Fernbedienung wird zur echten Schaltzentrale
Fernseher werden mit Internet zu Alleskönnern

Die Unterhaltungsbranche setzt große Hoffnungen auf das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet zum interaktiven Digital-TV, da hier neue Umsatzpotenziale gesehen werden: Während des Fernsehens sollen Zuschauer E-Mails schreiben können, Zusatzinformationen über das Programm erhalten und in Zukunft auch einkaufen.

Reuters HANNOVER. "Diese Fernbedienung sollten sie lieber nicht verlieren", sagt Michael Schmidt vom Unterhaltungselektronik-Hersteller Loewe und hält das silberne Gerät in Richtung Multimedia-Fernseher. Denn damit sollen Zuschauer künftig nicht nur den Sender wechseln können, sondern auch im Internet surfen, die Hausbeleuchtung regeln, die Wohnungstür überwachen und sogar eingehende Anrufe auf den Anrufbeantworter umleiten. Ermöglicht werden sollen diese Funktionen durch die Verbindung zwischen TV und Datennetz, die die klassische "Flimmerkiste" in einen High-Tech-Alleskönner verwandeln soll.

Die Medien- und Unterhaltungsbranche setzt große Hoffnungen in dieses Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet zum interaktiven Digital-TV, da hier neue Umsatzpotenziale gesehen werden: Während des Fernsehens sollen Zuschauer E-Mails schreiben können, Zusatzinformationen über das Programm erhalten und in Zukunft auch einkaufen - vielleicht mit einem einzigen Mausklick das Lieblingsparfum der Hauptdarstellerin bestellen, von dem sie gerade auf der Seite des entsprechenden Films im Internet gelesen haben.

Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg, aber einige Möglichkeiten des interaktiven Fernsehens werden auf der Cebit 2001 demonstriert. So kann der Zuschauer bei dem Loewe-Fernseher mit einem Klick auf die Website des ZDF gelangen und diese parallel zum laufenden Programm abbilden. Loewe will ab sofort alle Multimedia-Fernseher mit dieser Funktion ausstatten. Die Überwachung der Wohnungstür per Web-Kamera und Übertragung auf den Fernsehbildschirm ist dagegen noch ein Experiment. Auch noch nicht serienmäßig ist die Möglichkeit, sich während des Fernsehkrimis die Nummern von Anrufern auf dem Bildschirm anzeigen zu lassen und störende Anrufe per Fernbedienung direkt auf den Anrufbeantworter umzuleiten.

Eine Chance erst durch flächendeckendes Breitbandkabel



Erst bei einer flächendeckenden Verbreitung von Breitbandkabel wird dem interaktiven Fernsehen von Branchenkennern eine richtige Chance gegeben. Dann nämlich wird der Internet-Zugang schneller und der Fernseher rückkanalfähig, das heißt auch der Zuschauer kann Daten hinausschicken - beispielsweise für Bestellungen im Internet. Bei mobilen Geräten wie internetfähigen Taschen-Computern oder den Multimedia-Handys für den nächsten Mobilfunkstandard ist das automatisch gegeben.

Hier müssen allerdings die Web-Angebote den anderen Formen angepasst werden, was der Internet-Dienstleister Pixelpark auf der Cebit demonstriert. Parallel zum Fernsehprogramm des Musiksenders Viva werden passende Internet-Angebote auf Taschen-Computer geschickt oder auf dem Bildschirm angezeigt. "Das wird der Renner, wenn Kids ersteinmal Musikgrüße aus dem Fernseher per E-Mail verschicken können", sagt Harald Behnke, der bei der Bertelsmann-Tochter für Internet-Fernseh-Angebote zuständig ist.

TV-Aufrüstung mit Settop-Boxen



Für die Integration von Fernsehen und Internet müssen herkömmliche TV-Geräte mit so genannten Settop-Boxen aufgerüstet werden. Die Hersteller solcher Boxen sind derzeit dabei, den neuen Standard MHP (Multimedia Home Platform) in ihre Geräte zu integrieren. Auf MHP hatten sich Fernsehsender, Netzbetreiber und Hersteller von Unterhaltungselektronik verständigt, damit es einen einheitlichen Standard für das digitale Fernsehen gibt.

Fernbedienung wird zur echten Schaltzentrale



Der Settop-Boxen-Hersteller Metabox will bis zur Internationalen Funkausstellung im August die ersten MHP-Boxen vorstellen. Auf der Cebit präsentiert Metabox, wie Zuschauer ihren Fernsehschirm teilen können, das Fernsehbild auf der Internet-Site verschieben und jederzeit auch einen Film auf DVD abspielen können. In die Fernbedienung ist eine Maus eingebaut, mit der durch Websites navigiert werden kann.

Die Fernbedienung wird beim interaktiven Fernsehen also zur Schaltzentrale von Fernsehen, Internet und vernetztem Heim. Wer sie verliert, hat laut Loewe aber zumindest beim Fernsehen trotzdem noch eine Chance: Ein Handy vom selben Hersteller lässt sich als Ersatz-Fernbedienung nutzen, mit der zumindest der Sender gewechselt, die Lautstärke geregelt und das Fernsehgerät ganz abgeschaltet werden kann.

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