Feindliche Übernahmeofferte
Übernahmekampf um FAG: Vorerst abwarten

Die FAG Kugelfischer AG droht, vom Kurszettel zu verschwinden. Das Schweinfurter Unternehmen, das seine Wälzlager in aller Welt vertreibt, sieht sich einer feindlichen Übernahmeofferte des Familienunternehmens INA Holding Schaeffler KG gegenüber.

HB DÜSSELDORF. Für elf Euro je Aktie will INA sich den bisherigen MDax-Wert einverleiben. Der Aktienkurs der FAG ist bereits bis knapp unter elf Euro gestiegen. Angreifer INA hat seit Bekanntwerden des Angebots mehr als 20 % der FAG-Anteile erworben, so dass eine erfolgreiche Übernahme nicht mehr ausgeschlossen scheint. Dann würde FAG vom Parkett verschwinden und zusammen mit INA auf Platz zwei im Weltmarkt für Wälzlager vorrücken.

Am Donnerstag will FAG in Frankfurt seine Abwehrstrategie vorstellen. Bis zum 22. Oktober müssen die Aktionäre sich entscheiden. Gehen sie auf das Angebot ein, wird der Kugellager-Hersteller übernommen - wozu INA einen Anteil von 75 % benötigt. Auf den ersten Blick scheint die Offerte attraktiv. Immerhin bietet INA vor dem Hintergrund wackliger Börsen sichere elf Euro. Sollen Aktionäre also Kasse machen - oder doch besser noch abwarten? Und vor allem: Wie groß ist die Chance, eine solche feindliche Übernahme abzuwehren?

Ein Blick auf die Analysten-Urteile scheint wenig hilfreich. Insgesamt liegt der Tenor eher bei Abwarten. Doch die Liste der Empfehlungen umfasst ein breites Spektrum an Ratschlägen, das von "Verkaufen" bis zu "Übergewichten" (also eher noch Zukaufen) reicht.

Nachdem das Angebot veröffentlicht wurde, sprang der Kurs von FAG in die Höhe - von 7,10 Euro auf knapp unter elf. FAG selbst hat eine große Anzeigenkampagne gestartet, in der das Unternehmen seine Aktionäre auffordert, das Angebot auszuschlagen. FAG selbst schätzt den fairen Wert seiner Aktien auf 40 Euro. Stimmt diese Schätzung auch nur ansatzweise, dann wäre das Unternehmen mit elf Euro pro Anteilsschein zu billig erkauft - ein Grund, vorerst nicht zu verkaufen. Zum anderen plant man in Schweinfurt eine Alternativ-Strategie, die am Donnerstag vorgestellt wird.

Thomas Rau von der BHF-Bank rät dennoch zum Verkauf der Papiere: "Im momentanen Börsenumfeld ist das Angebot unwiderstehlich", urteilt der Analyst. Zwar sei FAG ein "sauberes Unternehmen". Doch habe es der Vorstand bisher nicht geschafft, seine Erfolge auch "in den Kurs zu packen".

Eher überzeugt vom Substanzwert FAG ist die K/L/M Equity AG Wertpapierhandelsbank. Sie berät Fondsgesellschaften bei der Strukturierung ihrer Portfolios. "Wir haben die Aktie aus fundamentaler Sicht als Substanzwert gekauft und empfehlen daher, das Übernahmeangebot zunächst nicht anzunehmen", sagt Fondsberaterin Martina Straub.

Kapitalverflechtung möglich

Also doch eher abwarten - zumindest so lange, bis klar ist, mit welchen Maßnahmen FAG auf den feindlichen Angriff reagiert. Eine Möglichkeit liegt in der Kapitalverflechtung mit einem anderem Unternehmen. Dafür müsste ein "befreundeter" Konzern ein neues, höheres Angebot abgeben, diesmal im Einverständnis mit FAG. Dieser "weiße Ritter" würde dann Anteile kaufen, die es INA erschweren, die angestrebte Mehrheit zu erlangen.

Im Fall FAG wird der japanische Kooperationspartner NTN als ein solcher Retter gehandelt. Analyst Thomas Rau glaubt aber nicht an die Gerüchte um NTN. "Dann hätten sie schon längst was tun sollen", sagt er. Schließlich seien die Aktien nachgefragt, und eine solche Verflechtung sei über den Markt nur zu einem höheren Preis - und damit Aktienkurs - möglich.

Ähnlich ist Jens Jung von Independent Research gestimmt: "Die Wahrscheinlichkeit eines anderen Angebotes ist geringer als noch vor einer Woche", sagt der Analyst. Trotzdem bleibt er vorerst bei seiner Einstufung "Übergewichten". "Bis zum 22. Oktober wird nicht viel passieren", meint Jung.

Die Chancen, dass INA seine Übernahme wie geplant vollziehen kann, stehen nicht schlecht. Das Unternehmen hält mittlerweile einen großen Anteil, und "wahrscheinlich wird es stündlich mehr", so Jung. Das nehme bald die Phantasie aus dem Wert heraus. Zwar sei das Angebot "sicherlich attraktiv", doch koste es auch nichts, noch die Frist abzuwarten, da die elf Euro als Angebot ja stehen, betont Jung.

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