Feiertagshandel in der Kritik
Handelszeiten: Regionalbörsen wollen gemeinsamen Weg

Die Pläne der Frankfurter Wertpapierbörse für verkürzte Handelszeiten stoßen auf unterschiedliche Resonanz.

scc FRANKFURT/M. Die Regionalbörsen überlegen, ob sie sich den Plänen der Deutschen Börse anschließen sollen, den Handelsschluss eventuell auf 17.30 Uhr vorzuziehen. Entsprechende Pläne hatte die Frankfurter Wertpapierbörse am Wochenende vorgestellt. Fest steht bisher: Eine konkrete Entscheidung, ob die Handelszeiten verkürzt werden sollen, ist bisher bei keiner der sieben Regionalbörsen gefallen.

Allerdings gibt es unterschiedliche Tendenzen, die aus der Aufstellung der einzelnen Regionalbörsen beruhen. Während Düsseldorf und die BÖAG als Trägergesellschaft der Börsen Hamburg und Hannover kürzere Handelszeiten generell befürworten, betrachten die Börsen in Stuttgart, München und die Börse Berlin Bremen die neuen Pläne eher reserviert.

Generell geht es in allen Fällen um die Wahrung der Marktposition. Hier sieht sich die Stuttgarter Börse im Derivategeschäft gut positioniert und beobachtet dabei in der Zeit von 9 bis 20 Uhr eine lineare Verteilung des Orderaufkommens. Hinzu kommt, dass von den aktuell 30 000 Derivaten, die in Stuttgart gehandelt werden, gut die Hälfte sich auf den US-Markt beziehen. Allein deswegen sei es für den Anleger positiv, dass 4,5 Stunden parallel zur Wall Street gehandelt wird.

Ähnlich sieht man die Situation an der Börse Berlin Bremen, die unter anderem auch die Nasdaq Deutschland seit rund einem Vierteljahr betreibt. Vor allem die Vielzahl amerikanischer Aktien mache für den Anleger den Abendhandel dort attraktiv, hieß es.

Auch an der Bayerischen Börse in München will man nicht automatisch dem Beispiel der Deutschen Börse folgen. "Wir müssen zuerst ein Gefühl dafür bekommen, was der private Anleger will", sagt Geschäftsführerin Christine Bortenlänger dem Handelsblatt. Auch ziehe der Markt gegenwärtig wieder an, weshalb auch im Abendhandel das Ordervolumen zugenommen hat. "Ich verstehe, dass über einen verkürzten Handel nachgedacht wird, sehe im Moment aber keinen Druck dazu", sagt Bortenlänger.

Fest steht indes, dass es einen gemeinsamen Weg mit der Deutschen Börse zu verkürzten Handelszeiten nur dann geben wird, wenn alle Regionalbörsen sich dem anschließen. Düsseldorf sowie die Börsen in Hamburg und Hannover haben ihre Bereitschaft zur Zustimmung davon abhängig gemacht, dass alle Börsenplätze in Deutschland eine einheitliche Entscheidung fällen.

Gemeinsamkeit herrscht in diesem Fall übrigens bei der Abschaffung des Feiertagshandels. "Eine Entscheidung in dieser Frage ist beinahe dringlicher als die Verkürzung der Handelszeiten", sagte ein Sprecher der Hamburger Börse. Auf Unverständnis stößt deshalb die Entscheidung der Deutschen Börse, bei der jetzigen Überprüfung des Abendhandels den Feiertagshandel auszunehmen. An den drei Feiertagen in den letzten drei Wochen blieben die Umsätze jeweils erneut weit hinter denen gewöhnlicher Handelstage zurück. Damit habe sich nun im vierten Jahr in Folge gezeigt, dass der Handel an Feiertagen nur wenig Sinn macht, hieß es. Aus der Not eine Tugend hat am Fronleichnamstag die Stuttgarter Börse gemacht: Sie lud zum Tag der offenen Tür - und 3 000 Anleger kamen.

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