Fernseh- und Radiokonzern sieht kein Ende der Werbekrise
Gewinn der RTL-Group bricht ein

Die Rezession im Werbemarkt zeigt Wirkung: Bei der RTL Group sinken die Gewinne. Auch der Mutterkonzern Bertelsmann musste Umsatzeinbußen einstecken, doch wegen des AOL-Verkaufs stieg die Rendite.

hps/pos DÜSSELDORF. Bei der RTL Group brechen die Gewinne ein. Das operative Ergebnis (Ebita) sank auf 181 Mill. Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 235 Mill. Euro. Der Umsatz aller Fernseh- und Radiosender (RTL, M6, Channel 5) stieg in den ersten sechs Monaten auf 2,1 Mrd. Euro (Vorjahr: 2,0 Mrd.), da der Sportvermarkter Sportfive und erworbene Produktionsfirmen erstmals konsolidiert wurden. Ohne diese Sondereffekte würde der Umsatz um 2 % niedriger liegen. Die RTL Group ist die renditestärkste Tochter im Bertelsmann-Imperium.

Hoffnung auf eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Der TV-Konzern erwartet noch keine Erholung der Werbemärkte. Obwohl es auf Einzelmärkten wie den Niederlanden oder Großbritannien positive Signale gebe, sei eine Einschätzung für die nähere Zukunft schwierig, sagte Vorstandschef Didier Bellens anlässlich der Halbjahreszahlen. Vor allem auf dem deutschen Markt musste die RTL Group Federn lassen.

Die Werbeeinnahmen gingen im ersten Halbjahr um 7,2 % zurück. Bellens arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, die TV-Töchter unabhängiger vom schwachen Werbemarkt zu machen. Der Belgier sieht bereits erste Erfolge. Bereits jetzt stammen 39 % der Einnahmen aus dem Produktionsgeschäft oder dem Merchandising und somit nicht mehr aus der klassischen Werbung. In diesem Zusammenhang setzt RTL auf seine Musiktalentshow "Deutschland sucht den Superstar", die deutsche Variante der britischen TV-Show "Pop Idol". Die von der Produktionstochter Fremantle Media vermarktete Showserie soll die Rendite des Kölner Senders RTL kräftig nach oben treiben. "Pop Idol" entwickelte sich zuvor in Großbritannien prächtig.

Für Bertelsmann ist die TV-Gruppe der wichtigste Ertragsträger. Der neue Vorstandschef Gunter Thielen hält am ehrgeizigen Renditeziel seines Vorgängers Thomas Middelhoff von 10 % fest. Auch der Großaktionär Groupe Bruxelles Lambert (GBL) unterstützt nach Meinung von Insidern diesen Kurs. "Im Ziel sind wir einig, dass Bertelsmann künftig hohe Renditen erreichen muss", sagte ein Insider. Wie Unternehmenskreise gestern bestätigten, werde der Konzern weiter für einen Börsengang ab 2005 vorbereitet. GBL kann ihr Aktienpaket von 25,1 % ab 2005 an die Börse bringen. GBL hatte von Bertelsmann-Gründer Reinhard Mohn beim Tausch eigener Anteile gegen die Mehrheit an der RTL Group dieses Recht eingeräumt bekommen. Bertelsmann hat jedoch ein Vorkaufsrechte auf die GBL-Anteile. Aus Gütersloh ist zu hören, dass bei Reinhard und Liz Mohn die Neigung wächst, GBL ein entsprechenes Angebot zu machen.

Die Rezession auf dem Werbemarkt hat auch bei Bertelsmann Spuren hinterlassen. Der Konzernumsatz ist im ersten Halbjahr auf 8,83 Mrd. Euro (Vorjahr: 9,29) gesunken. Dennoch wurde ein operativer Gewinn (Ebita) von 157 (-884) Mill. Euro erzielt. Der Überschuss ist auf 1,63 Mrd. (577 Mill.) Euro gestiegen. Auslöser für die Gewinne waren die Einnahmen aus der letzten Tranche der AOL-Anteile. Allerdings muss Bertelsmann eine Risikovorsorge von 1 Mrd. Euro für eine mögliche Abschreibung für den Kauf der US-Musikfirma Zomba treffen.

Derweil ist das Kapitel um die Musiktauschbörse Napster beendet. Nachdem am Dienstagabend ein US-Gericht die Übernahme Napsters durch Bertelsmann abgelehnt hat, erklärten die Gütersloher den endgültigen Verzicht auf ein weiteres Engagement bei der insolventen Musiktauschbörse. Eine Napster-Sprecherin sagte, Napster habe die Pforten geschlossen und den Großteil seiner 42 Beschäftigten nach Hause geschickt, um sich auf die Liquidierung des Unternehmens vorzubereiten. Das von Thomas Middelhoff initiierte Investment in Napster kostete den Konzern insgesamt 120 Mill. Euro.

Quelle: Handelsblatt

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