Fehlverhalten löst Kursrutsch aus
Aktionäre fordern Rücktritt

Vorstandschef Schmid hat gegen das Aktienrecht verstoßen. Verantwortlich hierfür ist ein Aktiengeschäft mit seiner Ehefrau. Der Mitaktionär France Telecom will die Verfehlungen offenbar nutzen, um preiswerter an das Aktienpaket zu gelangen.

lip HAMBURG. Gerhard Schmid, Vorstandschef der Büdelsdorfer Mobilcom AG, gerät wegen seines aktienrechtlichen Fehlverhaltens im Poker um den geplanten Verkauf seiner Beteiligung an die France Telecom (FT) ins Hintertreffen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen von Mobilcom dürfte der Firmengründer für sein 33-prozentiges Anteilspaket deutlich weniger erhalten als bislang erwartet.

So sind die Franzosen offenbar nur noch bereit, Schmid einen Preis zwischen 18 bis 20 Euro je Aktie zu zahlen. Der Firmengründer ging bislang von 22 Euro aus. Hintergrund hierfür ist, dass France Telecom angeblich bereit sei, von gerichtlichen Konsequenzen gegen Schmid abzusehen, wenn er dem Preisnachlass zustimmt.

Um den Druck auf Schmid zu erhöhen, forderte ein Vertreter einer Investmentgesellschaft innerhalb des halbstaatlichen Pariser Konzerns auf der gestrigen Mobilcom-Hauptversammlung eine Einzelentlastung des Vorstands. Damit versucht FT, Schmid einen aktienrechtlichen Persilschein für sein Fehlverhalten zu verwehren. Der Kurs von Mobilcom war am Donnerstag um mehr als 20 % auf rund 13,50 Euro eingebrochen.

France Telecom, die mit 28,5 % an der Mobilcom AG beteiligt ist, greift seit Monaten nach der Mehrheit bei den Büdelsdorfern. Nach Angaben von Schmid habe FT jetzt eine "bilanzverträgliche Möglichkeit" gefunden. Danach sollen die Bankverbindlichkeiten des norddeutschen Mobilfunkunternehmens von 4,7 Mrd. Euro über eine Wandelanleihe finanziert werden. Damit verhindert der französische Staatsriese eine schlechtere Bonitätseinstufung durch die Rating-Agenturen, da sich hierdurch der Schuldenberg von rund 60 Mrd. Euro nicht erhöht.

Schmid geriet unter erheblichen Beschuss

Gerhard Schmid war am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Hamburg erheblich unter Beschuss geraten. Der Aufsichtsrat warf dem Vorstandschef in mehreren Punkten vor, gegen Sorgfaltspflichten im Rahmen des Aktiengesetzes verstoßen zu haben. Grundlage war ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Warentreuhand, das auf Drängen des französischen Mitaktionärs in Auftrag gegeben worden war. Danach habe der Mobilcom-Chef den Finanzvorstand Thorsten Grenz nicht über die Aktiengeschäfte mit seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram informiert, noch gab es eine vertragliche Grundlage für die Transaktionen.

Die Ehefrau hatte über die von ihr kontrollierte Millennium GmbH den Büdelsdorfern rund 3,6 Millionen Mobilcom-Aktien für ein Händler-Optionsprogramm zur Verfügung gestellt. Hierfür erhielt sie von der Mobilcom Communicationstechnik GmbH (MCC), einer Tochter des Büdelsdorfer Unternehmens, 68 Mill. Euro Prämie.

Diese Transaktion hat der Aufsichtsrats nun untersagt. Das Geschäft muss innerhalb von sieben Tagen rückabgewickelt werden. Fraglich ist, ob die Millennium GmbH über das nötige Kapital verfügt. Ansonsten müsste möglicherweise Gerhard Schmid für die Summe geradestehen, da er die Transaktion angeblich verbürgt haben soll.

Die Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von "skandalösen Vorgängen." Sie fordert den Rücktritt des Vorstandschefs, da er das Vertrauen der Aktionäre schwer missbraucht habe. "Schmid kümmert sich offenbar mehr um seine eigenen Aktieninteressen. Es besteht damit die Gefahr, dass er die Führung des von ihm gegründeten Unternehmens vernachlässigt", sagte DSW-Vertreter Dirk Unrau. Er forderte deshalb den Rücktritt von Schmid. Der Vorstandschef lehnte dies ab, entschuldigte sich aber bei den Aktionären für sein Fehlverhalten. Unterdessen sieht der Mobilcom-Vorstand gute Chancen, in einem Konsortium mit der European Aeronautic Defence and Space (EADS) sowie der CSC Ploenzke AG einen Großauftrag der Bundeswehr für IT- und Telekommunikation zu erhalten. Der Wert wurde mit mehr als 6 Mrd. Euro angegeben.

"Mobilcom führt bereits intensive Gespräche mit dem Konsortium", betonte Gerhard Schmid. Auch ein anderes Konsortium, bestehend aus Deutscher Telekom, Siemens und IBM, bemühe sich um den Auftrag, hieß es.

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