Feldsalat
So gehen die Deutschen

Am Montag, bei der Abschiedsvorstellung der deutschen Nationalmannschaft vor dem Brandenburger Tor, trugen Spieler und Trainer ihr letztes Credo auf der Brust. "So gehen Deutsche" hatte die Kalendersprüche-Agentur von Manager Oliver Bierhoff auf weiße Trikots drucken lassen. Unter der Zeile zeigten die Baumwollhemden eine Gruppe von Menschen. Aufrecht gehen die Deutschen, sollte das heißen, und anzeigen, dass man vor der EM-Final-Niederlage nicht in die Knie gehe.

Die Zeile ist einem Fansong entnommen. Er besingt den eigenen aufrechten Gang und schmäht gleichzeitig die gebückte Haltung der Gegner. Kommen in dem Lied letztere an die Reihe, gehen die Sänger in die Hocke. Gelangt man zu den Deutschen, springen alle auf. Ist das lustig?

Ist es nicht. Nicht, wenn man gestern live miterleben musste, wie der Kirmes-Komiker Oliver Pocher das Lied zum Schluss der Feier dazu benutzte, um Spanien und Fernando Torres zu verunglimpfen. Bitte zweimal lesen: Spanien und Torres! Die deutsche Nationalelf war dem neuen Europameister im Finale nicht nur unterlegen, sie wurde vorgeführt. Und Fernando Torres: Hatte mit einem mächtigen Sprint Philipp Lahm düpiert und mit einem Lupfer über Lehmann den Siegtreffer erzielt. Ja kann denn keiner mehr in Würde verlieren?

Pochers Liedchen und die dazu mithüpfenden deutschen Kicker waren der traurige Höhepunkt eines deutschen EM-Unternehmens, dass sich am Ende auflöste in einer Form von Klamauk, für die es nur ein Wort gibt: peinlich.

Die ganze Party hätte man sich verkneifen sollen. Was gab es da zu feiern? Ein einziges Spiel hat die deutsche Elf so dominieren können, wie sie es seit dem Einstieg von Jürgen Klinsmann in die Unternehmung "Modernisierung des deutschen Fußballs" immer wieder propagiert hatte. Gegen Polen, die nicht einmal Österreich bezwingen konnten. Und zweimal hatte sie Effizienz bewiesen, als sie gegen Portugal und die ersatzgeschwächte Türkei jeweils drei Chancen zu drei Toren nutzte. Beide Partien hätten auch verloren gehen können, das haben die beiden Spiele gegen Kroaten und Spanier gezeigt.

Das ist das eigentliche Drama dieser EM, bei der diese DFB-Elf nicht nur das Finale verloren hat, sondern auch ihr Ziel aus den Augen, nicht mehr zu rumpeln. Einen Tag nach dem Finale hat sie bei dem stumpf-humorigen Pocher auch noch ihre Würde abgegeben. Wie traurig!

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