Fehler werden zu oft bei anderen gesucht
Liebe Deinen Mitarbeiter wie Dich selbst

Fachlich kompetente Chefs sind gut. Sozial kompetente Chefs sind besser. Doch weiterhin suchen viele Firmen ihr Führungspersonal allein nach Fachwissen aus. Dabei sind Führungsqualitäten ebenso entscheidend für den geschäftlichen Erfolg, wie eine aktuelle Studie belegt.

Es rumorte in der Chefetage des MDax-notierten Technologiekonzerns. Interne Kommunikation schien ein Fremdwort zu sein, das Image in der Öffentlichkeit war dürftig, altmodisch erschien den Vorständen die Kultur des Unternehmens.

Sie entschlossen sich zum großen Wurf: Ein neues Leitbild mit zehn Grundsätze wurde entworfen. Allein vier davon behandelten die soziale Kompetenz der Mitarbeiter. Das Top-Management ließ etwa festhalten, dass Lösungen künftig auf partnerschaftliche Weise erzielt werden. Es blieb nicht nur bei leeren Worten: Vorstände und Führungskräfte nahmen an Workshops teil und wurden gecoacht, um sich mit der neuen Kultur auseinander zu setzen.

Radikalkuren wie diese sind noch selten in Deutschland - leider. "Ein Manager, der auf soziale Kompetenz achtet, wirtschaftet in der Regel auch nachhaltiger", sagt Dominik von Winterfeldt, Geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Boyden International GmbH. Sprich: Wer sich rechtzeitig um seine Unternehmenskultur kümmert, hat in der Krise weniger Probleme; Unternehmen, die viel Wert auf Mitarbeiteroptimierung und Führungsqualitäten legen, sind wirtschaftlich erfolgreicher als andere.

Zu diesem Ergebnis kommt eine unabhängige Studie des Verbands Deutscher Ingenieure und des Mainzer Marktforschungsinstituts Forum. Der deutsche Manager verfügt demnach in der Regel über exzellente Fachkenntnisse - aber an der Menschenführung hapert es, soziale Kompetenz gehört nicht zu den Prioritäten der Chefetagen.

Die Befragung von 800 Geschäftsführern und Managern ergab: Die meisten deutschen Unternehmen erliegen dem Irrtum, der Weg zum Erfolg führe in der Hauptsache über fachlich hochqualifizierte Chefs. Viel wichtiger aber ist laut Studie die menschliche Kompetenz, am besten kombiniert mit kaufmännischem Wissen - von der Fähigkeit, eine Bilanz zu lesen, bis zum Gefühl, wie sich ein Angestellter motivieren lässt.

"Derzeit ist der betriebswirtschaftliche Allrounder mit dem Händchen für das Menschliche in den Unternehmensspitzen rar", sagt der Schirmherr der Studie, der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel. Gerade in Krisenzeiten sei jedoch ein kompetentes Management mit dem notwendigen Gespür für die Sorgen aller Beteiligten wesentlich für den Unternehmenserfolg.

Doch die Realität sieht anders aus. Nur wenige Unternehmen sind bei knapper Kasse bereit, in die Führungsqualitäten ihrer Top-Manager zu investieren. "Das ist zwar verständlich, geht aber nur eine Weile gut", sagt Boyden-Berater von Winterfeldt. "Mittelfristig sinkt die Motivation der Mitarbeiter. Wenn sich dann eine Gelegenheit bietet, verlassen gerade die Besten das Unternehmen zuerst."

Davon könnten vor allem mittelständische Unternehmen betroffen sein. "In Unternehmen mit bis zu 1 000 Mitarbeitern wird selten Wert auf die weichen Kompetenzen, Soft Skills im Fachjargon, gelegt", sagt Walter Jochmann, Vorstandschef der Personalberatung Kienbaum Management Consultants, Düsseldorf. "Dabei verbringen die Führungskräfte 60 bis 80 Prozent ihrer Zeit in internen und externen Meetings, also beim Kommunizieren - und da ist die soziale Kompetenz entscheidend."

Mehr auf die menschlichen Kompetenzen der Entscheider zu achten, dazu raten die Experten der Studie. Es sei wichtiger, dass ein Unternehmen auf seine Kunden eingeht, als dass es an der Qualität der Produkte und Dienstleistungen poliert. Börsennotierte Unternehmen und Dienstleister sind deshalb besonders fortschrittlich. "Da müssen die Manager mehr als sonst fähig sein, zu kommunizieren, nach außen und gegenüber den Kunden", sagt Jochmann.

Die meisten Entscheider nehmen jedoch das Menscheln mit Methode nicht besonders ernst. In der Praxis halten sie nach wie vor die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen für wichtiger - und glauben sogar, gut damit zu fahren. So bezeichneten sich laut Studie viele Unternehmen als erfolgreicher im Vergleich zum letzten Jahr, obwohl die Lage ihres Unternehmens sich gegenüber der Branche verschlechtert hatte.

Aber woher diese Fehleinschätzung? Die Autoren der Studie glauben, dass sich die Manager nicht genug mit den Kunden, den Konkurrenten und dem Markt auseinander gesetzt hätten. Die Mehrzahl suche die Fehler bei anderen. "Das zu ändern ist nicht leicht", meint Roman Becker, geschäftsführender Gesellschafter bei Forum und wissenschaftlicher Leiter der Studie. Denn Manager, deren besondere Stärke die fachlich hohe Qualifikation ist, setzten auf ähnliche Fähigkeiten bei potenziellen Nachfolgern - "ein sich selbst reproduzierendes System", meint Becker.

Wer dagegen etwas über die soziale Kompetenz eines Bewerbers erfahren will, sollte Fragen stellen wie: "Über welchen Zeitraum hinweg haben Sie Führungsverantwortung gehabt und über wie viele Mitarbeiter?"; "Wie haben Sie ihren Erfolg erreicht?"; "Wie haben Sie ihre Mitarbeiter eingesetzt und motiviert?"; "Haben sie Pläne erstellt und periodisch überprüft?"; "Welche Ziele wurden gesetzt?"; "Haben Sie Mitarbeitergespräche geführt und Weiterbildungsmöglichkeiten besprochen?".

Auch wenn die Studie einen Zusammenhang zwischen unternehmerischem Erfolg und sozialer Kompetenz nachweist - "kurzfristig, zur Rettung aus der Krise, lassen sich entsprechende Maßnahmen nicht einführen", sagt Berater Jochmann. "Das braucht zwei bis drei Jahre."

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