Feldforschung – die Kolumne zur Euro 2008
Hopp svizzera!

Warum Oliver Neuville, Sohn eines Deutschen und einer Italienerin, geboren in Locarno, als Kind weder Fan der Deutschen noch der Schweiz gewesen sein wird, sondern es mit Italien gehalten haben muss.

Gestern Mittag bestellten wir Pizza in Locarno, Schweiz. Der Chef der Osteria sah aus wie Alex Ferguson, graue Haare, geädertes Gesicht, gab sich aber zu verstehen als Cousin des deutschen Nationalspielers Oliver Neuville. Wir plauderten ein wenig über die EM, und wenn Ahnenforschung irgendwelche Rückschlüsse zulässt, wagen wir an dieser Stelle einen Tipp: Oliver Neuville, Sohn eines Deutschen und einer Italienerin, geboren in Locarno, war als Kind weder Fan der Deutschen noch der Schweiz. Oliver Neuville muss es mit Italien gehalten haben.

So ist es halt im Tessin, nein: Ticino, wo die DFB-Elf während der EM logiert. Die Menschen hier sind in der glücklichen Lage, in der reichen, organisierten Schweiz zu wohnen und ansonsten das zu sein, was jeder sein will: Italiener. Für die EM bedeutet das, dass sie hier in etwa genauso viel oder wenig stattfindet wie in Palermo oder Rimini. Die Bilder von bemalten Eidgenossen aus Basel oder Genf wirken wie aus einem fernen Land.

Dabei haben sie es schon versucht mit dem schweizerischen Nationalstolz, im Radio zum Beispiel. Zwischen Jovanotti und Eros Ramazzotti versuchte der Moderator am Abend vor dem Eröffnungsspiel, den Zuhörern grundlegende Fangesänge beizubringen. E tutti: "Hopp Schwiiz, hopp Schwiiz." Es kam ihm kaum über die Zunge, und auch seinen Kompromissvorschlag "Hopp svizzera" haben wir nicht auf den Fantribünen gehört, als sich Locarno am Samstag im Public Viewing versuchte.

Heute spielt Italien, auch im Tessin geht dann vielleicht die EM los. Bis dahin versuchen wir herauszufinden, mit welchem Team es eigentlich die vierte Schweizer Volksgruppe hält, die etwa 60 000 Rätoromanen. Ihre Sprache hört sich schon mal verdächtig nach Italienisch an.

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