noch das Richtige. Auch der Medienkonzern Constantin Film hält nach den Worten einer Sprecherin derzeit an dem Listing am Neuen Markt fest, Comroad -Chef Bodo Schnabel fühlt sich dort sogar "nach wie vor gut aufgehoben". Zum einen gebe es kaum eine Altenative, zum anderen erwarte er für 2002 eine Erholung der Kurse, sagte Schnabel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%