Fernsehen im Herbst und Winter
Mehr Shows für weniger Geld

Die Programmanbieter werfen neue Erfindungen in die Schlacht um den Zuschauer. Dabei gibt kein Sender mehr Geld für Inhalte aus, im Gegenteil: Es wird kräftig gespart.

HB/dpa HAMBURG - Das Medium Fernsehen steht vor einer entscheidenden Phase. Im Herbst und Winter wird sich herausstellen, ob der jüngst eingebrochene Werbemarkt wieder anzieht und die Sender wieder höhere Einnahmen machen - oder zumindest aus der Verlustzone heraus kommen. Eine bemerkenswerte Erkenntnis steht jedoch schon vor Beginn der neuen TV-Saison fest: Die großen Programmanbieter werfen in einer Fülle wie selten zuvor neue Erfindungen in die Schlacht um den Zuschauer.

Dabei dürfen die Programme nicht teuer sein, denn das Rückschlagrisiko ist groß, und kein Sender gibt mehr Geld für Inhalte aus, im Gegenteil: Es wird kräftig gespart. So kündigte erst vor wenigen Tagen Sat 1 an, den Etat um 150 Millionen auf 580 Millionen Euro abzubauen. Kosten für Shows, Serien und Filme werden überall gedrückt. Angesagt sind günstige Dokusoaps und realitätsnahe Konzepte sowie Formate, die sich - ähnlich wie der RTL-"Superstar"-Wettbewerb - durch CD-Verkäufe und Zuschaueranrufe refinanzieren lassen.

Stichwort "Superstar": RTL startet die zweite Runde am 3. September, am selben Tag geht die "DDR Show" mit Oliver Geißen an den Start. Bei Pro Sieben und nicht bei RTL II läuft bereits die neue Staffel der "Pop Stars", das ZDF läutet am 18. September den Wettbewerb "Deutschlands Stimme 2003" ein. Der Mainzer Sender sucht in der Reihe "Unsere Besten" den Deutschen, der diesen Titel am meisten verdient hat - zu den Aspiranten gehören mit Rosa Luxemburg und Wolfgang Amadeus Mozart auch solche, die vielleicht in Polen oder Österreich geboren wurden. RTL II testet mit "Fame Academy" ein weiteres Castingformat. Marktführer RTL, der sich auch 2004 die Konkurrenz vom Leib halten will, schafft am jetzt von Sat 1 besetzten Champions-League-Tag, dem Mittwoch, einen neuen Show-Sendeplatz mit "Der Traummann" oder "Die 10...". Sonja Zietlow testet wieder Deutschlands klügste Kinder, eingeplant sind auch "Der große Führerscheintest" und zwei Shows zum 20. Geburtstag des Senders, möglicherweise auch mit Geißen. Abschied nehmen heißt es vielleicht von Werner Schulze-Erdels "Familienduell", das durch Soaps wie "Mein Baby" und "Die Heimwerker" abgelöst werden könnte.

ProSieben hat sein Tagesprogramm, das sich von den Psychotalks und Gerichtsshows abheben soll, auf Halbstunden-Formate umgestaltet. "Do it youself" und die "Castingagentur" sind zwei Beispiele. Die Abendserien werden ergänzt durch die Krankenhaus-Comedy "Srubs" und die Krimiserie "Without a Trace" - die Fortsetzung der glücklosen Serie "Alias" läuft wohl erst im Frühjahr 2004. Neu ist Viva-Gesicht Charlotte Roche als Nachtmoderatorin. Bei Sat 1 setzt man weiter auf einen neuen Vorabend, der durch das Kripoteam "K 11" ab September und Barbara Eligmanns Sendung "Warum nur?" ab November ergänzt wird - neu sind die Serien "Körner und Köter", "Mit Herz und Handschellen" sowie "Der Elefant".

Die ARD kommt im Herbst mit einem neuen Donna-Leon-Team (Uwe Kockisch wird Nachfolger von Joachim Król als Kommissar Brunetti). Abschied nehmen heißt es vom "Scheibenwischer" in einem pompösen Finale. Jörg Pilawa macht den "Pisa-Ländertest" an einem Samstagabend, am 13. September sucht die ARD Deutschlands Jahrhunderthit. Großer Bahnhof für Komiker Loriot am 13. November, der in einer eigenen Gala zum 80. Geburtstag geehrt wird. Das vorzeigbarste neue ARD-Projekt ist die Verpflichtung von Sandra Maischberger, die ab 3. September Alfred Biolek als Talkerin folgen soll.

Das ZDF hat Maximilian Schell mit der Serie "Der Fürst und das Mädchen" (ab 17. September) zu einer eigenen Adelssaga verholfen. Lustig wird es an 24 Samstagen (um 8.55 Uhr) mit der neuen Trickserie "Die Mainzels" - die sechs Mainzelmännchen, inzwischen 40 Jahre alt, specken ab und kriegen mit dem Zwillingspaar Zara und Lea weibliche Verstärkung. Kommissar Stubbe feiert im Dezember seinen 25. Fall. Und Papst Johannes Paul II. wird zum 25- jährigem Amtsjubiläum vom ZDF am 16. Oktober mit zwei Dokumentationen gewürdigt.

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