Feierlichkeiten in Peking
Olympisches Feuer: Sport statt Politik

Als die Sondermaschine von Air China um 8.55 Uhr auf dem Rollfeld des Pekinger Flughafens aufsetzte, dürfte den Verantwortlichen der chinesischen Staatssicherheit ein Stein vom Herzen gefallen sein. Endlich hatten sie die Kontrolle über die olympische Flamme, die auf Ihrer kurzen Reise zuvor bereits für etliche Proteste gegen Chinas Tibet-Politik gesorgt hatte.

HB PEKING. Doch China ist nicht Griechenland. Und so gab es gestern bei der Ankunft der Flamme in der chinesischen Hauptstadt, wo im Sommer die Olympischen Spiele stattfinden sollen, nicht ein Plakat und nicht einen Zwischenruf. Nicht einmal in der vom IOC-Vertreter Hein Verbruggen verlesenen Botschaft des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) fiel das Wort Tibet oder gar der Begriff Menschenrechte. So schön funktioniert Olympia.

Dafür wurde in Peking gestern viel getrommelt, gejubelt und getanzt. Denn China empfing das olympische Feuer, das in einer Art High-Tech-Grubenlampe und in einem Spezialbus von Sponsor VW vom roten Teppich auf dem Rollfeld zum roten Teppich auf den Platz des Himmlischen Friedens gefahren wurde, mit bunter Folklore und Zirkusakrobatik.

Doch echte Fröhlichkeit kam in der rund einstündigen Zeremonie nicht wirklich auf. Vielleicht lag es an der Marschmusik, den militärischen Fahnenträgern, der strengen Auswahl der 5000 Gäste und Medien. Vielleicht lag es an den steifen Reden, darunter von Chinas neuem Vizepräsident Xi Jinping oder am massiven Aufgebot an Sicherheitskräften, mit dem der Platz weiträumig abgeriegelt wurde.

Und vielleicht lag es auch am großen Mao-Portrait über dem Eingang zur Verbotenen Stadt, das als fragwürdige Kulisse für die olympische Zeremonie diente. Unter dem Blick des Großen vorsitzenden wurde die Friedensfackel von Staatschef Hu Jintao dann auch eher wie mit militärischen Ehren empfangen und feierlich entzündet.

Chinas Staatsfernsehen folgte brav der Propaganda-Choreographie. Auf allen Kanälen wurde die große Bedeutung der Sommerspiele in China betont und vor allem der "historische Moment" beschworen, den die Ankunft der olympischen Flamme für das Reich der Mitte bedeute. Dass auf dem Platz, wo die gestern Fackel entzündet wurde, 1989 die Demokratiebewegung ein blutiges Ende gefunden hatte, wurde ebensowenig erwähnt wie die jüngsten Proteste in Tibet. Was historisch ist, bestimmt in China eben noch immer Mao?s Partei.

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