Fehlende Übertragungsrechte gefährden Saisonstart
Italiens Fußball hängt an Murdochs Tropf

Ob die zwei höchsten italienischen Profiligen wie geplant am 30. August in die Saison 2003/2004 starten können, steht weiter in den Sternen. Bis zum Dienstag sind die Verhandlungen zwischen dem Monopolisten im Bezahlfernsehen - der zum Murdoch-Imperium gehörigen Sky Italia - sowie Gioco Calcio (GC) - einer Interessengruppe der bislang vertraglosen Vereine - erfolglos fortgesetzt worden.

mab MAILAND. GC will auf angemieteten Kanälen der Sky-Plattform künftig die Spiele der meist kleineren Clubs eigenständig vermarkten. Auch wenn dies technisch gesehen keine Probleme verursachen dürfte, sind sich die Partner noch nicht über den Preis einig.

Für den Fall eines Scheitern der Verhandlungen drohen sie damit, die Spiele bis auf weiteres zu boykottieren. Für die Clubs steht viel auf dem Spiel: Anders als in Deutschland hängen sie am Tropf des Bezahlfernsehens. Mit 335 Millionen Euro in der letzten Saison haben die Einnahmen rund ein Drittel des Gesamtumsatzes im italienischen Profifußball generiert. Zum Vergleich: Das Staatsfernsehen RAI bezahlt für das Recht zeitverzögert Spielausschnitte zu zeigen, bis 2005 jährlich nur 62 Millionen Euro.

Auslöser des Problems mit dem Bezahlfernsehen ist die jüngste, durch jahrelange Verluste erzwungene, Fusion der bislang konkurrierenden Sender Telepiu (Vivendi-Canal und Stream unter der Regie von Murdoch. Hierdurch sind nicht nur die Preise für die Direktübertragungsrechte in den Keller gerutscht, sondern haben auch viele Vereine insgesamt keine neuen Pay-TV-Verträge bekommen. Verfügten in der letzten Saison noch alle Erstligavereine und viele Clubs der "Serie B" über diese lukrative Einnahmequelle, so werden bei Sky voraussichtlich nur 12 Mannschaften live zu bewundern sein. Darunter befinden sich alle Top-Mannschaften - von Juventus Turin über Inter und AC Mailand bis zu den beiden Römer Vereinen AS und Lazio - die dafür pro Saison jeweils 30-54 Millionen Euro einstreichen. Alle anderen bleiben bei Sky außen vor, auch weil das Kartellamt Murdoch aus Wettbewerbsgründen untersagt hat, mehr als 60 Prozent der Erstligaclubs unter Vertrag zu nehmen. In Italien glaubt aber niemand, dass GC angesichts fehlender Erfahrungen und mangels Masse die monopolistische Struktur knacken kann. Dadurch dürften sich die wirtschaftlichen Probleme vieler Vereine verschärfen und der italienische Fußball noch stärker als bislang in eine Zweiklassengesellschaft aufspalten, meinen Experten.

Insider weisen aber darauf hin, dass der desolate Zustand des "Calcio Italiano" bei weitem nicht nur mit der Konzentration des Bezahlfernsehens zu begründen ist. Seit Jahren schreiben fast alle Profivereine hohe Verluste - in der letzten Saison waren es operativ 947 Millionen Euro, bei einem Umsatz von gerade einmal 1,06 Milliarden Euro. Im Schnitt übertreffen die konsolidierten Schulden das Eigenkapital um fast das sechsfache. Grund dafür sind die völlig aus dem Ruder gelaufenen Gehälter der Spieler, die in der ersten Liga 82 Prozent aller Einnahmen ausmachen. Erklärtes Ziel des Verbandes ist, diese Quote auf 60 Prozent zu senken. So lange aber nicht nur Stars wie Totti und Del Piero 5,5 Millionen Euro jährlich nach Hause tragen, sondern auch Mittelklassespieler über 1 Millionen Euro verdienen, bleiben die Strukturprobleme bestehen. Gäbe es nicht die als Mäzene auftretenden Vereinspräsidenten, wie Silvio Berlusconi beim AC Mailand, die die Fehlbeträge aus eigener Tasche ausgleichen, wäre das System schon längst zusammengebrochen. Doch in vielen Fällen nimmt die Großzügigkeit ab. Der jüngste Skandal um gefälschte Bilanzen und Bankbürgschaften beweist, dass die Vereine mittlerweile verzweifelt um Überleben kämpfen.

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