Fehlende Ingenieurkapazität bremst Mittelabfluss weiterhin
Bahn drückt aufs Sanierungstempo

Bei der Bahn gibt es Krach um die Sanierung der maroden Schieneninfrastruktur. Der für das Netz-Management verantwortliche Vorstand Thilo Sarrazin ist in die Schusslinie geraten. Offiziell kündigte das Unternehmen jedoch lediglich an, dass es die Planungen und Baumaßnahmen beschleunigen wolle.

DÜSSELDORF. Die anhaltenden politischen Diskussionen über die Effizienz der Deutschen Bahn beim Ausbau des Schienennetzes fordern möglicherweise ein hochrangiges Opfer: Thilo Sarrazin (56), bei der DB Netz AG als Vorstand Netzmanagement für die Erneuerung der Bahn-Infrastruktur verantwortlich, muss voraussichtlich gehen.

Eine entsprechende Aussage der CSU-Bundestagsabgeordneten Renate Blank, die auch Mitglied des Verkehrausschusses ist, dementierte ein Bahnsprecher jedoch gegenüber dem Handelsblatt. Sarrazin sei "nicht gefeuert und nicht beurlaubt". Allerdings gebe es "Gespräche über eine neue Organisation zur Beschleunigung der Bauprojekte" bei der Netz AG. Welche Konsequenzen dies für das bislang zuständige Vorstandsmitglied habe, sei nicht absehbar.

Zerwürfnisse zwischen Mehdorn und Sarrazin

Nicht nur aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sondern auch aus dem Bundesverkehrsministerium und aus Gewerkschaftskreisen wird berichtet, dass es zwischen SPD-Mitglied Sarrazin und Bahnchef Hartmut Mehdorn zu Zerwürfnissen gekommen sei. Stein des Anstoßes war, wie die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gestern erklärte, dass der Netz-Manager den Bahnchef über den Umfang der in diesem Jahr in die Netzsanierung gesteckten öffentlichen Gelder falsch informiert habe. Nach dieser auch von den anderen Quellen bestätigten Version soll Sarazin gegenüber Mehdorn erklärt haben, von den Milliarden aus der Bundeskasse seien bis Ende Oktober weniger als 700 Mill. DM noch nicht verbaut. Dem Bundesverkehrsministerium aber soll er die zutreffende, doppelt so hohe Summe genannt haben. "Der arbeitet wohl für eine andere Firma", wird ein erboster Mehdorn zitiert.

Das Verhältnis der beiden Kontrahenten war auch vorher nicht herzlich. Sarrazin war erst im Frühjahr 2000 von der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft TLG zunächst in das Finanzressort des Bahn-Holdingvorstandes gegangen. Er habe ihn "geerbt", sagte Mehdorn mehrfach. Der erfahrene Finanzfachmann, der zuvor als Beamter des Bundesfinanzministeriums im Verwaltungsrat der damaligen Deutschen Bundesbahn mit die Bahn-Finanzen kontrollierte, war dann nach wenigen Monaten noch im Frühsommer in das Ressort Netz gewechselt. Dort sollte er neben dem zum Netz-Vorstandschef ernannten langjährigen Forschungs- und Technikchef der Bahn, Roland Heinisch, einem von der Pike auf gelernten Eisenbahner, für eine möglichst effiziente Erneuerung des maroden Bahnnetzes sorgen. Der Bahn fehlen heute Planungsingenieure. Denn in den 90-er Jahren, als die Investitionsmittel aus der Bundeskasse weit unter den Zusagen blieben, hatte sie ihre Planungskapazitäten stark abgebaut.

Im Frühjahr hatte Sarrazin, der in Bahnkreisen hinter der Hand als "schwierig" und "nicht teamfähig" beschrieben wird, ein neues "Korridor-Management" zur Netz-Sanierung vorgestellt. Ende Juli hatte die Bahn erklärt, dass sie für alle in diesem Jahr vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel bis zum Jahresende Aufträge erteilen werde.

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