Feindliches Übernahmeangebot
Northrop bietet sechs Milliarden Dollar für TRW

Das US-Rüstungs- und weltgrößte Werftunternehmen für Kriegsschiffe, Northrop Grumman Corp hat einen feindlichen Übernahmeversuch beim Rüstungs- und Automobilzulieferer TRW Inc gestartet und den TRW-Aktionären sechs Mrd. $ geboten. TRW teilte am Montag mit, das Unternehmen benötige mehr Zeit, um die Offerte über 47 $ je Aktie zu bewerten.

Reuters NEW YORK. Northrop hatte das TRW-Management vor zwölf Tagen von dem Fusionswunsch unterrichtet, nach eigenen Angaben jedoch bislang keine "substanzielle Antwort" erhalten. Deshalb unterbreite das Unternehmen den TRW-Aktionären eine direkte Offerte und leite die notwendigen Schritte für einen Abschluss ein, teilte Northrop-Chef Kent Kresa in einer Stellungnahme mit. Northrop will die US-Börsenaufsicht im Laufe des Montags von dem Gebot unterrichten.

TRW kündigte an, spätestens bis zum 15. März über das Übernahmeangebot entscheiden zu wollen. Zuvor hatten TRW-Manager erklärt, mit der Northrop-Offerte werde TRW deutlich zu niedrig bewertet. Nach dem Gesetz muss TRW nach dem nun vorliegenden Angebot binnen zehn Tagen eine außerordentliche Hauptversammlung anberaumen. Innerhalb von 60 Tagen müssen die Aktionäre über den feindlichen Übernahmeversuch abstimmen. Das Gebot läuft am 29. März aus. Analysten spekulierten unterdessen, sowohl der Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing, als auch der Rüstungskonzern Lockheed Martin seien bestens positioniert, um sich mit konkurrierenden Offerten in den Streit einzuschalten.

Northrop will nach eigenen Angaben gegen die Anti-Übernahmegesetze des Bundesstaats Ohio, die als die strengsten in den USA gelten, klagen. Die Statuten sehen unter anderem vor, dass Investoren mehr als 0,5 % der Aktien nur nach Abstimmung der Alt-Aktionäre über das Gebot kaufen können.

Aufstieg in den Kreis der Top-Rüstungskonzerne



Mit der Fusion entstünde ein Rüstungskonzern mit einem Jahresumsatz von bis zu 27 Mrd. $. Northrop, Hersteller der B-2-Bomber, könnte durch die TRW-Übernahme nach Ansicht von Branchenexperten nach dem Flugzeughersteller Boeing Co. und Lockheed Martin in den Kreis der größten US-Rüstungskonzerne vorstoßen.

TRW brächte seine Informationstechnik- und Raumfahrtssparte ein, während Northrop Rüstungs- und Zivilsysteme beisteuern würde. Dazu gehören unter anderem der Bau von atomgetriebenen und konventionellen Schiffen sowie die Herstellung von Rüstungselektronik. Das TRW-Autogeschäft will Northrop dagegen früheren Angaben zufolge ausgliedern, sollte es zu dem Zusammenschluss kommen.

USA planen Aufstockung der Militär-Ausgaben

Die neue Etappe in der Konzentration der amerikanischen Rüstungsindustrie kommt zu einem Zeitpunkt, da das Pentagon gerade die Aufstockung der militärischen Ausgaben vorbereitet. US-Präsident George W. Bush will den Verteidigungshaushalt bis zum Jahr 2007 um mehr als 36 % auf 451 Mrd. $ erhöhen. Alleim im kommenden Jahr sollen die Rüstungsausgaben um 48 Mrd. $ auf 379 Mrd. $ steigen.

TRW sieht sich früheren Angaben zufolge mit dem Angebot von Northrop Grumman stark unterbewertet. In einem Schreiben an Kresa kritisierte das Management den Vorstoß als "opportunistischen Versuch" zu einem Zeitpunkt, als das plötzliche Ausscheiden von TRW-Chef David Cote im Februar den Aktienkurs belastet habe.

TRW-Aktien notierten am Montag an der New Yorker Börse mit 50,97 $ fast vier $ über dem Northrop-Angebot.

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