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Feiern Sie feste!

Das ist das Kennzeichen der Gegenwart: Krise und Stabilität sind nicht mehr unterscheidbar. Das Dasein folgt nicht mehr einer tendenziell aufsteigenden Linie, wächst nicht mehr einer positiv vorgestellten Zukunft entgegen. Wir leben in einer stabilen Dauer- Krise. Kein Durchatmen, nirgends.

Dadurch tragen die individuellen und unternehmerischen Strategien zunehmend das Stigma des Provisorischen, des Übergangs, höchstens noch Mittelfristigen. Die sich ständig nach vorne werfende Selbstdynamisierung versucht vergeblich, das Gefühl des Mangels zu beseitigen. Über jedes erreichte Ziel hinaus zum nächsten Ziel zu hecheln.

Das wertet die Gegenwart ab. So, wie viele Menschen auf ein besseres Morgen warten, so sind auch die meisten Unternehmenskulturen solche des Vorbereitens. Transit-Räume. Eine atemlos hechelnde Mobilmachung schaut ständig in die Zukunft. Und in dieser Mittelbarkeit des "um zu" verschwindet die Freude am Da-Sein und der Wert des Jetzt.

Daher wird immer wichtiger, was viele Unternehmen in den letzten Jahren völlig verlernt haben: das Feiern! Das gemeinsame Feiern als Symbol der Zusammengehörigkeit, als Realisierung des Physischen, sich den und dem anderen (im doppelten Sinne:) vor-stellen können, Gemeinsamkeit erlebbar machen, sich mit Gemeinschaftserleben auftanken, einen Ort schaffen, der bezugsfähig ist, "wie damals in Freiburg, weißt du noch?" Ein Fest feiern, bei dem "wir" uns als "uns" erfahren. Wo wir uns gemeinsam über das Geleistete freuen können.

Wir haben in der Vergangenheit große Dinge getan und sind entschlossen, auch in Zukunft Großes zu tun. Denn jeder Mensch, jedes Unternehmen präsentiert sich im Angesicht der Zukunft, die vor ihm liegt. Das kann man spüren. Man kann spüren, welche Zukunft ein Unternehmen hat. Und Feiern schaffen Vorfreude auf das vor uns Liegende. Sie lassen uns eine aufsteigende Linie erwarten. Feiern auch ganz ohne Anlass, einfach so. Nicht, weil die Zahlen gut sind, sondern weil wir uns erleben wollen und müssen, wollen wir auf wirksame Zusammen-Arbeit im Wortsinne nicht verzichten. Dem Event-Marketing kommt dann eine ganz andere Bedeutung zu als bisher die Incentive-Anrüchigkeit des Bestechungsrituals "Nun verkauft mal schön!"

Niemand lebt für die Zielerreichung. Wir alle leben für das Überflüssige, das Überraschende, das kleine bisschen Luxus, für den Glanz, den Feste unserem Dasein hin und wieder verleihen. Feste gehören zur Identität eines Unternehmens. Zur großen Erzählung, ohne die Zusammenhalt und Zusammenarbeit unmöglich ist.

Viele Unternehmen sind in den letzten Jahren spaßbefreites Territorium geworden. An den Lachmuskeln vieler Manager hängen die Bleigewichte selbstinszenierter Wichtigkeit. Ja, und es gab und gibt oft gute Gründe, nicht zu feiern. Sogar zu trauern. Aber die verbreitete Unternehmenskultur der langen Gesichter ist kaum geeignet, das Unternehmen wirklich wieder nach vorne zu bringen. Wie soll man Leistungs-Freude entwickeln in einer freudlosen Umgebung? Wer aber verlernt hat zu feiern, der hat auch das Gefühl verlernt, zukünftig noch besser zu werden. Das ist ein hoher Preis.

Geht's nicht auch ne Nummer kleiner? Ja. Freude ist tägliches Glück. Die Fähigkeit, Freude zu empfinden und auszudrücken. Auch kleine Nischen des Glücks zu ehren. Nahbar zu sein. Lachen und Mitfreuen zu können. Eine Atmosphäre der Wärme und des Wohlbefindens zu verbreiten. Eigentlich sollten nur jene Menschen Führungskräfte werden, die lächeln können. Jene innere Ausgeglichenheit, die sich an sich selbst, seinen kleinen und großen Erfolge freut. Vor allem aber auch an der Leistung anderer.

Nächste Woche: Jochen Kienbaum plädiert für richtige Unternehmensplanung und Risikoüberwachung.

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