Fernseh-Tochter ProSieben überrascht die Börse: Kirchs Imperium droht Aufspaltung

Fernseh-Tochter ProSieben überrascht die Börse
Kirchs Imperium droht Aufspaltung

Eine Zerschlagung der hoch verschuldeten Gruppe wird immer wahrscheinlicher. Experten gehen davon aus, dass sich Kirch nur durch Verkäufe von Beteiligungen vor dem Kollaps retten kann.

jojo/po HB FRANKFURT. "Kirch muss etwas abgeben", hieß es am Mittwoch in Branchenkreisen. Medienexperten erwarten deshalb bald einen weitreichenden Umbau der Münchener Film- und Fernseh-Gruppe von Leo Kirch. "Es gibt Bestrebungen, das Kirch-Imperium auseinander zu nehmen", so die Einschätzung Münchener Banker.

Die Zeit drängt, denn neue Kredite, um die in Kürze fälligen Verpflichtungen zu erfüllen, sind in weite Ferne gerückt. Am Montag hatte Deutsche-Bank-Chef Breuer in ungewöhnlich offener Form deutlich gemacht, dass von den Banken kein Geld mehr zu erwarten sei.

Aus dem Kerngeschäft von Kirch gelten insbesondere die Beteiligung an der Formel 1 und das Bezahlfernsehen Premiere als Verkaufskandidaten. An Interessenten gibt es keinen Mangel: Auf die Motorsportserie haben die Autohersteller schon lange ein Auge geworfen. Konkrete Verhandlungen zum Verkauf der Formel 1 gebe es derzeit aber nicht, sagte ein Kirch-Sprecher am Mittoch. Den hoch defizitären Pay-Kanal Premiere würde sich gerne Medienzar Rupert Murdoch sichern. Der Besitzer des Medienkonzerns News Corp. hat in den vergangenen Wochen mehrere öffentliche Angriffe auf Kirch gestartet und zuletzt mit rechtlichen Schritten gedroht, falls Kirch seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Der Australier kann im Herbst 1,5 Mrd. Euro für sein Premiere-Paket verlangen. Darüber hinaus fordert der Axel Springer Verlag von Kirch derzeit 770 Mill. Euro für dessen ProSieben-Anteile.

Bereits im April wird ein Kredit über 460 Mill. Euro der Dresdner Bank fällig, den das Institut erst im Dezember verlängert hat. "Der Kredit steht", bekräftigte am Mittwoch eine Sprecherin, "und wir haben entsprechende Sicherheiten." Einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach die Dresdner den Kredit nicht weiter verlängere und in bar zurückfordere, wollte die Bank nicht kommentieren. Allerdings haben sowohl die Dresdner Bank als auch die Mutter Allianz deutlich gemacht, dass es kein Interesse an einer langfristigen Beteiligung an Medienunternehmen gebe.

Banker und Medienexperten gehen davon aus, dass vor allem die Deutsche Bank ein Interesse daran hat, Kirch aufzuteilen. Ein Verkauf der Formel-1-Anteile könnte ein lukratives Geschäft für die Investment-Sparte der Frankfurter Bank sein, heißt es. "Momentan wird viel unternommen, Kirch handlungsunfähig zu machen", verlautet im Umfeld des Unternehmens, "um dann die Reste verkaufen zu können."

Für einen Lichtblick bei Kirch sorgten am Mittwoch allerdings die Zahlen der ProSiebenSat 1 Media AG, an dem die Gruppe die Mehrheit hält. Der Fernsehsender (Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1, N 24) übertraf vergangenes Jahr mit einem Jahresüberschuss von 68 Mill. Euro die Erwartungen der Analysten. Das im M-Dax notierte Unternehmen hatte seine Prognosen zuvor allerdings mehrmals nach unten korrigiert. Wegen der Werbeflaute lag der Gewinn aber 27 % unter dem Rekordjahr 2 000.

Der Umsatz der TV-Station lag mit 2,015 Mrd. Euro im Rahmen der Erwartungen der Analysten, aber 6,5 % unter dem Vorjahr. Pro Sieben hat sich damit besser als der gesamte Werbemarkt entwickelt, der nach Firmenangaben um 7 bis 8 % geschrumpft sei.

Der Kurs der Aktie legte am Mittwoch bis zum frühen Abend um rund 21 % auf 5,5 Euro zu. Positiv bewerteten Analysten vor allem, dass es dem Management gelungen sei, die Kosten massiv zu senken. Wegen der Probleme der Kirch-Gruppe sei die Aktie im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern deutlich günstiger, urteilt die WestLB Panmure. Die LB Baden-Württemberg erwartet, dass der Kurs wegen der Unsicherheit um die geplante Verschmelzung mit Kirch Media weiter stark schwanken wird.

Kirch will im Sommer die ProSieben AG mit seinem Filmrechte-Geschäft zusammen legen und an die Börse bringen. Dazu hat sich die Firma vertraglich verpflichtet. Das Vorhaben liege im Zeitplan und sei nicht gefährdet, betonte ein Kirch-Sprecher.

Nach wie vor unklar ist, ob sich Berlin an einer Rettung von Kirch beteiligt. Regierung und Opposition dementierten gestern Berichte, wonach sich Kanzler Schröder und Herausforderer Stoiber heute zu Beratugen über die Zukunft von Kirch treffen würden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%