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Fernsehen und Computer im Wettstreit

Fernsehen im Internet? Interaktives Fernsehen auf dem Fernsehgerät? Welche Ideen haben die deutschen Medienhäuser entwickelt? Am Donnerstag gaben Medien- und Internet- Experten auf der Internet World Antworten.

BERLIN. Vertreter der großen Medienhäuser in Deutschland malten am dritten Tag der Internet World in Berlin ein realistischeres Bild der Fernsehzukunft, als noch vor Monaten üblich. Deutlich wurde eines: Bislang wird noch kein Geld verdient mit den Internet-Fernseh-Projekten, die im Hause Bertelsmann und der Kirch-Gruppe entwickelt werden. "Wir lernen sehr viel im Moment, aber wir verdienen noch kein Geld mit unseren Produkten", sagte Joachim Magin, Geschäftsführer der ProSieben Digital Media GmbH. "Wir versuchen jetzt die Claims für die Zukunft abzustecken", so Magin weiter. Die Kirch-Gruppe backt im Moment kleine Brötchen. Das im Winter angekündigte Entertainement-Portal "Maxdome" ist wieder in den Schubladen verschwunden. "Wir haben die Marktlage damals falsch eingeschätzt," so Magin am Donnerstag auf Nachfrage.

Jetzt versuchen die Kirch-Männer wieder einen Anlauf: Vor zwei Wochen sind sie mit dem Projekt N24 Broadband an das Netz gegangen. N24 Broadband steht als Beispiel für das, was die Kirch-Gruppe in den nächsten Jahren entwickeln will: Der Fokus liegt auf den kurzen Filmen im Internet. "Wir sehen noch nicht den Markt für große Hollywooldfilme, der auf ruckelnden Bilder auf dem PC angeschaut werde", so der Kirch-Mann.

Wieviele Haushalte sind 2005 an das Breitbandnetz angeschlossen?

Voraussetzung für den ruckelfreien Empfang auf dem PC ist eine schnelle, eine so genannte Breitbandanbindung an das Internet. Und die wird es nächster Zukunft nicht so schnell geben. Das Marktforschunsginstitut Jupiter MMXI sagt für die kommenden Jahre eine geringere Penetration mit Breitbandanschlüssen voraus, als zuvor angenommen. Das Unternehmen nennt als Gründe den mangelnden Wettbewerb unter den Betreibern, geringe Nachfragen auf Seite der Kunden und, was am stärksten ins Gewicht fällt, der hohe Preis für diese Technologie. Gegenwärtig fallen laut MMXI als einmalige Anschlussgebühr 200 Euro an, die monatliche Grundgebühr beträgt 50 Euro. Jupiter MMXI schätzt, dass die Breitbandtechnologie in den kommenden fünf Jahren nur nach und nach angenommen wird und bis zum Jahr 2005 lediglich 14 Prozent der europäischen Haushalte über einen solchen Internet-Zugang verfügen werden.

Hardy Heine von der RTL Newmedia, einer hundertprozentigen Internet-Tochter des Kölner Privatsenders RTL, berichtete von den Erfahrungen der Bertelsmann Broadband Group (BBG). Die BBG hatte sich bis Anfang des Jahres mit der Entwicklung von Breitbandapplikationen innerhalb des Bertelsmann-Konzerns beschäftigt, bevor sie im Februar in die RTL Newmedia integriert wurde. "Video-on Demand Angebote sind in den Testhaushalten der BBG am häufigsten nanchgefragt worden," sagte Heine. Dafür hätten die Test-Kunden auch Geld ausgegeben. Video-on Demand also die Killerapplikation auf der neuen Generation von Settop-Boxen?

Finanzierungsbedarf bei den Kabelgesellschaften

Voraussetzung ist auch hier ein Breitbandanschluss. Lediglich ein bis Prozent der Haushalte verfügten heute bereits über einen Breitbandanschluss, so Heine. Als schnelle Zugangsvarianten zum Internet sieht Heine nur zwei Acces-Formen: den Kabelanschluss und den DSL-Zugang. RTL Newmedia setzt auf die neuen Kabelgesellschaften. Die Unternehmen, die das Fernsehkabelnetz der Deutschen Telekom gekauft hatten, haben aber jetzt bereits Finanzierungsprobleme. Heine sprach von einem Finanzierungsbedarf von 30-50 Mrd. DM, die nötig sind, um die Kabelnetze multimediatauglich zu machen. Dieser Betrag, so der Mann aus Köln, müsse allein für den Netzausbau aufgebracht werden. Content sei in dieser Rechnung noch nicht enthalten.

Am Ende der Veranstaltung blieb die Erkenntnis, dass es noch ein weiter Weg ist zum interaktiven Fernsehen. Fernsehen und PC werden noch viele Jahre nebeneinander bestehen bleiben. Das Fernsehen steht für die Unterhaltung mit Hollywood-Filmen, während News und Newsclips in der nahen Zukunft häufiger auf dem PC abgerufen werden. Wichtig für die weitere Entwicklung ist der Ausbau der Breitband-Infrastruktur. Für einen weiteren Innovationsschub wird die Einführung des Digitalen Fernsehens sorgen, das bis 2010 eingeführt werden soll.

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