Feindliche Übernahme abgelehnt
FAG organisiert Abwehr gegen INA-Offerte

Um die Schweinfurter FAG Kugelfischer AG bahnt sich ein Übernahmekampf an. Einen Tag nach dem überraschenden Angebot des deutschen Konkurrenten INA-Holding lehnte FAG-Chef Loos die Offerte rundweg ab. Die FAG-Aktie legte wie erwartet zu.

cbu/jojo MÜNCHEN. Der Vorstand der FAG Kugelfischer AG wird sich gegen das feindliche Übernahmeangebot der INA-Holding Schaeffler KG wehren. Wie FAG-Vorstandschef Uwe Loos mitteilte, biete das Angebot der INA-Holding keine "klare, plausible sowie zukunftsträchtige Strategie" für die beiden Unternehmen. "Nach einer ersten Prüfung des INA-Angebots raten wir unseren Aktionären dringend, die Aktie nicht zu dem gebotenen Kaufpreis abzugeben", sagte Loos.

"Es werden im Übrigen sämtliche für die FAG bestehenden Handlungsoptionen intensiv geprüft", teilte das Unternehmen aus Schweinfurt weiter mit. Über Einzelheiten der Abwehrmaßnahmen von FAG wollte ein Unternehmenssprecher keine Auskunft geben. Offenbar wird dabei auch der neue Partner von FAG, die japanische NTN-Gruppe, eingebunden sein. Weitere Informationen sowie eine begründete Erklärung zur Ablehnung der Offerte wurden für die nächsten Tage angekündigt.

Zu Jahresbeginn hatte FAG-Chef Loos mit NTN eine Kooperation vereinbart. Eine spätere gegenseitige Kapitalbeteiligung zwischen den Franken und den Japanern war damals nicht ausgeschlossen worden. NTN ist derzeit weltweit Nummer drei in der Wälzlagerbranche.

Am Montag hatte INA-Chef Jürgen Geißinger überraschend ein feindliches Übernahmeangebot für FAG angekündigt. INA bietet den FAG-Aktionären 11 Euro je Aktie. Gegenüber dem Schlusskurs der FAG-Aktie vom vergangenen Freitag ist das ein Aufschlag von über 50 %. Die Transaktion hätte ein Volumen von 670 Mill. Euro.

Die FAG-Aktie, die im M-Dax notiert ist, war am Montag vom Handel ausgesetzt und legte am Dienstag deutlich um etwa 50 % auf knapp unter 11 Euro zu. Analysten bewerten das Angebot positiv.

Die Experten der West LB Panmure etwa sprachen gestern von einer fairen Übernahmeofferte. "Wir empfehlen, das Angebot anzunehmen", lautet der Rat. Bei 11 Euro ergebe sich für FAG sogar eine Bewertungsprämie gegenüber dem schwedischen Weltmarktführer SKF, heißt es. Lehman Brothers bestätigte gestern für FAG die Einschätzung "kaufen". Auch die Bankgesellschaft Berlin rät weiterhin, FAG-Anteile aufzustocken.

Gewerkschaftsvertreter lehnten den Vorstoß des fränkischen Wettbewerbers INA dagegen ab. "Feindliche Übernahmen sind der ganz ordinäre Ausdruck des Aktionärskapitalismus", teilte Werner Neugebauer von der IG Metall in Bayern mit. Der Gewerkschaftsfunktionär befürchtet unter anderem einen Verlust von Arbeitsplätzen. Die IG Metall befürworte eine Fortsetzung des erfolgreichen Wegs von FAG, hieß es gestern in München.

INA betonte dagegen, dass das Angebot trotz des Widerstands von Management und Belegschaft aufrecht erhalten werde. Die Herzogenauracher versicherten, dass die Arbeitsplätze erhalten werden, weil sich die beiden Unternehmen gut ergänzen würden.

INA ist komplett in Familienbesitz und beabsichtigt, FAG von der Börse zu nehmen, falls das Angebot erfolgreich ist. Bei einem Zusammengehen beider Unternehmen entstünde eine Firma mit 6,4 Mrd. Euro Umsatz und 52 000 Beschäftigten.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre unterstützt nach Angaben eines Sprechers den Kurs des FAG-Vorstands. "Das sieht sehr nach Schnäppchenjagd aus", verlautete zu dem Angebot von INA. Die FAG-Aktie galt zuletzt als stark unterbewertet und war deshalb auf den Kauflisten zahlreicher Banken. Weil fast alle FAG-Aktien in Streubesitz sind, werden einer Übernahme gute Chancen eingeräumt. Der größte Aktionär von FAG hält lediglich 6,5 % der Anteile.

FAG setzt unterdessen offenbar stark auf seine im Frühjahr geschlossene Partnerschaft mit NTN. Eine kapitalmäßige Verbindung erscheint nicht mehr ausgeschlossen. Ursprünglich hatte FAG-Chef Loos eine lose Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten befürwortet, weil er die erheblichen Schwierigkeiten großer Fusionen wie bei Daimler und Chrysler verhindern wollte.

Die ersten konkreten Projekte von NTN und FAG in Nordamerika sind inzwischen unterschriftsreif. Insgesamt war zunächst eine Kooperation in sechs Bereichen geplant, die für die Partner aus Deutschland und Japan zu deutlichen Kostensenkungen führen sollten.

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