FELDFORSCHUNG: Die Kolumne zur Euro 2008
Der Zauber von Klagenfurt

Die Bilanz ist beeindruckend - Neun Siege konnte die Deutsche Nationalmannschaft in Klagenfurt bislang verbuchen im direkten Duell gegen Österreich. Das Erstaunliche: Fast immer hielt das österreichische Publikum zur DFB-Elf.

HB. Es gibt ihn, diesen genius loci, den Zauber, der einem Ort innewohnt und bewirkt, dass die Mission nur gelingen kann. Und Klagenfurt hat für die Deutschen diesen Zauber. Das war beim Spiel von Löws Elf gegen Polen zu spüren. Und das bestätigt der direkte Ländervergleich mit Österreich. Dabei erstaunt nicht allein die Zahl deutscher Siege, sondern auch der Umstand, dass Deutschland hier zumeist vom Publikum die größere Zustimmung erhielt.

Neun Triumphe in zehn Jahren. So lautet die Klagenfurter Bilanz, während Österreich in diesem Zeitraum nur ein einziges Mal an diesem Ort jubeln konnte. Und zwar im Jahr 2002, was maßgeblich an Peter Glaser lag, der dieses Jahr nicht dabei sein wird. Nur in jenem Jahr hielt das Klagenfurter Publikum zu Österreich. Was Bände über das Alpenvolk spricht, womit die heiteren Nachrichten dann aber auch schon enden.

Denn das deutsche Team wird kommenden Montag nicht in Klagenfurt auf Gastgeber Österreich treffen, sondern im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Mit Wohlwollen seitens der österreichischen Fans wird kaum zu rechnen sein. Und auch statistisch scheint der deutsche Sieg nun weitaus unsicherer. Denn schon in der ersten Begegnung beider Nationalteams, die im Juni 1908 in Wien stattfand, unterlag Deutschland 2:3. Und obgleich die letzte Niederlage gegen Österreich auf 1986 datiert, so war dieses Spiel umso demütigender: Vor 50  000 Zuschauern unterlag die Beckenbauer-Elf 1:4. - Weil, wie wir folgern müssen, Wien der genius loci Klagenfurts fehlt.

Und so werden wir im Spiel gegen Österreich vielleicht genauso zittern, wie Anfang Februar in der ersten Halbzeit des Wiener Freundschaftsspiels, als die deutsche Elf von Hickersbergers Jungs an die Wand gespielt wurde. Einziger Trost wird uns dann der genius loci Klagenfurts sein, wo einen Tag vor dem EM-Finale der diesjährige Bachmann-Preisträger bestimmt wird. Dass der österreichische Autor Glaser dieses Jahr nicht dabei ist, hebt die Chancen auf einen deutschen Sieg. Und vielleicht erringen wir ja sogar - wie zuletzt neun Mal in zehn Jahren - den Publikumspreis. Was im Wiener Spiel jedoch herzlich wenig nützen mag.

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