Fernsehansprache Arafats löste geteilte Reaktionen aus
Militante Palästinenser weisen Appell zurück

Trotz des eindringlichen Appells des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat zum Gewaltverzicht hat es am Montag wieder Tote in Nahost gegeben.

ap JERUSALEM. Bei Zwischenfällen im Westjordanland erschossen israelische Soldaten zwei Palästinenser. Arafat warf Israel vor, seine militärischen Aktivitäten zu verstärken. Es sehe so aus, als sei dies die Antwort auf seine Rede vom Sonntag, sagte er.

Radikale bezeichnen Terror als "Grundrecht"

Radikale Palästinenserorganisationen wiesen inzwischen Arafats Aufruf zum Ende der Selbstmordattentate zurück. "Niemand hat das Recht, dem palästinensischen Volk sein Grundrecht zur Selbstverteidigung zu nehmen", sagte Abu Imad Rifai, ein Sprecher des Islamischen Dschihad in Beirut. Ähnlich äußerten sich Sprecher der Hamas und der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP).

International löste die Fernsehansprache Arafats geteilte Reaktionen aus. Während Ägypten und Jordanien die Ansprache begrüßten, bewerteten die USA und Israel die Äußerungen skeptisch. Der israelische Regierungsberater Raanan Gissin forderte, Arafat solle keine Erklärungen abgeben, sondern mit den versprochenen Verhaftungen beginnen. Außenminister Schimon Peres sagte dagegen, Arafat habe einen aufrichtigen Eindruck gemacht. "Wir werden ein paar Tage warten und sehen, was passiert", sagte er dem israelischen Armeeradio.

Bundesaußenminister Fischer begrüßte Arafats Aufruf zum Gewaltverzicht. Israel sei aufgefordert, alles zu tun, um Arafat und seiner Regierung die vor ihnen liegende Aufgaben zu ermöglichen. Bei einer Schießerei in Hebron töteten israelische Soldaten am Montag ein Mitglied der Hamas in dessen Haus. Der 28-Jährige habe bei seiner Festnahme zu fliehen versucht, teilte die israelische Armee mit. Bei Nablus beschossen israelische Soldaten ein Zivilfahrzeug, in dem sich zwei palästinensische Polizisten befanden. Von palästinensischer Seite hieß es, einer der Männer sei getötet, der zweite verletzt worden. Bei Nablus explodierte am Montag eine am Straßenrand deponierte Bombe. In der Nacht zum Sonntag hatten Palästinenser eine jüdische Siedlung im Gazastreifen beschossen. Bei den Vorfällen wurde niemand verletzt.

Palästinensische Politiker in Ostjerusalem festgenommen

Die israelische Polizei nahm im Osten Jerusalems sechs palästinensische Politiker wegen "nationalistischer Aktivitäten" vorübergehend fest, darunter auch der Repräsentant der Palästinensischen Befreiungsorganistion (PLO) im Ostteil der Stadt, Sari Nusseibeh, und der örtliche Führer der Fatah-Partei von Präsident Arafat, Hatem Abdel Chader. Sie wollten in einem Hotel einen Empfang zum islamischen Fest des Fastenbrechens (Eid el Fitr) geben. Der israelische Minister für Öffentliche Sicherheit, Usi Landau, sagte, es habe sich um ein Ereignis nationalistischer Art gehandelt, das nach den Friedensvereinbarungen nicht in Jerusalem erlaubt sei. Vor dem Hotel hatten sich 150 Personen, darunter mehrere europäische Diplomaten, versammelt. Nusseibeh teilte am Eingang seinen Gästen das israelische Verbot mit, als die Polizei ihn und seine Mitarbeiter festnahm. Nusseibeh habe eine polizeiliche Anordnung missachtet, die Veranstaltung nicht abzuhalten, sagte ein Polizeisprecher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%