Feldforschung
Bei Luca in den Bergen

Sie werden wieder erst kurz vor Spielbeginn kommen, Fabio, Fausto, Paolo und all die anderen. Vorberichte sind nicht so ihre Sache. Und dann werden sie wieder ihre große, zerschlissene Italien-Fahne an der Wand neben dem Fernseher aufhängen, auf der geschrieben steht: "Für die Freunde aus Stella. Luca Toni."
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Stella, ein kleines Bergdorf in der Emilia-Romagna. Vom Ferrari-Sitz Maranello schlängeln sich die Serpentinen hinauf, vorbei an saftigen Hängen und malerischen Häuschen. Rund 300 Einwohner hat Stella, und jeder Zehnte von ihnen ist am Freitag im Ristorante "Pepe Verde" gewesen, um der größten und einzigen Dorfberühmtheit zuzuschauen. Luca Toni, ihr Luca.

Ein anderer Luca hat seine Tröte mitgebracht, aber sie funktioniert nicht richtig. "Du bringst Unglück", sagt Matteo, der Wirt, und genauso ist es gegen Rumänien dann ja auch gelaufen. Aber erst mal kämpft Luca Toni, köpft, schmeißt sich in die Bälle, lacht, schimpft, verzweifelt, richtet die Hände in den Himmel, rollt mit den Augen. Die Deutschen staunen über diesen unendlichen Reichtum von Gestik und Mimik, für die Menschen in Stella ist er so normal wie einer eben ist, den sie seit Jahrzehnten kennen. "Sempre uno di noi", sei der Luca, sagen sie: "Immer noch einer von uns."

Nach dem WM-Sieg hat Toni jedem seiner Freunde ein Trikot geschenkt mit der Aufschrift: "Dass ich Weltmeister bin, verdanke ich auch dir." Und seit er in Monaco di Baviera spielt, hat er sie zum Oktoberfest eingeladen und zur Meisterfeier der Bayern. Sie haben Fotos dabei, Paolo und Fausto mit Rummenigge und Beckenbauer. Sie hatten eine Menge Spaß, sagen sie.

Ähnlich wie beim Spiel der Italiener gegen Rumänien, einem Krimi, bei dem man sich herrlich aufregen kann. Fußball eben. Nur die Szene in der 45. Minute findet keiner lustig. Toni köpft ins Tor, er jubelt und Stella mit ihm, selbst die Tröte funktioniert plötzlich. Aber der Schiedsrichter gibt das Tor nicht. Ein Fehler, das sieht man schon in der ersten Zeitlupe.

Die Analysen schenkt sich Stella daher. Mit Herz, aber ohne Verstand hat Italien gespielt, sagt einer draußen beim Rauchen, aber was soll?s. Der Luca ist ja schon Weltmeister.

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