Fernsehduell
„Es ist schlecht gelaufen, es ist schlecht gelaufen“

Erst am Wochenende hatten sich Silvio Berlusconi und Romano Prodi auf ein Fernsehduell im Vorfeld der Wahlen geeinigt. Am Dienstagabend kam es zum ersten Showdown. Dabei wirkte Regierungschef Berlusconi überraschend nervös, Herausforderer Prodi dagegen souverän.

MAILAND. Das Korsett ist zu eng. Schon bei der ersten Antwort überzieht Silvio Berlusconi die erlaubten zweieinhalb Minuten Redezeit um 20 Sekunden. Später wird sich Italiens Premier offen beschweren: "In dieser Form ist es unmöglich, die Konzepte vernünftig zu erklären." Herausforderer Romano Prodi kontert: "Es ist nur das erste Mal, dass beide die gleiche Zeit zur Verfügung haben."

Willkommen beim lang ersehnten und heiß diskutierten Fernsehduell zwischen den zwei Spitzenkandidaten vor den Wahlen am 9. und 10. April. In einem nüchternen, ganz in weiß gehaltenen TV-Studio sitzen die beiden Politiker rechts und links vom Moderator Clemente Mimun, der als Schiedsrichter die Fragen der zwei anwesenden Journalisten moderiert: Berlusconi dunkel geschminkt mit einem leichten Rotstich in den braun gefärbten Haaren; Prodi mit sauberem, angegrautem Seitenscheitel und einem neuen, leichteren Brillengestell.

Erst am Wochenende hatten sich beide Seiten auf das TV-Duell geeinigt. Prodi wollte erst nicht teilnehmen, da Berlusconi zunächst nach den zwei Duellen noch eine eigene Fernsehpressekonferenz und damit das letzte Wort zugesichert war. Ende letzter Woche verzichtete der Premier auf das Privileg. Das zweite Duell ist für den 3. April geplant.

Bei der Premiere am Dienstagabend kritzelt Berlusconi nervös Zahlen und lange Linien auf die Notizblätter vor ihm, die er immer wieder neu ordnet. Sein fast wächsernes Gesicht richtet er beim Sprechen nicht in die Kamera, sondern zu den Journalisten, die außerhalb des Bildschirms sitzen. Die Zuschauer überflutet er mit Zahlen und bei den Antworten laviert er unsicher herum. Ein schwaches Bild für den Medienprofi Berlusconi. Immerhin kommt es nicht zu einem Eklat wie am Sonntag. Da stand Berlusconi mitten in der Sendung "In 1/2 Ora" auf und brach das Interview ab. Die Moderatorin hatte es gewagt, ihn zu unterbrechen und darauf zu bestehen, dass er ihre Fragen beantwortet.

Die direkte Konfrontation mit Prodi vor laufender Kamera verläuft zäh. Frage, Antwort beider Politiker, Replik - immer der gleiche Rhythmus. Dabei gehen die beiden Kontrahenten nicht zimperlich miteinander um: Berlusconi wirft seinem Widersacher vor, nur die "Fassade" der Linken zu sein, die eine "zersplitterte Koalition" überdecke. Prodi mokiert sich, dass Berlusconi sich immer wieder über das schwere Erbe der Linken beschwert: "Was haben Sie denn in den fünf Jahren getan?", fragt er mit Blick auf Berlusconis Regierungszeit. "Nur Dinge, die in ihrem eigenen Interesse waren!" Tatsächlich seien vier Gesetze verabschiedet worden, die seinen Geschäften genützt hätten, sagt der Premier, dem unter anderem die drei größten privaten Fernsehsender Italiens gehören. "Aber insgesamt haben wir 750 Gesetzesvorschläge besprochen", fügt er entschuldigend an.

In Umfragen der Institute SWG und IPR Marketing bescheinigen die Zuschauer nach dem Duell Prodi den souveräneren Auftritt. Und auch der Showman Berlusconi ist sich seiner schwachen Performance bewusst. Auf dem Weg zum Abschminken sagt er nur: "Es ist schlecht gelaufen, es ist schlecht gelaufen."

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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