Fehlerhafte Verkaufseingabe beim Dax-Future
Siemens-Familie führt Verlierer im Dax an

Gewinnmitnahmen vor dem US-Feiertag am Donnerstag drückten die deutschen Aktien. Händler sprachen von einer gesunden Konsolidierung. Am Vormittag sorgte ein Eingabefehler für Aufregung.

HB FRANKFURT/M. Nach der Panne beim elektronischen Handelssystem Xetra am Montag hielt am Vormittag eine Fehleingabe die Börsianer in Atem: Kurz nach Handelsbeginn fiel der Dezember-Kontrakt des Futures auf den Deutschen Aktienindex (Dax) innerhalb von Sekunden um rund 800 Stellen, der Dax brach kurzfristig bis auf 5016 Punkte ein.

Angeblich hatte ein Händler an der Terminbörse Eurex ein Simulationsprogramm mit dem richtigen Handelsprogramm verwechselt und dadurch eine große Anzahl an Terminkontrakten ohne Beschränkung verkauft. Börsianer lesen am Kurs der Aktienoptionen die Erwartungen an den Indexstand in der Zukunft ab, deshalb fiel auch der Dax. Die Deutsche Börse teilte später mit, die im Zusammenhang mit der Fehleingabe ausgeführten Aufträge an der Terminbörse aufzuheben. Die Kassageschäfte blieben davon aber unberührt. "Fehler passieren halt. An der Börse aber kosten sie richtig Geld", bemerkte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Schätzungen zufolge könnte der Vorgang bei allen Beteiligten zu Kosten von bis zu 30 Mill. Euro führen.

Kurz nach dem plötzlichen Kursverfall pendelte sich der Dax bereits in etwa wieder auf dem Niveau von vor dem Future-Sturz ein. Nach einem vorübergehenden Ausflug ins Plus notierte das Kursbarometer dann zum Handelsschluss wieder leichter. Händler erklärten die Abschläge mit Gewinnmitnahmen im Vorfeld des US-Feiertages Thanksgiving am Donnerstag. Nach dem Aufstieg um knapp 6 % in der vergangenen Woche sei eine technische Korrektur zudem durchaus fällig gewesen, hieß es weiter. Laut Frank Albrecht, Aktienhändler bei M.M. Warburg, bleibt die gute Stimmung dem Markt aber erhalten. Investoren hofften nach wie vor auf eine Erholung der Konjunktur im kommenden Jahr.

Zu den größten Verlierern gehörten die Aktien der Siemens-Familie. Epcos bildeten das Schlusslicht, nachdem der Hersteller elektronischer Bauelemente mitgeteilt hatte, wegen hoher Sonderbelastungen und der Flaute in der Hightech-Branche im vierten Quartal in die roten Zahlen gerutscht zu sein. Marktteilnehmer bezeichneten die Daten denn auch als enttäuschend. Auch Infineon und Siemens gaben nach. Bei Infineon ist allerdings zu beachten, dass die Aktie seit ihrem Jahrestief von Ende September zeitweilig mehr als 110 % gewonnen hatte. Gegen die allgemeine Markttendenz konnten sich zeitweise SAP mit leichten Gewinnen stemmen, für die technisch orientierte Händler den nächsten Widerstand erst wieder bei 140 Euro sehen.

MAN gaben im Vorfeld ihrer für heute erwarteten Geschäftszahlen erneut ab. Auch Lufthansa standen im Minus, nachdem das Unternehmen Entlassungen ankündigte. Die Zahlen beim Passagier- und beim Frachtaufkommen sind zuletzt zurückgegangen. Gefragt waren hingegen RWE . Das Unternehmen legt am Mittwoch (21.) den Bericht über das erste Quartal vor. Analysten erwarten Zuwächse bei Umsatz und Gewinn.

In der zweiten Reihe gewannen Karstadt-Quelle nach einem überraschenden Gewinn im dritten Quartal. Der M-Dax stand insgesamt mit 0,14 % auf 4 278,12 Punkten im Minus. Von den Regionalbörsen schlossen Hamburg und Stuttgart im Plus, die Kurse in Hannover und Düsseldorf beendeten den Handel dagegen im Minus. Der Rest tendierte uneinheitlich.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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