Feldforschung – die Kolumne zur Euro 2008
Die hohe Kunst des Schmierens

Schmiergeld kommt von Schmieren, dazu braucht es keinen Etymologen. Wie aber Schmieren und Geld zusammen geht, das ist weithin unbekannt. Die allgemeine Erkenntnis aber, dass ein Schmiergeld das Fortkommen wesentlich erleichtert, die ist allgemein verbreitet. Franjo Pooth hat jüngst auf sie zurückgegriffen – und laut Züricher Tagesanzeiger auch die beiden Gastgeberländer der Euro 2008.

Schmiergeld kommt von Schmieren, dazu braucht es keinen Etymologen. Wie aber Schmieren und Geld zusammen geht, das ist weithin unbekannt. Kaum einer weiß mehr, dass es lange Jahrhunderte guter Brauch gewesen ist, den Postkutscher mit einem Sondergeld zum Schmieren der Achsen zu animieren. Zwei Tage Räderquietschen ist schließlich kein Vergnügen. Auch ist vergessen, dass ein erhöhtes Schmiergeld die Fahrt beschleunigen half.

Die allgemeine Erkenntnis aber, dass ein Schmiergeld das Fortkommen wesentlich erleichtert, die hat sich erhalten. Franjo Pooth hat jüngst auf sie zurückgegriffen - und laut Züricher Tagesanzeiger auch die beiden Gastgeberländer der Euro 2008. Dem renommieren Schweizer Blatt liegen nach eigenen Angaben Papiere vor, wonach die Verbände der Schweiz und Österreich bei ihrer Bewerbung sich der Bräuche der Vorväter erinnert haben. So haben sie erwogen, "die Mitgliedsverbände vor der Abstimmung mit Fußball-politischen Argumenten" zu überzeugen, was schnell verworfen wurde, oder "mit handfesten Vorteilen" an Land zu ziehen. "Allfällige Bedürfnisse der Verbände" müssten geprüft werden.

Es mag nun die Versicherung von Österreichs Verbandspräsidenten Friedrich Stickler, mit "Möglichkeiten, weniger bemittelte Verbände zu unterstützen", seien "Golfbälle, Schreibwerkzeug und Zigarren" gemeint gewesen, dazu geführt haben, dass die Entrüstung gestern klein ausfiel. Zum anderen zeigt das Wort "Bakschisch" (Synonym für Schmiergeld) an, dass auch ein freier Umgang mit den alten Bräuchen möglich ist. Das persische Wort bedeutet kleines Geschenk, gern und häufig wird es unter Freunden und Bekannten verteilt und hilft gleich der beschleunigten Kutsche, Verwaltungsvorgänge voranzutreiben.

Und wer aus der Welt des Fußballs wollte schließlich leugnen, dass so manches kleine Geschenk Großes bewirken kann. Kurz vor der Abstimmung über die Vergabe der WM 2006 verschickte das Satiremagazin "Titanic" eine Eildepesche an zahlreiche Komitee-Mitglieder, in der es ihnen bei einer Stimme für Deutschland Kuckucksuhren und Schwarzwälder Schinken versprach. Neuseelands Charles Dempsey erhielt sich daraufhin seiner Stimme und erklärte am anderen Tag bei CNN: "This final fax broke my neck." Deutschland bekam den Zuschlag bei 12:11 Stimmen.

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