Feldforschung
Bing, Bumpf, Bang

Eines bleibt: Cordoba. Hans Krankl hat es gleich verkündet. Auch im 22. Jahr nach dem letzten Triumph, einem 4:1, und im 30. nach dem 3:2 bei der WM 1978 in Argentinien, bliebe letzterer der große Sieg. "Cordoba", so der zweifache Schütze im Spiel der Spiele, gebe es eben "nur einmal".
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Alles bleibt wie es war. Vor dem Stephansdom jubeln die anderen, Österreich feiert fröhlich mit, was den Spott der anderen einträgt, und geht dann kopfschüttelnd nach Hause. Es lässt sich darin so mancher Trost finden. Kein Ankommen gegen das Ewige.

Und auch keine Erinnerung mehr in der Nacht an das Geschwätz vom Morgen. Wie Konrad Adenauer ließ Hans Krankl mit einem Übersteiger seine Gedanken vom Vortag hinter sich. Zu wünschen, die Erben mögen "Cordoba endlich auslöschen aus unserem Gedächtnis" - Hans Krankl konnte sich nicht mehr entsinnen. Stattdessen: Deutschland bleibt "dreifacher Weltmeister und dreifacher Europameister, das sage doch alles" (Krankl). Und Cordoba eben Cordoba. So passt es auch besser in die eine Hymne, die sich Österreichs Fußballfans auf ihre Nationalmannschaft reimen. Sie singen "immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich". Beliebig kann der Dreisilber durch Cordoba ersetzt werden. Und fort schreitet das Lied im Kreise. Bis in alle Ewigkeit. Felix Austria!

Kaum glücklicher ist ein EM-Gastgeber je beim Abschied gewesen. Gestern wurde Trainer Josef Hickersberger befragt, wie er sich fühle und ob er weiter mache. Hickersberger, in Erinnerung an seine Aussage vor dem Spiel (Ich bin 60, fühle mich aber wie 59"), erklärte: "Heute fühlt es sich an wie 60." Und ob er weitermache? "Eine WM-Qualifikation gegen die Faröer-Inseln?" Lautes Gelächter. 1990 verlor Österreich gegen die Schaafinseln 0:1. Hickersberger nennen sie seither an schlechten Tagen "Färöer-Pepi".

Aber, wie lange ist das alles her? Das Färöer-Spiel in Humor aufgelöst. Und die Sorgen vor dem Turnier mit drei wackeren Auftritten vergessen. Oder wer kennt noch die Innsbrucker Verzagten, die eine Österreich-freie Fußball-EM" forderten. Oder jene junge Designerin, die den WM-Spruch "Zu Gast bei Freunden" abwandelte in "Zu Gast bei Verlierern." Was bleibt, sind Worte des Karikaturisten Gerhard Haderer bei "Maischberger": "Wir Österreicher sind Künstler. Wir wollen nicht nur Tore schießen. A Gurkerl, a Fersler, das ist auch schön."

Und allen, die doch mit dem Ewigen hadern, seien die folgenden Zeilen von Joachim Ringelnatz ein Trost: "Grübeln und grübeln nun stundenlang/Bing, Bumpf, Bang/Korks jetzt! Lona, und Prost! Kling! Klang!/Ein Schurke ist gar kein Feind./Hoch steht überm zeitlichen Raffinement/Die ewige Regel: Dass immer mal wieder die Sonne scheint.

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