Fehlprognosen bei Aktien
Analysten stecken erneut eine Schlappe ein

Alle Vorsicht hat nichts genutzt: Zwar sahen die Analysten für das laufende Jahr nur begrenzten Spielraum für steigende Kurse, doch dann kam alles anders. Wieder einmal büßten Aktien ein - und zwar kräftig. Weltkonjunktur, Bilanzskandale und Kriegsangst machten 2002 einen Strich durch alle Börsenprognosen.

HB/rob FRANKFURT/M. Analysten sind nicht zu beneiden. Es vergeht momentan kein Jahr, in dem nicht unvorhergesehene Ereignisse großen Einfluss auf die Entwicklung an den Kapitalmärkten haben. Schockten 2001 die Terroranschläge in den USA am 11. September die Welt und damit auch die Spieler an den Kapitalmärkten, so waren es in diesem Jahr vor allem die Bilanzfälschungen von Konzernen wie Enron und Worldcom, die zu einem massiven Vertrauensverlust bei den Anlegern führten. Die schlappe Konjunktur und die zuletzt wieder aufkommenden Kriegsängste taten ein Übriges. Der Deutsche Aktienindex brach nach einem Höchststand von rund 5500 Punkten zeitweise um knapp 3000 Zähler ein. Inzwischen konnte er sich wieder etwas erholen.

Dieser Stand ist eindeutig zu niedrig, wenn man die Prognose der 37 renommierten Banken und Investmenthäuser heranzieht, die an der Handelsblattprognose für 2002 teilgenommen hatten. Die Kapitalmarktprofis hatten zum Ende dieses Jahres im Durchschnitt einen Stand von 5 779 Punkten vorhergesagt und lagen damit völlig schief. Trotz der Kursrückgänge in den vergangenen zwei Jahren hatten sie sich zuversichtlich gezeigt und wurden enttäuscht. Der gezeigte Optimismus war verfehlt. Die Wirtschaft kam nicht auf Trab, die Gewinne fielen. Das Jahr war geprägt von Überkapazitäten in den Unternehmen, geringer Nachfrage und Rationalisierungen.

Bei der Vorhersage der Entwicklung der zehnjährigen Bundesanleihe, die trotz aller Diskussion um die Bonität Deutschlands weiterhin als Orientierungsmaßstab für den Euro-Rentenmarkt angesehen wird, liegen die befragten Banker mit ihrer Prognose von 5,05 % Ende 2002 ebenfalls weit neben dem aktuellen Stand von rund 4,3 %.

Nicht ganz so schlimm sieht es bei den Schätzungen im Währungsbereich aus. Zwar sind die Analysten diesmal vorsichtig geworden, nachdem sich das vorher Jahr für Jahr erwartete Erreichen der Parität gegenüber dem US-Dollar nicht erfüllt hatte. Doch mit einer Prognose von 0,95 US-Dollar je Euro liegen sie gar nicht so stark daneben. Damit wich die Schätzung weniger als 10 % von der tatsächlichen Notierung ab. Die zuletzt von den Amerikanern wieder geschürten Kriegsängste sowie schlecht ausgefallene Konjunkturdaten trieben den Euro auf einen Stand von über einem US-Dollar. Beim Verhältnis von japanischem Yen zum US-Dollar konnten die Analysten noch mehr überzeugen und machten mit ihrer Schätzung von 125 Yen fast eine Punktlandung.

Bei der Einzelbetrachtung gibt es vor allem Schatten. Das gilt in erster Linie für die Dax-Vorhersage. Hier waren selbst die Bären unter den befragten Häusern, JP Morgan Chase, mit erwarteten 5 100 Punkten noch viel zu optimistisch. Im Rückblick zu weit aus dem Fenster gelehnt hat sich die Berenberg Bank, die auf eine Trendwende setzte und mit 6 650 Zählern voll daneben lag. Angesichts der befürchteten Probleme bei den Unternehmen rechnete JP Morgan Chase bei den Zinsen mit geldpolitischen Lockerungen der Europäischen Zentralbank - eine richtige Prognose. Mit einem erwarteten Zins von 4,40 % konnte das Haus überzeugen. Dagegen haben sich Bankgesellschaft Berlin, Berenberg Bank, Hauck & Aufhäuser sowie Vereins und Westbank - mit geschätzten 5,50 % vergaloppiert.

Bei der Vorhersage des Verhältnisses von US-Dollar zum Euro konnten zahlreiche Institute überzeugen. Dazu gehörten: Baden Bank, -Württembergische DZ Bank, Hypo-Vereinsbank, Merck Finck & Co., M.M. Warburg und UBS Warburg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%