Archiv
Ferdinand fordert Entlassung von Spaniens Coach

Der spanische Fußballverband (Rfef) hat sich beim englischen Verband (FA) schriftlich für die Rassismus-Vorfälle während des Länderspiels am 17. November in Madrid entschuldigt.

dpa MADRID. Der spanische Fußballverband (Rfef) hat sich beim englischen Verband (FA) schriftlich für die Rassismus-Vorfälle während des Länderspiels am 17. November in Madrid entschuldigt.

Die FA reichte derweil offiziell Beschwerde beim Weltfußballverband (Fifa) ein. Nationalspieler Rio Ferdinand von Manchester United forderte die Entlassung von Spaniens Nationaltrainer Luis Aragonés. Noch weiter ging die Mutter von Ashley Cole, der wie andere schwarze Spieler der englischen Nationalmannschaft systematisch ausgebuht und mit Affengeschrei verhöhnt worden war. Sie verlangte einen Ausschluss spanischer Teams aus internationalen Wettbewerben. "Wir begrüßen die Antwort (des Rfef) und warten auf die Einzelheiten der Untersuchung, die die Fifa eingeleitet hat", heißt es in der Erklärung der FA. Spanien drohen eine hohe Geldstrafe und Platzsperren.

Madrid fürchtet indes negative Folgen für seine Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012. Nach einem Eilantrag des konservativen Bürgermeisters Alberto Ruiz-Gallardón verabschiedete der Stadtrat einstimmig eine Erklärung, in der die ausländerfeindlichen Schmährufe "energisch verurteilt" werden. "Dieses Verhalten entspricht in keiner Weise der Einstellung der überwiegenden Mehrheit der Madrilenen", heißt es in dem Text.

"Wenn unser Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson solche Bemerkungen wie Spaniens Coach gemacht hätte, wäre er ohne Zweifel entlassen worden. Die Leute fragen sich, warum der spanische Fußballverband das nicht mit diesem Mann macht", sagte "Manu"-Profi Ferdinand der "Sun": "Das sendet ein falsches Signal an die jungen spanischen Fans. Aragonés hatte den Streit ausgelöst, indem er den französichen National-Stürmer Thierry Henry (FC Arsenal) als "Scheißneger" bezeichnete. Rassismus-Vorwürfe in der britischen Presse konterte er mit einem Hinweis auf die koloniale Vergangenheit der Briten.

"Spanien sollte von jedem internationalen Fußball-Wettbewerb ausgeschlossen werden, bis es diese Sache ausgeräumt hat", forderte Sue Cole im "Daily Mirror". Ihr Sohn Ashley (Manchester City) war durch Sprechgesänge wie "Steht auf, wenn ihr nicht scheiß-schwarz seid" verhöhnt worden. "England wäre sofort von der WM ausgeschlossen worden, wenn so etwas hier passiert wäre", meinte Coles Mutter.

Das Spiel am 17. November stand sogar kurz vor dem Abbruch. Ferdinand räumte ein, er sei bereit gewesen, zusammen mit seinen Mannschaftskameraden das Spielfeld zu verlassen, wenn Trainer Eriksson ein Zeichen gegeben hätte. Doch der sah "das Ende des Fußballsports" auf dem Spiel stehen: "Ich hätte meine (schwarzen) Spieler schützen können, indem ich sie ausgewechselt hätte. Aber wenn ich Spieler nur wegen ihrer Hautfarbe ein- oder auswechsele, dann wäre das das Ende des Fußballs", erklärte Eriksson.

Die "Nacht, die den Fußball beschämte" ("The Sun") beschäftigte auch die britische Presse. "Fügt Spanien Schmerzen zu", forderte der "Daily Mirror" in Riesen-Lettern auf der Titelseite. Durch die "Schande von Spanien" wurde laut "Telegraph" den "schwarzen Spielern die Menschenwürde entrissen". Die "Times" kommentierte das Verhalten der spanischen Fans: "Enthüllung: Das wahre Herz einer Nation, die das Intolerierbare toleriert."

Die spanische Sportpresse, die die Vorkommnisse im Santiago-Bernabéu-Stadion von Real Madrid weitgehend ignoriert hatte, reagierte erst mit einem Tag Verspätung und verurteilte die Vorfälle. Die führende Sportgazette "Marca" titelte mit einer Fotomontage, in der der Kameruner Nationalspieler Samuel Eto'o vom FC Barcelona mit weißer und der Franzose Zinedine Zidane von Real Madrid mit schwarzer Hautfarbe dargestellt wurden. "Der Fußball darf keine einzige rassistische Geste zulassen", lautete die Überschrift.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%