Fernsehkonzern wächst nur noch langsam
Pro Sieben entlastet Leo Kirch nicht

Schwierige Aussichten auf dem TV-Markt: Pro Sieben Sat 1 erwartet nur geringes Wachstum. Der Beitrag zum Schuldenabbau beim Mehrheitsgesellschafter Leo Kirch wird daher bescheiden ausfallen.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Für die mit mindestens 6,5 Mrd. Euro verschuldete Kirch-Gruppe kommt vom Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG keine große Entlastung: Die Sendergruppe erwartet weiter ein schwieriges Fernsehjahr 2002. Erholung sei allenfalls im zweiten Halbjahr zu erwarten, erklärte Vorstandsvorsitzender Urs Rohner gestern. Umsatz und Gewinn würden voraussichtlich nur noch einstellig wachsen. "Der Fernsehwerbemarkt ist schwer vorhersehbar geworden. Verlässliche Prognosen lassen sich mittlerweile nur von Monat zu Monat machen", sagte Rohner dem Handelsblatt.

Schon im vergangenen Jahr hatte das erfolgsverwöhnte Fernsehunternehmen beim Gewinn deutliche Einbußen verzeichnet. Nur noch 68 Mill. Euro erzielten die Sender Sat 1, Pro Sieben, Kabel und N 24. Das entspricht einem Gewinnrückgang von 27 %. Das Ergebnis vor Steuern halbierte sich annähernd auf 106 Mill. Euro. Der schlechte Werbemarkt hinterließ auch beim Umsatz deutliche Spuren. Im Fernsehbereich sank der Umsatz auf 1,96 Mrd. Euro (2000: 2,08 Mrd. Euro). Größtes Problem des TV-Konzerns bleibt Sat 1. Der Berliner Sender machte im vergangenen Jahr einen Vorsteuer-Verlust von 77 Mill. Euro. Profitabelster Sender mit einer Umsatzrendite von rund 30 % ist Pro Sieben. Viel Freude bereitet den Aktionären der Spielfilm-Kanal Kabel 1 mit einer Umsatzrendite von 16 %.

Die Pro Sieben Sat 1 will trotz der ablehnenden Haltung der Börse weiter an der Fusion mit dem Mehrheitsgesellschafter Kirch Media festhalten. In der Kirch Media sind der Film- und Sportrechtehandel sowie die TV-Sender gebündelt. Wegen der Finanzkrise von Kirch wurde die für Juni geplante Verschmelzung jüngst abgesagt. Gleichzeitig will die Sendergruppe die stimmrechtslosen Vorzugsaktien und Stammaktien umwandeln. Auf der Hauptversammlung im Mai will man diesen Beschluss fassen. Die Börse reagierte positiv: Die Aktie stieg gestern um mehr als 6 % auf rund 8,4 Euro. "Wir erwarten keine schnelle Lösung der Probleme bei Kirch Media, so dass eine Fusion möglicherweise in diesem Jahr nicht mehr zustande kommt", erläuterte die Hamburger Bank M.M. Warburg & Co.

Premiere-Chef Kofler arbeitet an Sanierungsplan

Die wichtigste Voraussetzung für die von Kirch dringend benötigte Fusion ist die Lösung des Problems Premiere. Beim Bezahlfernsehen fand gestern eine Aufsichtsratssitzung statt. Der neue Geschäftsführer und frühere Pro-Sieben-Chef Georg Kofler legte den neun Aufsichtsräten einen "Werkstattbericht" vor. Aus Unternehmenskreisen hieß es, ein Sanierungsplan solle bis Ostern vorliegen. Kofler, der erst vor sechs Wochen sein Amt angetreten hat, will mit Reformen an Programm, Abonnement und Organisation die Verluste von 1,5 Mill. Euro täglich schnell eindämmen. Viel Zeit bleibt dem stets optimistischen TV-Manager nicht. Die liquiden Mittel reichen offenbar noch rund ein halbes Jahr.

Unsicherheit herrscht bei Premiere über die weitere Strategie des Gesellschafters Rupert Murdoch, der über das britische Medienunternehmen BSkyB mit 22 % beteiligt ist. BSkyB will ihre Put-Option auf den Anteil an der KirchPayTV am 1. Oktober und damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt ausüben. Dies sagte ein Sprecher des britischen Unternehmens. Die Option sieht vor, dass Kirch die Beteiligung für 1,7 Mrd. Euro zurückkaufen muss. Brancheninsider vermuten, es gehe Murdoch immer weniger um das defizitäre Bezahlfernsehen, sondern um das lukrative Free-TV in der Kirch-Gruppe.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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