Feiern zur Einheit im Zeichen der Terroranschläge
Politiker rufen zu Frieden und Weltoffenheit auf

Am Tag der deutschen Einheit haben die Politiker auch mit Blick auf die Terroranschläge in den USA dazu aufgerufen, Frieden und Weltoffenheit zu bewahren. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte beim Festakt zum elften Jahrestag der Wiedervereinigung am Mittwoch in Mainz: "Wir dürfen uns auch durch die jüngsten schrecklichen Ereignisse nicht dazu drängen lassen, jetzt Freiheit und Frieden in Frage zu stellen."

afp MAINZ/BERLIN. Er forderte ebenso wie der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) die Bundesbürger dazu auf, die noch anstehenden Probleme zur Vollendung der Einheit mit Optimismus anzugehen. Der als Gastredner nach Mainz geladene polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski verlangte weitere Anstrengungen zur deutsch-polnischen Verständigung. Altkanzler Helmut Kohl (CDU) warnte bei einer CDU-Veranstaltung in Berlin vor einer SPD/PDS-Koalition in der Hauptstadt.

Thierse sagte beim Festakt in der Mainzer Rheingoldhalle, die Anschläge vom 11. September verdeutlichten, wie gefährdet Frieden und Freiheit seien. Zu den Problemen nach der Wiedervereinigung sagte der Parlamentspräsident: "Wir müssen in Ostdeutschland dieses Gefühl der Zurücksetzung überwinden und wir haben auch alle Chancen dazu." Die Menschen aus den neuen Ländern sollten sich stärker auf die eigenen Kräfte besinnen anstatt sich mit dem Westen zu vergleichen.

"Blick nach vorne richten"

Beck, der als amtierender Bundesratspräsident sprach, betonte, nach den Terroranschlägen seien die Menschen enger zusammengerückt. Deshalb müsse jetzt die Gelegenheit für ein gemeinsames Vorgehen ergriffen werden. Die Deutschen sollten den Blick nach vorne richten, um die Möglichkleiten aus der Wiedervereinigung nutzen zu können. "Es ist vieles erreicht worden. Das Glas ist nicht mehr halb leer. Es ist mehr als halb voll."

Kwasniewski verwies darauf, dass die Wiedervereingung die Voraussetzung für den Ausbau der deutsch-polnischen Beziehungen geschaffen habe. In politischer und wirtschaftlicher Hinsicht sei viel erreicht worden, doch die Bürger beider Länder seien sich vielfach noch "ziemlich fremd". Es sei daher höchste Zeit, die Kontakte zwischen den Menschen zu verbessern. Wegen der Terroranschläge in den USA wurde bei dem Bürgerfest in Mainz anders als in den Vorjahren weitgehend auf ein Unterhaltungsprogramm verzichtet.

Kohl sagte bei der Kundgebung der CDU zum Tag der Einheit am Dienstagabend in Berlin: "Wir wollen nicht, dass die Täter und ihre ideologischen Nachkommen wieder eine Chance in Deutschland bekommen." Die Verbrechen des DDR-Regimes dürften nicht vergesen werden. Die Rede vor einigen tausend Zuhörern war der erste große Auftritt Kohls seit dem Tod seiner Frau Hannelore im Juli. CDU-Chefin Angela Merkel würdigte die Verdienste Kohls um die deutsche Einheit. Die Vereinigung Deutschlands in Freiheit sei nicht zuletzt ihm zu verdanken, betonte die CDU-Chefin.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) erklärte anlässlich des Tages der deutschen Einheit: "Nur wenn wir uns für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen, können wir uns wirksam gegen Verbrechen und Unterdrückung schützen." Der frühere CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble räumte ein, dass sich die Vollendung der inneren Einheit schwieriger gestalte als ursprünglich erwartet. Die Überwindung der Zeit der Teilung habe "mehr Anstrengungen gekostet, als wir damals geglaubt haben", sagte er dem Berliner "FAZ-Businessradio".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%