Fernsehbranche fürchtet Kontrolle des Digitalfernsehens
Medienwächter verurteilen Pläne von Liberty Media

Nicht nur konkurrierende Unternehmen fürchten eine Übermacht von Liberty Media im Kabel-TV-Sektor. Auch die Medienwächter stehen den Vorhaben des US-Konzerns skeptisch gegenüber.

hps/slo DÜSSELDORF. Die Landesmedienanstalten sind den Plänen des US-Kabelnetzbetreibers Liberty Media Corp. entgegengetreten. "Wirtschaftliche Interessen von Liberty haben keinen prinzipiellen Vorrang vor den Interessen der Veranstalter und erst recht nicht vor denen der Verbraucher", sagte Norbert Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, beim Treffen der Medienwächter in Erfurt.

Er kritisierte damit die Absage von Liberty Media an MHP, den Branchenstandard für Empfangsgeräte für das digitale Fernsehen (Settop-Boxen). Das US-Unternehmen will seine zehn Millionen Kunden in Deutschland mit günstigeren Geräten mit eigener Technik ausrüsten. MHP würde die Kosten pro Decoder um 60 bis 80 Euro erhöhen, sagte Miranda Curtis, Präsidentin von Liberty Media International, vergangene Woche zur Begründung.

Die Medienanstalten kritisierten zudem, dass Liberty die Decoder an die Kunden verschenken möchte: Selbstverständlich erwarte das Unternehmen dann, dass die Verbraucher die vorfinanzierten Kosten durch höhere Umsätze refinanzierten. Es sei daher möglich, dass Liberty bisher frei nutzbare Inhalte nur noch gegen zusätzliches Entgelt anbiete.

Die Landesmedienanstalten, die deutschen TV-Sender, die Gerätehersteller und die Softwareanbieter haben sich erst kürzlich auf MHP geeinigt. Dieser offene Standard soll das digitale Fernsehen in Deutschland voran bringen. Er ermöglicht es den Zuschauern, mit nur einer Settop-Box alle Inhalte im Digital-TV mit Zusatzfunktionen wie E-Mail, Internet und Tele-Shopping zu nutzen.

Die Fernsehbranche fürchtet, dass Liberty Media die Angebote für seine Kunden mit Hilfe nicht MHP-fähiger Geräte kontrollieren und so anderen Unternehmen den Zugang zum Liberty-Kabelnetz in Deutschland versperren wird. Die Landesmedienanstalten haben ihren Einspruch angekündigt, falls Liberty seine Pläne nicht ändern sollte. Doch zunächst müsse man noch Gespräche mit dem US-Unternehmen abwarten. Der Rundfunkstaatsauftrag gibt den Medienwächtern den Auftrag, den diskriminierungsfreien Zugang aller Programmanbieter zum Fernsehkabelnetz sicherzustellen.

Mit der Ablehnung von MHP steht Liberty unter den TV-Kabelnetzbetreibern in Deutschland allein da. Das US-Unternehmen Callahan, das die Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg betreibt, sowie das Konsortium Klesch/NTL in Hessen wollen an ihre Kunden Settop-Boxen mit MHP vermieten.

Liberty Media hat der Deutschen Telekom AG sechs Kabelnetzregionalgesellschaften für insgesamt 5,5 Mrd. Euro abgekauft. Das Geschäft ist noch nicht abgeschlossen, da die Kartellbehörde noch nicht zugestimmt hat. Liberty rechnet damit für Anfang des kommenden Jahres.

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