"Fels in der Brandung"
Analysten sagen "Aktie Gelb" rosige Zukunft voraus

Ein Jahr nach ihrem Börsengang ist die Deutsche Post für viele Analysten attraktiver als je zuvor. Knapp ein Viertel ihres Ausgabekurses von 21 Euro büßte die "Aktie Gelb" seit ihrer Geburtsstunde im November 2000 ein, was Börsenkenner allerdings in erster Linie auf die schwachen Märkte zurückführten.

Reuters FRANKFURT. Die Positionierung und Strategie des Konzerns ließen mittel- und langfristig einen steigenden Aktienkurs bei der Post erwarten, heißt es. Immerhin büßte der Titel in den vergangenen zwölf Monaten weniger ein als der Deutsche Aktienindex (Dax). Für Konzernchef Klaus Zumwinkel ist die Post-Aktie deshalb auch ein "Fels in der Brandung".

Bei einigen Anlegern scheint die für viele Analysten erfolgreiche Wandlung des ehemals staubigen Staatsriesen in eine Börsengesellschaft allerdings noch nicht ganz angekommen zu sein. Der Konzern habe wohl immer noch mit seiner Vergangenheit als Behörde zu kämpfen. "Das schlechte Image der Post als ein Staatsunternehmen ist immer noch in den Köpfen vieler Investoren", sagte Mario Kristl, Post-Analyst bei Helaba Trust. "Man versucht jetzt mit toller Werbung, in der das Wort Brief ja gar nicht mehr vorkommt, das Image zu verbessern." Auch für Thomas Meier von Union Investment hat sich bei der Post viel getan: "Man darf nicht vergessen, was in den letzten zehn Jahren aus dem Unternehmen entwickelt wurde", sagte der Fondsmanager.

Vor einem echten Aufschwung an der Börse muss die Post nach Ansicht von Analysten zunächst erst Firmenzukäufe wie Danzas oder DHL verdauen. "Das sind wirklich Mammutaufgaben. Aber ich denke, dass das Management erfolgreich sein wird, wenn es so weiter macht wie bisher, und dass es sukzessive positiv gewürdigt wird", sagte Christian Obst von der HypoVereinsbank. Seine Empfehlung für die "Aktie Gelb" lautet auf "Kaufen. Man müsse dem Unternehmen Zeit geben, zu zeigen, dass es an vielen Sachen arbeitet. "UPS hat seit 100 Jahren von einem sehr starken Heimatmarkt aus mit hervorragendem Management sowas aufgebaut. Auch Fondsmanager Meier sieht noch einen Zeit-Bonus: "Für die erfolgreiche Integration geben die Investoren dem Management noch ein bis zwei Jahre. Vor allem müssen die Trends erkennbar sein. Ich bin da recht zuversichtlich", betonte er.

Skepsis gegenüber dem Unternehmen

Dass die Post-Aktie seit ihrem Börsengang bisher fast nur den Weg nach unten kannte, führten die meisten Analysten auf die schwachen Märkte und verschiedene Sonderfaktoren, nicht aber auf operative Gründe zurück. Insofern werde der Bonner Konzern vernachlässigt, was sich auch daran zeige, dass sich selbst nach guten Nachrichten kein großer Jubel am Markt breit mache. "Es ist allgemein bei den Investoren eine große Skepsis gegenüber dem Unternehmen zu erkennen", sagte Fondsmanager Meier. Diese Einstellung könnte sich aber allmählich ändern. "Ich glaube, die Aktie ist durchaus attraktiv geworden, was auch im Wesentlichen damit zusammen hängt, dass die Bewertung jetzt auf dem niedrigen Niveau auch deutlich attraktiver geworden ist."

Als weniger positiv sehen Analysten aber noch die starke Abhängigkeit der Post vom Briefgeschäft an. "Man muss sich nur Umsätze und Erträge anschauen. Die Post ist schwerpunktmäßig immer noch auf der anderen Seite", sagte Post-Experte Obst mit Blick auf den weiterhin hohen Ergebnisanteil des Briefgeschäfts im Vergleich zu den drei anderen Sparten Logistik, Express und Finanzen. Immer noch erzielt der Bonner Konzern nur ein Drittel des Umsatz, aber fast drei Viertel seines Gewinns mit Briefen. Auf Dauer soll das Verhältnis nach Post-Angaben "Fifty-Fifty" betragen. Helaba-Analyst Kristl sieht hier Fortschritte: "Im Bereich Logistik hat die Post tolle Logistikverträge ins Leben gerufen und die laufen jetzt erst an. Das Unternehmen legt jetzt quasi die Saat aus, und ich denke, in zwei bis drei Jahren werden auch die Zahlen die Expansion belegen."

Druck auf die Post-Aktie übten immer wieder Gerüchte um bevorstehende Verkäufe weitererBundesanteile zur Deckung von Haushaltslöchern aus. Die Post bestritt dies stets und auch Analysten erwarten kurzfristig keine Platzierungen des Bundes. "Deutlich unter dem Emissionskurs von 21 Euro wird man die Aktien zum zweiten Börsengang nicht verkaufen", sagte Experte Kristl. "Was sollte man dann zu den Aktionären der ersten Stunde sagen?" Zusätzliche Rückschläge erhielt die "Aktie Gelb" zudem jüngst durch Ängste vor Anschlägen mit Milzbranderregern über den Postweg. Sobald ein Brief mit weißem Pulver in Deutschland gefunden werde, gehe der Kurs nach unten, sagte Kristl. Er rate dennoch zum "Übergewichten" der Post-Aktie.

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